"Er wollte nur Rennen fahren und gewinnen"

Fasziniert von Michael Schumacher: Willi Weber erzählt erstaunliche Anekdoten

Willi Weber und Michael Schumacher.
Willi Weber und Michael Schumacher.
© Rauchensteiner, Rauchensteiner/Augenklick

20. September 2021 - 15:31 Uhr

Wie war das damals eigentlich?

1991 begann in der Formel 1 eine neue, eine spektakuläre Ära. Michael Schumacher gab in jenem Jahr nämlich sein Debüt in der Königsklasse. Damals mit an seiner Seite: Manager Willi Weber, der den jungen Kerpener zuvor von einer Zusammenarbeit überzeugen konnte. Wie es genau dazu kam, verriet Weber nun in einem Interview.

Das ist Michael Schumachers Philosophie

"Da wusste ich: Das ist der richtige Mann!"

Bereits 1987 trafen sich die Beiden erstmals an einer Rennstrecke. Der damals 18-jährige Kerpener fuhr in der Formel Ford von Sieg zu Sieg, beeindruckte Weber damit aber noch nicht nachhaltig. "Er gewann damals jedes Rennen. Das tun aber viele, das hat mich nicht begeistert", sagte Weber dem Schweizer "Blick". Was ihn an Schumi faszinierte sei "dieses Spiel mit dem Fahrzeug" gewesen: "Er hat mit dem Auto gespielt und nicht umgekehrt. Da wusste ich: Das ist der richtige Mann!"

1988 einigten sich die Beiden schließlich auf eine vertragliche Zusammenarbeit. Geschäftssinn offenbarte der junge Schumacher damals aber noch nicht. "Er sagte mir zuerst, dass ich 80 Prozent [der Einnahmen] haben könne und er nur 20", berichtete Weber von einem kuriosen Vorschlag des späteren Rekordweltmeisters. Da diese Aufteilung zum einen juristisch nicht möglich und zum anderen nicht fair gewesen wäre, einigten sich Weber und Schumacher schließlich auf eine 80:20-Aufteilung zu Gunsten Schumis.

Wirklichen Wert hat der Kerpener darauf aber nicht gelegt: "Michael war das Geld damals scheißegal. Er wollte nur Rennen fahren und gewinnen." In seinen "kühnsten Träumen" habe er sich nicht ausmalen können, was in den Jahren danach passierte, sagte Weber. Los ging es 1989 in der deutschen Formel-3-Meisterschaft. Dort wurde Schumi auf Anhieb Dritter hinter Karl Wendlinger und Heinz-Harald Frentzen. Womöglich hätte er schon damals den Titel gewinnen können, doch er erhielt von Weber ein striktes Siegverbot.

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Weber erfuhr im Urlaub von Schumachers Unfall

"Wäre Michael im ersten Jahr gleich Formel-3-Meister geworden, hätten wir in die nächsthöhere Klasse wechseln müssen, in die Formel 3000. Das wäre gefährlich gewesen, da dort jedes Jahr ein anderes Team das beste Material hatte", begründete Weber besagtes Verbot. "Zuerst wollten wir ihn heimlich mit der Technik langsamer machen. Doch ich war einer, der immer Klartext mit Michael sprach. Ich sagte ihm: 'Michael, wenn wir gewinnen, kann das die Endstation sein! Fahr bitte ein bisschen langsamer'."

Schumacher folgte den Anweisungen seines Manager und nahm den Fuß in seinem ersten Formel-3-Jahr vom Pedal. Ein Jahr später sicherte er sich dann aber doch den Titel. Wiederum nur wenige Monate später übernachtete Schumi mit Weber in einer Jugendherberge in Spa und wartete auf seinen ersten Formel-1-Start. "Das Jordan-Team hatte vergessen, für uns ein Hotel zu buchen. Doch das war uns völlig egal, wir hätten auch unter einem LKW geschlafen", erinnerte sich der Manager, der sagte: "Ab Spa veränderte sich unser Leben radikal. Es war auf einen Schlag vorbei mit unserer Anonymität."

Heute hat Weber keinen Kontakt mehr zu Schumacher. Im Dezember 2013 habe er zum letzten Mal mit dem Kerpener zusammengesessen, erinnerte sich der Manager, der in seinem eigenen Skiurlaub von Schumachers folgenschwerem Unfall erfuhr. Mittlerweile bereut er, dass er damals nicht sofort zu seinem ehemaligen Schützling ins Krankenhaus fuhr: "Damals dachte ich, ich warte erst mal ein bisschen ab, bis sich alles beruhigt hat. Das war wohl ein Fehler." (tno/sport.de)