Aus bei Formel-1-Team

Daran ist Ex-Renault-Teamchef Abiteboul gescheitert

Cyril Abiteboul
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12. Januar 2021 - 12:44 Uhr

Abiteboul und Renault gehen getrennte Wege

Dass Cyril Abiteboul als Teamchef bei Renault, das ab 2021 als Alpine F1 in der Formel 1 an den Start geht, abgelöst wird, schien schon lange klar: Der Franzose galt als heißer Kandidat für den Posten als Markenchef bei der Sportwagenfirma Alpine. Am Montag dann die überraschende Meldung: Abiteboul und der Renault-Konzern gehen ab sofort getrennte Wege. Aus der öffentlichen Mitteilung geht nicht hervor, was intern vorgefallen sein könnte und ob die Trennung eher als Rücktritt oder doch als Rauswurf einzuordnen ist. Offensichtlich ist aber: Renault hat die hohen Ziele, die man sich für die Formel 1 gesteckt hatte, in den vergangenen Jahren klar verfehlt.

Eigene Ziele wurden nicht erreicht

Es sind Worte, die man so oder so ähnlich oft in Pressemitteilungen liest, wenn sich Wege trennen: "Ich möchte mich bei Renault für das Vertrauen bedanken, das mir – insbesondere nach dem Relaunch und der Neuausrichtung 2016 – entgegengebracht worden ist", so Cyril Abiteboul zu seinem Aus bei Renault. Er wünsche dem neuen Projekt Alpine F1 viel Erfolg und danke Renault-Geschäftsführer Luca de Meo für die Zusammenarbeit.

Auch die Dankesworte von de Meo sind ähnlich beliebig: Er bedanke sich bei Abiteboul "für seinen unermüdlichen Einsatz" und für "seine bemerkenswerte Arbeit in der Formel seit 2007".

Wieso man trotz allem getrennte Wege gehen will, lässt die Mitteilung offen. Die naheliegendste Vermutung: Die Ziele, die man mit Abiteboul hatte, wurden nicht erreicht – und traut man ihm womöglich auch nicht für die nahe Zukunft zu.

Große Pläne noch 2016: Renault wollte 2020/21 WM-Kandidat sein

 2020 Australian GP MARCH 11: Daniel Ricciardo, Renault F1 with Cyril Abiteboul, Managing Director, Renault F1 Team during the Australian GP on March 11, 2020. Photo by Sam Bloxham / LAT Images Images W6I4913
Daniel Ricciardo sollte mit Renault Siege holen - doch auch der Top-Fahrer brachte die Franzosen nicht aus dem Mittelfeld.
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Cyril Abiteboul war ein echtes Renault-Urgestein. Der 43-Jährige kam bereits nach seinem Studium im Jahr 2001 zum Unternehmen, seit 2007 arbeitete er für das Formel-1-Team. 2010 stieg der Franzose dann sogar zum Geschäftsführer des Rennstalls auf, bevor er 2012 als Teamchef zu Caterham wechselte. Nach drei Jahren kehrte Abiteboul jedoch zu Renault zurück und spielte eine Schlüsselrolle bei der Entscheidung, ab 2016 wieder mit einem Formel-1-Werksteam in die Königsklasse des Rennsports zurückzukehren.

Die Pläne der Franzosen damals: Höchst ambitioniert. 2016 träumte Renault vom ersten Sieg in drei bis fünf Jahren – danach wollte man um den WM-Titel mitkämpfen. Noch 2017 sorgte Abiteboul mit kampfeslustigen Aussagen für Aufsehen: "Unser Ziel ist es, Mercedes 2018 beim Motor zu übertrumpfen."

Die Realität holte die Franzosen aber schnell ein: Von der angepeilten Spitze der Königsklasse ist man bis heute noch weit entfernt. Ein Rennsieg? Bis dato Fehlanzeige. Auch mit Top-Fahrer Daniel Ricciardo, der 2018 überraschend von Red Bull zu Renault gewechselt war, konnten die Franzosen ihre hohen Ziele nicht erreichen. 2020 gelangen Ricciardo und seinem Teamkollegen Esteban Ocon immerhin drei Podestplätze – nach den ursprünglichen Plänen aber noch viel zu wenig.

Führungsriege von 2016 fast komplett ausgetauscht

Vielleicht musste Abiteboul jetzt den Preis dafür bezahlen, dass Renault seit Jahren die Renault-Ziele verpasst hat – auch wenn er zuletzt öffentlich schon kleinere Brötchen backte. "Wir müssen, denke ich, besser darin sein, uns ein Ziel zu setzen, das wir erreichen können", gab der Franzose 2020 zu. "Denn es gibt nichts Schlimmeres als sich ein Ziel zu setzen, das schon verloren ist, bevor du überhaupt angefangen hast. Das ist richtig schlecht für Mindset und Zukunft."

Große neue Ziele hatte man deshalb nicht mehr ausgerufen – von der ursprünglichen Führungsriege aus 2016 ist mittlerweile nur noch Motorenchef Remi Taffin im Team. Cheftechniker Bob Bell trat bereits 2018 kürzer, Cassis-Leiter Nick Chester verabschiedete sich 2019. Jetzt ist auch Teamchef Abiteboul weg.

Neuer Geschäftsführer von Alpine F1 wird Laurent Rossi, der seit 2018 für die Renault-Gruppe als Strategie-Direktor und Entwicklungschef arbeitet. Ziele für das Formel-1-Team in 2021 oder für die langfristige Zukunft hat er übrigens noch nicht ausgerufen.