Keine Eigenwerbung im Vertrags-Poker

Giovinazzi widersetzt sich Teamorder und verärgert Räikkönen

Antonio Giovinazzi vor Kimi Räikkönen.
Antonio Giovinazzi vor Kimi Räikkönen.
© AP, Emrah Gurel, DMV

14. Oktober 2021 - 9:45 Uhr

Kein Vorbeikommen für Kimi

Kostet diese Aktion Antonio Giovinazzi den Cockpit-Platz 2022 bei Alfa Romeo? Der Italiener missachtete beim Großen Preis der Türkei eine Stallorder und ließ Garagen-Nachbar Kimi Räikkönen nicht vorbei.

Da war mehr drin

Wieder einmal die Punkte verpasst! Alfa Romeo schrammte am vergangenen Sonntag haarscharf an Platz zehn und den Punkten vorbei. Esteban Ocon holte im Alpine den zehnten Platz – nur gut sieben Zehntel vor Alfa-Mann Antonio Giovinazzi, dicht gefolgt von Kimi Räikkönen. Dabei wäre für die Alfa-Piloten wohl mehr drin gewesen.

Räikkönen hatte sich drei Runden vor Giovinazzi frische Intermediates aufziehen lassen, war deutlich schneller unterwegs als der Teamkollege vor ihm. Auch bei Ocon bauten die abgewetzten Reifen deutlich ab.

Das Team reagierte auf die Situation und entschied sich dafür, dass Giovinazzi den schnelleren Finnen vorbeilassen sollte. Zweimal funkte ihm Renningenieur Jörn Becker die Anweisung aufs Ohr. Und Giovinazzi? Der 27-Jährige weigerte sich, die Anordnung umzusetzen. Er verwies darauf, dass er schneller fahren könne.

Vertrags-Poker bei Alfa Romeo

Allerdings nicht so schnell wie Räikkönen. Der Weltmeister von 2007 hing also hinter dem Teamkollegen fest. Aus der Punktetraum in Istanbul. Räikkönen beschwerte sich am Funk: Man hätte Ocon einholen können.

"Wir baten darum, die Positionen zu tauschen, aber zu diesem Zeitpunkt begann auch Antonio, das Tempo zu erhöhen, und er selbst entschied, dass er vorne bleiben wollte", sagte Alfa Romeos Chefingenieur Xevi Pujolar. "In dieser Situation, in diesen paar Runden, hätten wir als Team vielleicht schneller sein können." Pujolar weiter:"Das war für das Team nicht optimal".

Was natürlich schnell Gerüchte anheizt. Denn Alfa hat für das kommende Jahr noch ein freies Cockpit, Giovinazzi noch keinen neuen Vertrag. Valtteri Bottas (Mercedes) wird Altmeister Kimi Räikkönen ersetzen. Der Platz daneben ist noch frei. Der Chinese Zhou Guanyu galt lange als Favorit auf den vakanten Posten. Nicht zuletzt auch wegen kolportierter 25 bis 30 Millionen Euro, die er als Sponsorengelder ins Team bringen soll. Allerdings sollen die Verhandlungen einige Konflikte mit sich bringen. Im Gespräch ist nun auch der Australier Oscar Piastri. Für Giovinazzi könnte es daher eng werden – nicht nur wegen der Aktion in Istanbul. (msc)