Annika Sondenheimer über die Germanwings-Katastrophe

Witwe des verstorbenen Flugkapitäns will anderen Kindern bei der Trauerarbeit helfen

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2. November 2019 - 12:54 Uhr

Zum ersten Mal spricht die Witwe des verstorbenen Flugkapitäns Patrick Sondenheimer

Der Germanwings-Flug 9525 war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. Am 24. März 2015 um 10:41 Uhr war der Flieger an einem Berg in den südfranzösischen Alpen zerschellt. Alle 150 Insassen kamen dabei ums Leben. Unter den Toten war auch der Flugkapitän Patrick Sondenheimer. Zum ersten Mal äußert sich seine Witwe Annika Sondenheimer in RP Online

Das Leben nach der Germanwings-Katastrophe

Inmitten von Blumen steht eine steinerne Gedenkstele mit der Aufschrift „In Erinnerung an die Opfer des Flugzeugunglücks vom 24. März 2015“.
Inmitten von Blumen steht eine steinerne Gedenkstele mit der Aufschrift „In Erinnerung an die Opfer des Flugzeugunglücks vom 24. März 2015“ in den vier Sprachen Englisch, Deutsch, Spanisch und Französisch in La Vernet, Frankreich.
© dpa, Peter Kneffel

Annika Sondenheimer ist die Witwe des Kapitäns Patrick Sondenheimer. Er wurde vor dem Absturz vom Co-Piloten Andreas Lubitz aus dem Cockpit ausgesperrt. Bislang hatte sich Frau Sondenheimer nicht zu dem Vorfall öffentlich geäußert. "Ich habe mich nie zum Co-Piloten geäußert, und ich werde es auch jetzt und in Zukunft nicht tun", betont sie in der RP Online. Die Unschuld ihres Mannes war nach vielen Spekulationen bewiesen.

Die Witwe erzählt, dass Patrick Sondenheimer in Mettmann aufwuchs und in Berlin studierte. Dort lernte sie ihn auch kennen. "Patrick wollte immer zurück nach Düsseldorf", erinnert sie sich im Interview, "Er war durch und durch Düsseldorfer." 2012 zogen sie zurück nach Gerresheim. Dort sollen nun auch die sterblichen Überreste ihres Mannes begraben sein. Die Beerdigung soll erst Monate nach dem Absturz möglich gewesen sein.

Nach der Tragödie habe die mittlerweile 41-Jährige "einfach nur noch funktioniert". Nicht nur Annika Sondenheimer hatte 2015 ihren Mann verloren, auch ihre beiden Kinder (damals fünf und drei Jahre alt) den Vater. Die beiden gingen in den Kindergarten St. Margareta in Gerresheim. Die Leiterin Elke Bonn soll spontane Trauerarbeit geleistet haben - für Annika Sondenheimers Kinder, aber auch für andere. "Trauerarbeit, die so wichtig ist", erzählt Annika Sondenheimer im RP-Interview.

Mittlerweile sollen die Kinder immer mehr verstehen, was passiert sei. Doch realisieren können sie den Verlust noch nicht. "Aber wir haben inzwischen einen stabilen Alltag, und Verlustängste gehören ebenso dazu wie die Erinnerungen." Annika Sondenheimer soll mittlerweile wieder als Juristin in der Landesverwaltung arbeiten.

Annika Sondenheimer wollte nach ihrer Trauer etwas zurückgeben

Nach dem Absturz arbeitete Annika Sondenheimer erstmal weiter, nach einem Jahr soll sie gemerkt haben, dass es nicht mehr ging. Sie nahm sich eine Auszeit von ihrer Arbeit und habe sich zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen, um für ihre Kinder da zu sein. In ihrer schweren Zeit nach dem Absturz bekam sie viel Hilfe von außen und deswegen habe die Witwe etwas zurückgeben wollen. 2017 gründete sie den Patrick Sondenheimer Stiftungsfonds mit dem Ziel, trauernde Kinder und Jugendliche professionell zu unterstützen. "In schwerwiegenden Lebenskrisen brauchen gerade trauernde, junge Menschen qualifizierte Beratung. Wir möchten, dass sie ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Beständigkeit zurückgewinnen", sagt Annika Sondenheimer im RP-Interview, "Und sie sollen zu einem Leben zurückfinden, in dem wieder Raum für Normalität, Zuversicht und Unbeschwertheit ist."

„Was macht der Papa jetzt?“

Die Seite des Patrick Sondenheimer Stiftungsfonds trägt die Überschrift "Was macht der Papa jetzt?" Über Patrick Sondenheimer steht darin: "Patrick war Pilot bei der Deutschen Lufthansa, und schon als Kind war es sein Traum, Pilot zu werden." 2014 sei Patrick Sondenheimer zu Germanwings gewechselt, um dort Flugkapitän zu werden. Seine Freunde und Kollegen sollen ihn "Sonde" genannt haben. "Er liebte die Fliegerei über alles …", beschreibt man den Flugkapitän in der Einleitung der Seite.

Am fünften Todestag, im März 2020, plane Annika Sondenheimer ein Benefizkonzert zu Gunsten ihrer Stiftung. "Für jede Unterstützung bin ich dankbar", sagt sie der RP Online.