Meint der das alles ernst?

Die wahnsinnigen Aussagen des Super-League-Bosses

Florentino Perez ist der Boss der neuen Super League
Florentino Perez ist der Boss der neuen Super League
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20. April 2021 - 18:15 Uhr

Von Sebastian Hochrainer

Florentino Perez, der Präsident von Real Madrid, ist das Oberhaupt der angekündigten Super League. Er hat ausführlich Stellung bezogen und erklärt, warum er und der Rest der elitären Vereinigung nur so den Fußball retten können. Und er zeigt mit seinen unglaublichen Aussagen, wie weit entfernt er vom realen Fußballleben der Vereine und Fans entfernt ist.

Perez pfeift auf andere Meinungen

Die Super League ist noch immer das große Streitthema im europäischen Fußball. Dem Sport droht eine groß Zerreißprobe, nachdem sich zwölf Top-Klubs entschieden habe, eine Elite-Liga zu gründen mit bis zu 20 Teams, von denen 15 fest gesetzt sind und sich fünf weitere qualifizieren dürfen. 3,5 Milliarden Euro werden an die Vereine ausgeschüttet. Ein Vorhaben, dass auf dem gesamten Kontinent nahezu ausschließlich Gegenwind erhält. Mit Jürgen Klopp hatte sich am Montagabend auch der erste Protagonist kritisch geäußert, der selbst Teil dieser Super League wäre. Der FC Liverpool gehört zu den zwölf Teams.

Der Kopf dieses Vorhabens ist Florentino Perez, bisher bekannt als Präsident von Real Madrid. Nun möchte er nicht nur der Boss der Königlichen sein, sondern auch einer majestätischen Liga. Dass abgesehen von den Teilnehmern seiner Elite-Vereinigung fast alle Klubs wüten? Ist ihm egal! Dass die Fans keinen Bock auf die gigantische Kohle-Veranstaltung haben? Ist ihm egal! Mit seinen Aussagen zeigt Perez, dass es für ihn nicht wichtig ist, was alle sagen. Wichtig ist, was er sagt – und das ist weit weg von der Realität.

VIDEO - FIFA-Boss droht Super-League-Clubs: "Dann müssen sie mit Konsequenzen leben"

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Alles "zum Wohle des Fußballs"

Kurz nach der Bekanntgabe positionierte sich Perez bereits als großer Gönner, der den Fans das liefert, was sie sich wünschen. "Wir werden dem Fußball auf jeder Ebene helfen und ihn an seinen rechtmäßigen Platz in der Welt bringen. Fußball ist die einzige globale Sportart mit mehr als vier Milliarden Fans, und unsere Verantwortung als große Vereine ist es, auf ihre Wünsche einzugehen", sagte der 74-Jährige.

Wenig später legte er nach – und bewies, dass die mehr als kritischen Reaktionen nach der Super-League-Ankündigung so gar nicht bei ihm ankommen. "Wenn gesagt wird: Das sind die Reichen - nein. Ich bin nicht der Eigentümer von Real Madrid, Real Madrid ist ein Mitgliederverein. Alles, was ich tue, ist zum Wohle des Fußballs. Jetzt machen wir dies, um den Fußball zu retten, der sich in einer kritischen Situation befindet", sagte Perez in einem in der Nacht zu Dienstag ausgestrahlten Interview des Senders El Chiringuito de Jugones.

Wer soll eigentlich wirklich gerettet werden?

Perez, dessen Privatvermögen laut Forbes bei etwa 1,9 Milliarden Euro liegen soll, spricht in dem Interview auch von den überaus angespannten finanziellen Situationen von Real Madrid sowie Ligakonkurrent FC Barcelona. Die beiden Giganten sind überhäuft von Schulden. Dass aber Misswirtschaft dahinter stecken könnte und man so Gedanken darüber machen kann, wie man zukünftig besser haushalten kann, ist nicht die Folge. Perez' Lösung ist, Geld mit einer neuen Liga in die Vereine zu pumpen.

Auch weil viele Vereine aufgrund der Corona-Pandemie in Schieflage geraten sind, gehe es ihm darum, den "Fußball zu retten, damit wir zumindest für die nächsten 20 Jahre in Ruhe leben können. Die Situation ist sehr dramatisch", so Perez. Was er dabei vergisst: Er will offenbar nur seinen Klub, Real Madrid, und die übrigen Super-League-Teams retten. Der ganz große Rest in Fußball-Europa bekommt zwar eine Solidaritätszahlung, aber retten wird die sicher so gut wie keinen anderen außerhalb der Reichen-Blase.

Perez schließt Ausschlüsse für Super-League-Klubs aus

Dennoch glaubt Perez wirklich: "Das wird die gesamte Fußballwelt retten." Deswegen will er auch so schnell wie möglich mit der Super League starten – ob mit oder ohne Uefa, die bereits Sanktionen für die teilnehmenden Klubs angekündigt hat. "Wenn wir uns mit der Uefa nicht einigen können, werden wir nicht zurückziehen. Wenn sie mit einer Reform bis 2024 warten können, können sie das machen. Aber wir warten auf niemanden, wir brauchen die Super League", sagte Perez. "Wenn wir im August starten können, werden wir das machen. Wir geben unser Bestes, um in diesem Jahr loszulegen."

Eine Einigung mit der Uefa und Fifa wünsche sich Perez, sagt er. Das aber offenbar nicht, um den möglichen Konsequenzen zu entgehen. Die Spitzenverbände hatten angekündigt, die Super-League-Vereine aus der Champions League und Europa League (schon jetzt) sowie den nationalen Ligen auszuschließen, die Spieler nicht mehr bei internationalen Turnieren antreten zu lassen. "Dass Real Madrid, Manchester City und Chelsea oder die anderen Klubs aus der Super League von der Champions League oder der nationalen Liga verbannt werden, wird nicht passieren. Zu 100 Prozent nicht. Ganz sicher. Unmöglich", sagte Perez.

Kommt es zum Äußersten zwischen Super League, Uefa und Fifa?

Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob Perez zumindest in diesen Aussagen recht behält, sofern es tatsächlich zur Auseinandersetzung zwischen Super League, Uefa und Fifa kommen sollte. Die Aussagen des Bosses der elitären Vereinigung machen aber deutlich, wie ernst es ihnen ist. Ein Zurück ist nahezu unvorstellbar. Warum auch? Perez ist schließlich offenbar überzeugt davon, dass er eine den Fußball rettende Maßnahme verantwortet. Nur komisch, dass es die Verbände, Vereine, Trainer, Spieler und Fans ganz anders sehen. Wahnsinn, der Boss der Super League.