So kommen Sie zu Ihrem Recht

Entschädigung bei Flugausfällen und Verspätungen

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20. August 2019 - 12:03 Uhr

Hilfe bei Flugproblemen

Ist der Urlaubsflieger verspätet oder sogar ausgefallen, steht vielen Fluggästen eine Entschädigung zu. In der aktuellen September-Ausgabe zeigt das Magazin "Finanztest" vier Optionen, wie man zu seinem Recht kommt, und erklärt die Vor- und Nachteile der einzelnen Möglichkeiten. Wir haben die wichtigsten Details für Sie zusammengefasst.

Wann wird entschädigt?

Es gibt drei Fälle, in denen Sie Anspruch auf eine Entschädigung haben:

Verspätung

Wenn Sie Ihren Zielflughafen drei Stunden oder später erreichen, können Sie entschädigt werden. Das gilt auch bei Verspätung durch verpasste Anschlussflüge.

Flugausfall

Wenn eine Fluggesellschaft seine Passagiere weniger als 14 Tage vor Abflug über die Annullierung des Fluges informiert und keinen Ersatzflug zu einer ähnlichen Zeit anbietet, können Sie entschädigt werden.

Überbuchung

Airlines verkaufen oft mehr Plätze in einem Flieger, als es tatsächlich gibt. Viele Passagiere erscheinen nicht, weil sie zu spät dran sind oder den Flug spontan umgebucht haben. Fluggäste werden dann entschädigt, wenn eine Airline seinen Flug überbucht hat und es nicht genug Freiwillige gibt, die gegen Geld oder Gutscheine einen anderen Flug nehmen wollen.

Umstände bei Verspätung und Ausfälle

Es gibt allerlei Gründe dafür, dass ein Flieger ausfällt oder verspätet losfliegt. Wichtig dabei ist immer, dass Ihr Startflughafen oder der Hauptsitz der Fluggesellschaft in der EU liegen. Nur so können Sie Ihre Ansprüche dank der EU-Fluggastrechteverordnung geltend zu machen. Nach Ende ihres Reisejahres haben Sie noch drei Jahre Zeit, um eine Entschädigungen einzufordern.

In diesen besonderen Fällen gibt es kein Geld

Flieger verspäten sich oder fallen bei Unwetter, Vulkanausbrüchen, Streiks oder technischen Problemen an der Maschine aus. Gerichte entscheiden dabei immer wieder neu, ob einige Fälle als "außergewöhnliche Umstände" definiert werden müssen. In diesen Sonderfällen muss die Fluggesellschaft ihre Passagiere für Ausfälle und Verspätungen nämlich nicht entschädigen.

Kein Geld von der Airline gibt es zum Beispiel bei Vogelschlag, einem Systemausfall am Flughafen und beschädigte Flugzeugreifen durch Fremdkörper auf der Fahrbahn.

Sonderthema Streik

Es gibt immer wieder Streiks - vom Flugpersonal der Airline oder Beschäftigten am Flughafen. Dabei können Passagiere trotz Verspätung oder Ausfall leer ausgehen. Einige Streiks wurden vom Gericht als "außergewöhnliche Umstände" erklärt, aber jeder Streik ist laut Finanztest anders und keine Generalausrede für die Fluggesellschaft.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten

Wenn eine Fluggesellschaft nicht auf das Beschwerdeschreiben seiner Passagiere reagiert, kann man sein Recht durch andere Instanzen beanspruchen. Dabei sind Entschädigungen von 250 bis 600 Euro möglich.

Wie Finanztest auflistet, gibt es vier verschiedene Möglichkeiten, um an das Geld zu kommen. Vom oft mühsamen Weg über die Airlines direkt über die Rechtschutzversicherung mit einem Anwalt oder ganz bequem über Fluggastrechte-Portale, die für ihre Arbeit bei einer Entschädigung eine Erfolgsprovision verlangen. Wahlweise gibt es sogar Sofortentschädigungen.

Grafik zu vier Optionen für Fluggastrecht.
Um bei Flugverspätungen & Co. an sein Geld zu kommen, hat man vier verschiedene Möglichkeiten - mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.
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Schlichtungsstelle für öffentlichen Personenverkehr (Söp)

Wenn eine Airline innerhalb von 2 Monaten nicht auf die Beschwerde eines Passagiers reagiert, kann die Schlichtungsstelle für öffentlichen Personenverkehr (Söp) zwischen der Airline und dem Passagier vermitteln.

Vorteile: Laut Finanztest hat die Söp 2018 fast in jeden zweiten Fall helfen können. Die Airlines haben in 44,8 Prozent der Fälle die Ansprüche sofort zu 100 Prozent anerkannt. Die Söp hilft auch bei Ansprüchen wegen Gepäckschäden und bei Erstattungen von Hotelkosten, die durch Annullierungen entstanden sind. Die Schlichtung ist für den Verbraucher immer kostenlos.

Nachteile: Die Schlichtung kann mehrere Monate dauern, in mehreren Fällen habe es 2018 über drei Monate gedauert.

Kunden mit einem eigenen Rechtsanwalt

Vorteile: Mit der Hilfe eines Anwalts kann es zu einer schnellen Auszahlung der Entschädigung kommen. Fluggäste finden Experten über die Anwaltsdatenbank der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht (dgfr.de).

Nachteile: Wer sich selbst einen Anwalt sucht, muss immer die Kosten am Ende eines Verfahrens beachten. Wer den Rechtsstreit verliert, muss die Anwalts- und Gerichtskosten beider Parteien zahlen.

Bei einer Niederlage müssen Kunden mit einer Rechtsschutzversicherung oft nur eine Selbstbeteiligung von 150 Euro bezahlen.

Hilfe durch ein Fluggast-Portal

Vorteil: Nachdem der Kunde auf dem Portal seine Daten zum Flug und Person eingegeben hat, üernimmt dieses die restliche Arbeit.

Nachteil: Viele dieser Flugrecht-Portale nehmen nur die Fälle an, die eine hohe Gewinnchance haben. Bei einem Sieg vor Gericht müssen die Entschädigungen von den Portalen oft eingeklagt werden. Das kostet viel Zeit und oft eine hohe Erfolgsprovision.

Hilfe durch einen Sofortentschädiger

Vorteil: Wenn sich der Fall lohnt, schließt der Kunde mit dem Sofortentschädiger einen Vertrag ab. Der Kunde bekommt sein Geld schnell und bequem wieder. Auch wenn die Fluggesellschaft Insolvenz anmeldet, bleibt der Passagier nicht auf den Forderungen sitzen.

Nachteil: Die Prüfungen sind noch strenger als bei den Portalen. Die Abzüge bei den Entschädigungsauszahlungen betragen oft mehr als 40 Prozent.

Ausführliche Informationen in der September-Ausgabe von Finanztest

Den ausführlich Test, einen Musterbrief zur Entschädigung bei Flugverspätung sowie eine Auflistung sämtlicher Fluggastrechte-Portale und deren Prozentsatz bei Erfolgsprovision finden Sie im Finanztest-Heft 9/2019.