Verbraucher besser schützenFinanzaufsicht testet heimlich Banken und Sparkassen - und findet gravierende Mängel

Im Auftrag der Finanzaufsicht haben Testkäufer in Stichproben gravierende Mängel bei der Beratung in Banken und Sparkassen festgestellt. Welche Punkte besonders kritisiert wurden.
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Testkäufe von Finanzprodukten
Bei einem sogenannten Mystery Shopping wurden 100 Testkäufe von Finanzprodukten in 16 Banken und Sparkassen in ganz Deutschland durchgeführt.
Speziell geschulte Tester treten beim Mystery Shopping als Verbraucher auf, um sich beraten zu lassen.
Geprüft wurde, ob die Finanzinstitute Kundinnen und Kunden bei der Beratung die gesetzlich vorgeschriebenen Informationsunterlagen geben.
Anleger müssen vor der Entscheidung für ein Finanzprodukt eine genaue Aufstellung erhalten, wie viel sie das Produkt kostet (Ex-Ante-Kosteninfo).
Außerdem müssen Institute schriftlich darlegen, weshalb die Empfehlung eines bestimmten Finanzproduktes zum Kunden passt (Geeignetheitserklärung).
Das Ergebnis der im dritten Quartal 2022 gestarteten Aktion: In 40 Prozent der Fälle erhielten die Tester keine Geeignetheitserklärung und in 67 Prozent keine entsprechende Kosteninfo.
Weil es bei Wertpapierkäufen kein Widerrufsrecht gibt, erteilen die Tester in der Regel keinen Kaufauftrag.
Die Finanzaufsicht Bafin sieht nach dem Testlauf bei der Anlageberatung von Verbrauchern in Deutschland Verbesserungsbedarf. Vor allem bei den Pflichtinformationen hapere es noch erheblich, erklärt Christian Bock, Leiter der Abteilung Verbraucherschutz und Verbraucherschutzbeauftragter bei der Bafin.
Banken und Sparkassen punkten beim Thema Nachhaltigkeit
Vergleichsweise gut schnitten die Institute beim Thema Nachhaltigkeit ab. 87 Prozent der Testkäufer wurden nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen befragt. Das ist seit August des vergangenen Jahres Pflicht.
Die betroffenen Institute hätten sich kooperativ und konstruktiv gezeigt, berichtete Bock. Sie wollten ihre Berater sensibilisieren, die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen stets auszuhändigen. Die Aufsicht werde die Umsetzung der Maßnahmen überwachen.
Die Bafin will in Zukunft weitere Testkäufe bei Instituten und Unternehmen durchführen. „Mystery Shopping ist für uns mittlerweile ein probates Aufsichtsinstrument“, erklärt die Finanzaufsicht.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist das eine gute Nachricht. (dpa/aze)
































