Kind aus überhitztem Auto befreit

Baby-Retter von Fehmarn schrie verzweifelt nach dem Vater

Polizei Lübeck und Ostholstein
© Polizei Lübeck und Ostholstein

12. August 2020 - 17:19 Uhr

Mutiger Mann hat Anzeige am Hals

Strahlender Sonnenschein sorgt im Auto binnen Minuten für Gluthitze. Die Temperaturen steigen im Innenraum auch bei geöffneten Fenstern leicht auf bis zu 70 Grad an. Doch einem 57-jährigen Vater aus Bremen war das egal! Weil er sich die Beine vertreten wollte, ließ der Toyota-Fahrer am Freitag sein Baby in Burg auf der Ostseeinsel Fehmarn im Auto zurück. Ein mutiger Retter hörte die Schreie des Kindes, versuchte den Besitzer des Wagens durch laute Rufe ausfindig zu machen. In seiner Verzweiflung schlug er die Scheibe ein und rettete das Baby. Sprachlos macht nicht nur die verantwortungslose Aktion des Vaters, sondern auch seine Reaktion auf den Baby-Retter.

Familienvater wollte sich Beine vertreten

Als der 47-jährige Mann aus Celle das Baby bei 30 Grad im Auto sah, schrie er zunächst nach dem Besitzer des Fahrzeugs, wie die Polizei Lübeck via Facebook mitteilte. Weil niemand reagierte, schlug er die Seitenscheibe des Autos ein und holte das Kind heraus. "Das im Fahrzeug ausliegende Parkticket sei elf Minuten zuvor gelöst worden", so die Polizei.

Ob es zulässig ist, die Autoscheibe in einer solchen Situation einzuschlagen, lesen Sie hier.

Kurz darauf kehrte der Besitzer des Wagens zurück. Der Vater aus Bremen habe sich mit seiner Familie auf dem Parkplatz "ein wenig die Beide vertreten und die Sanitäreinrichtung aufgesucht". Das Baby habe er im Auto zurückgelassen, weil es "tief und fest geschlafen" habe und der "Wagen im Halbschatten stand", heißt es in der Mitteilung. Er sei nur circa zehn Minuten weg gewesen.

Im Video: Hitze im Auto – Selbsttest bringt erschreckendes Ergebnis

Polizei informiert das Jugendamt

Laut Polizei empfand der Familienvater das Eingreifen des 47-Jährigen "als unverhältnismäßig". Er stellte Anzeige wegen Sachbeschädigung. Die Polizei lobt dennoch die kluge Taktik des Retters. "Man sollte nicht überhastet tätig werden. Aber couragiertes Handeln wünschen wir uns ja", sagt Polizist Stefan Muhtz gegenüber RTL.

Die Beamten auf Fehmarn handelten ihrerseits auch. Sie schickten einen Bericht über den Verdacht der Kindeswohlgefährdung an das zuständige Jugendamt.