Rücktritt nach parteiinternem Machtkampf

Ex-Parteichef Jörg Meuthen: "Ich sehe für die AfD keine Zukunft mehr"

28. Januar 2022 - 19:18 Uhr

AfD-Parteichef Jörg Meuthen ist aus der AfD ausgetreten und hat damit auch seinen Parteivorsitz mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Im Interview bei RTL Aktuell sagte Meuthen: "Ich sehe für die AfD keine Zukunft mehr." Das ganze Interview von RTL-Moderator Maik Meuser mit dem Ex-Parteichef sehen Sie im Video.

Er sprach zuvor bei der ARD von einer "Niederlage" im Machtkampf mit dem formal aufgelösten rechtsextremen Flügel der Partei um die Ausrichtung der AfD.

Meuthen spricht von Befreiung

Ex-AfD-Parteichef Jörg Meuthen spricht im Interview bei RTL Aktuell vom heutigen Tag als Erleichterung: "Es ist schon auch eine Befreiung, die ich erlebe. Es ist ein Abschied und es ist ein Aufbruch zu etwas Neuem." Er selbst habe jetzt Konsequenzen für sich gezogen "weil ich verschiedene Richtungen in der Partei nicht mehr mitgehen konnte."

Diesen Schritt hat Meuthen allerdings nicht spontan getroffen, wie er betont: "Ich habe lange darüber nachgedacht und ich sehe in dieser Partei für mich, ich sehe aber auch für die Partei selbst keine Zukunft mehr."

Seit Jahren steht die AfD schon in der Kritik, ist auch im Visier des Verfassungsschutzes, warum kommt für Meuthen der Austritt also erst so spät? Meuthen erklärt seine Entscheidung als das Ergebnis eines Prozesses, als "viele Einzelereignisse, die sich wie eine Perlenkette aneinanderreihen, die mich zu der Überzeugung haben kommen lassen, dass mein Bemühen die Partei auf einen Kurs von Maß und Mitte zu bringen nicht erfolgversprechend sind für die Zukunft."

Meuthens Immunität im Europaparlament soll aufgehoben werden

Meuthen sieht sich selbst als gescheitert: "Das war harte Arbeit gegen immense Widerstände. Ich habe wirklich nichts unversucht gelassen und doch komme ich zu der Überzeugung: es reicht nicht." Politisch zu Ende ist seine Karriere allerdings nicht: "da ist was in der Pipeline". Ob das allerdings bedeutet, dass Meuthen eine neue Partei gründen wird, erklärt er nicht: "Heute ist für mich der Tag des Abschieds von der AfD."

Sein Mandat als Abgeordneter im Europaparlament in der rechtspopulistischen Fraktion "Identität und Demokratie" will Meuthen behalten. Seit Donnerstag steht Meuthen auch in Brüssel unter Druck: Wegen Ermittlungen in seiner Spendenaffäre soll im Europaparlament seine Immunität aufgehoben werden.

In einem Interview mit der ARD übte Meuthen auch harte Kritik am Zustand seiner Partei: "Das Herz der Partei schlägt heute sehr weit rechts und es schlägt eigentlich permanent hoch."

Teile der Partei stünden seiner Meinung nach "nicht auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung", sagte er. "Ich sehe da ganz klar totalitäre Anklänge." Gerade in der Coronapolitik habe die AfD etwas Sektenartiges entwickelt. (khe, mit dpa)