Wanted: Erfahrung und Improvisationstalent!

Pellworm sucht einen Inselarzt

Pellworm, eine kleine Insel in Schleswig-Holstein.
Pellworm, eine kleine Insel in Schleswig-Holstein.
© DPA

24. November 2021 - 14:41 Uhr

Von A wie Augenverletzung bis Z wie Zahnschmerzen

Auch wenn es auf den meisten Inseln nicht so aussieht: Auf Pellworm wird dringend ein Inselarzt gesucht – und zwar seit Monaten schon. Seit dem Sommer annonciert die Insel Pellworm bundesweit nach einem zweiten Mediziner für das gemeindeeigene Medizinische Versorgungszentrum (MVZ). Und obwohl schon Bewerbungsgespräche geführt wurden, ist dennoch alles offen: Denn noch immer gibt es keinen konkreten Bewerber.

24 Stunden Bereitschaft für den aktuellen Inselarzt

Arzt auf Pellworm gesucht.
Rolf-Ferdinand Gehre ist der einzige Inselarzt auf Pellworm. Auf den anderen Inseln arbeiten zeitglich bis zu sieben Ärzte. (Symbolbild)
© dpa, Patrick Seeger, tat bwe jol eks

Momentan gibt es auf der gesamten Insel nur einen Arzt. Und für den heißt es: 24 Stunden Bereitschaft. Der 65-jährige Rolf-Ferdinand Gehre hatte früher eine Praxis in Hannover und war oft in Afrika im Einsatz. Auf Pellworm ist er gelandet, weil er seinem Hund mal Ruhe vor den Silvesterböllern gönnen wollte. Und als er dann auch noch eine Impfung für den nächsten Afrika-Urlaub benötigte, landete er im MVZ. Dort wurde er gleich zu einer Urlaubsvertretung von drei Wochen überredet. Doch aus Monaten wurden Jahre: "Ich habe mich breitschlagen lassen, und mittlerweile sind es mehr als drei Jahre, die ich hier bin.", so Gehre.

Bis vor wenigen Monaten hat sich Gehre die Stelle geteilt. Vier Wochen Dienst, vier Wochen frei. Doch die junge Ärztin ist aus familiären Gründen auf das Festland gezogen. Seitdem ist Gehre allein für alles zuständig, auch den Notdienst.

Auf den anderen Inseln ist die Lage entspannt

Borkum aus der Luft
Auf Borkum arbeiten sechs Hausärzte, um die rund 5.000 Bewohner zu betreuen.
© deutsche presse agentur

Auf den anderen Inseln ist die Situation entspannter. Zumindest wird hier nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein aktuell kein Allgemeinmediziner gesucht. So gibt es auf allen sieben bewohnten Inseln mindestens zwei Hausärzte. Auf Sylt und Föhr gibt es zudem einige Fachärzte und auch Akutkrankenhäuser. Auf den größeren ostfriesischen Inseln Borkum und Norderney mit rund 5.000 und 6.000 Einwohnerinnen und Einwohnern arbeiten zurzeit sogar sechs beziehungsweise sieben Hausärzte.

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Nachfolgersuche schwierig

Wenn Ärzte von Inseln wegziehen oder in den Ruhestand gehen, gestaltet sich die Nachfolgersuche laut der der Kassenärztlichen Vereinigung dennoch schwieriger als auf dem Festland. Und das läge an einigen Faktoren wie der Unterkunft, einem passenden Arbeitsplatz für den Partner und dem nötigen Improvisationstalent. "Man muss ja von Augenverletzung bis Zahnschmerzen über Geburt und Herzinfarkt und Magenverstimmung alles mitnehmen können.", so Astrid Korth. Sie ist Bürgermeisterin von Pellworm und weiß auch: Für Ärzte ohne Erfahrung ist so eine Stelle nicht. "Und eine Prise Humor helfe ungemein, wenn man es mit eigenwilligen Insulanern zu tun habe.",sagt der Mediziner Rolf-Ferdinand Gehre. Auch ein Übersetzer für Plattdeutsch bekomme man zur Not gestellt.

Erst einmal auf sich allein gestellt

Fähre nach Pellworm
Manchmal ist die Fähre das Einzige, was dem Arzt und den Patienten den Zugang zum Festland gewährt.
© deutsche presse agentur

Klar sollte den Bewerbern auch sein: Man ist auf einer Insel wie Pellworm erst einmal auf sich alleine gestellt. Zwar sei die Zusammenarbeit mit Rettungsdienst, DRK und der Sozialstation sehr gut, aber ein Krankenhaus gibt es auf der Insel mit rund 1.000 Einwohnern eben nicht. Und auch die Fähre fährt nicht immer.

So habe der Pellwormer Inselarzt Gehre einmal fast fünf Stunden mit einem Herzinfarktpatienten gewartet, bis die Besatzung der Fähre zusammengetrommelt war. Aber dennoch war es um zwei Uhr Nachts möglich, einen Krankenwagen auf die Insel zu bekommen. Und genau aus solchen Gründen möchte er den Job als Inselarzt auch noch eine Zeit lang machen – allerdings nicht für immer alleine. (dpa/mup)