Palforzia schützt Kinder vor allergischem Schock

Erdnussallergie: Erstes Medikament für Kinder und Jugendliche zugelassen

Peanut allergy concept - food intolerance. Young girl refuses to eat peanuts - shallow depth of field
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04. Februar 2020 - 14:24 Uhr

USA: Erstes Medikament gegen Erdnussallergie zugelassen

Eine Erdnussallergie gilt als unheilbar und zählt zu den schlimmsten Allergien überhaupt, die sogar tödlich enden kann. Nun wurde in den USA ein neues Medikament zugelassen, das Kinder und Jugendliche gegen einen allergischen Schock durch Erdnüsse wappnen soll.

Geringste Mengen Erdnussallergen können lebensbedrohliche Symptome auslösen

Obwohl in Deutschland nur etwa ein Prozent der Bevölkerung unter einer Erdnussallergie leidet, zählen Erdnüsse zu den verhängnisvollsten der 14 bekannten Hauptallergenen. Erdnussallergien sind deswegen so verhängnisvoll, weil bereits minimale Mengen im Mikrogrammbereich die lebensbedrohlichen Symptome wie plötzlich auftretender Hautausschlag, geschwollene Schleimhäute und Atemnot auslösen können. Mitunter kann allein die Berührung einer Erdnuss einen allergischen Schock auslösen. Da dieser schlimmstenfalls zum Tod durch Ersticken führen kann, müssen Allergiker immer ein Notfallset mit sich führen, das Kortison, ein Antihistaminikum und Adrenalin enthält. Das nun zugelassene Medikament könnte genau das in Zukunft überflüssig machen.

Medikament Palforzia beugt Erdnuss-Schocks vor

Bei Palforzia – auch unter der Bezeichnung AR101 bekannt - handelt es sich um das erste prophylaktische Mittel gegen Erdnuss-Schocks. Es wurde jetzt von der U.S. Food and Drug Administration (FDA), der Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten, zugelassen. Das Allergen-Pulver wird aus Erdnüssen gewonnen und kann allergische Reaktionen bei Menschen mit der Diagnose Erdnussallergie lindern.

Das Medikament kann bei Kindern von vier bis 17 Jahren eingesetzt werden. Die Therapie läuft dabei in drei Phasen ab: Anfangsdosis-Eskalationsphase, Aufdosierungsphase und Erhaltungsbehandlung. Die erste Phase läuft an einem einzigen Tag ab. Die zweite Phase der Aufdosierung erstreckt sich über mindestens sechs Monate, in denen die Dosierung in elf Stufen langsam gesteigert wird. Jede Dosissteigerung geschieht dabei unter ärztlicher Aufsicht, weil sie ein hohes Risiko für eine schwere allergische Reaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock birgt. Wird die erste Dosis der erhöhten Dosisstufe jedoch gut vertragen, kann der Patient die Einnahme dieser Dosisstufe bis zur nächsten Aufdosierung zuhause fortsetzen. Wurden alle Dosiserhöhungen gut vertragen, kann mit der Erhaltungsdosis begonnen werden.

Zulassung bisher nur für die USA

Wichtig zu wissen: Das Medikament ist zunächst nur in den USA zugelassen. Erdnussallergiker, die das Medikament einnehmen, müssen dennoch weiterhin auf Erdnüsse in ihrer Ernährung verzichten. Kinder und Jugendliche, die an unkontrolliertem Asthma leiden, dürfen Palforzia nicht einnehmen. Dennoch kann das Medikament Leben retten, indem es die Symptome eines allergischen Schocks bei einer versehentlichen Erdnusse-Aufnahme (lebens-)entscheidend abmildert.

Erdnussallergie bleibt meist ein Leben lang erhalten

Viele Kinder leiden unter einer Erdnussallergie.
In den USA wurde das erste Medikament zugelassen, das allergischen Schocks durch Erdnüsse bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen kann.
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Dies ist vor den folgenden beiden Gründen umso bedeutsamer: Zum einen ist die Prognose der Erdnussallergie schlechter als bei allen anderen Nahrungsmittelallergien, die im Kindesalter auftreten. Nur etwa 25 Prozent der Kinder mit einer Erdnussallergie entwickeln im Laufe der Jahre eine Toleranz. Zum Vergleich: Bei einer Milch- oder Ei-Allergie sind es 80 Prozent.

Zum anderen stand für Erdnuss-Allergiker bislang keine Therapie zur Verfügung, sodass die Meidung der Erdnüsse bislang die einzige Möglichkeit darstellte, einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock vorzubeugen. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund, dass das Erdnussallergen bei der Herstellung über die Produktionsanlagen auch in Lebensmittel gelangen kann, die eigentlich erdnussfrei sind, besonders schwierig. Umso hoffnungsvoller stimmt das nun zugelassene Medikament.