Auch Schulden werden vererbt

Erbe ausschlagen: Darauf müssen Sie achten

Bemerken Sie erst einige Monate nach dem Erbfall, dass Sie dagegen vorgehen möchten, können Sie die Haftung auf Nachlass beschränken.
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12. Dezember 2019 - 12:08 Uhr

Wenn Eltern ein Erbe ausschlagen, wird es automatisch an das Kind weitergeben

Wer erbt, bekommt nicht nur das Vermögen, sondern auch die Schulden des Verstorbenen. Der absurde Erbfall um die acht Monate alte Mila sorgt aktuell für Aufsehen: Im September 2018 starb ihr Opa, er war bis über beide Ohren verschuldet. Gläubiger fordern jetzt 13.000 Euro von dem Baby. Das Problem: Die Eltern der Kleinen haben das Erbe ausgeschlagen - unwissend, dass es an Mila weitergegeben wird.

Wir erklären Ihnen, worauf Sie achten müssen, wenn Sie ein Erbe ausschlagen wollen.

So schlagen Sie die Erbschaft aus

Wenn Sie die Erbschaft ausschlagen, bedeutet dies, dass Sie keinerlei Anspruch mehr auf das Erbe haben - sie können also auch Ihren Pflichtteil nicht mehr einfordern. Wichtig ist dabei: Die Ausschlagung muss innerhalb von sechs Wochen, nachdem Sie von der Erbschaft erfahren haben, erfolgen.

Die Ausschlagung erfolgt laut der Verbraucherzentrale beim Nachlassgericht - dort müssen Sie persönlich erscheinen, ein Brief genügt nicht. Die Kosten dafür liegen bei 30 Euro. Alternativ können Sie zu einem Notar Ihrer Wahl gehen, der eine notarielle Erklärung aufsetzt. Auch das kostet 30 Euro.

Wenn Kinder im Spiel sind, gilt laut Anwältin Kerstin Börner folgendes: "Wenn Elternteile das Erbe ausschlagen, wird es auf das Kind übertragen. Ein Baby ist noch nicht geschäftsfähig. Dann sind die Eltern dafür verantwortlich, dass sie innerhalb der 6-Wochen-Frist das Erbe von ihrem Baby ausschlagen. Vergessen das die Eltern, wird das Baby Erbe."

Nachlassverwaltung beantragen

Bemerken Sie erst einige Monate nach dem Erbfall, dass Sie dagegen vorgehen möchten, können Sie die Haftung auf den Nachlass beschränken. Sie haften dann nicht mehr mit ihrem privaten Vermögen für das Erbe. Zum Nachlass gehört das gesamte Vermögen aus Bar- oder Kapitalvermögen, Immobilien und privater Besitz wie Dokumente oder Kunst.

Sie beantragen beim Nachlassgericht die Nachlassverwaltung, woraufhin das Gericht einen Nachlassverwalter bereitstellt, der die Schulden aus dem Nachlass bezahlt. Bleibt Vermögen über, bekommen Sie dies ausgezahlt. Genügt das Erbe nicht für die Zahlung der Schulden, beantragt der Nachlassverwalter ein Nachlassinsolvenzverfahren.

Die letzte Option: Nachlassinsolvenzverfahren

Wenn sich der Nachlass als verschuldet herausstellt, können Sie auch selbst ein Nachlassinsolvenzverfahren beim Insolvenzgericht beantragen. Mit diesem Verfahren beschränken Sie die Haftung für die Schulden auf den vorhandenen Nachlass. Auch dann haften Sie nicht mehr mit ihrem privaten Vermögen für das Erbe. Obwohl das Wort "Insolvenz" vorkommt, hat dies keine negativen Auswirkungen auf Ihr Vermögen: Das Verfahren bezieht sich nur auf den Nachlass des Verstorbenen und hat nichts mit Ihrer persönlichen finanziellen Situation zu tun.

Das Gericht leitet dieses Verfahren nur ein, wenn es davon ausgeht, dass der Nachlass die Kosten decken kann. Ist dies nicht möglich, wird vom Gericht die Dürftigkeit des Nachlasses festgestellt. "Es wird dann festgestellt, dass kein verwertbares Vermögen da ist und im Rahmen des Insolvenzverfahrens kann dann festgestellt werden, dass eine Haftung nicht möglich ist", so Börner.