Um ihr den eigenen Anblick zu ersparen

Mädchen (9) nach Hundebiss entstellt – Mutter hängt alle Spiegel ab

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30. September 2019 - 18:24 Uhr

Lily-Fay verlor 25 Prozent ihrer Lippe

Die kleine Lily-Fay aus West Sussex (England) spielt gerade mit ihren Geschwistern auf der Farm ihrer Tante. Auf einmal schießt aus den Nichts ein Labrador auf sie zu, verbeißt sich in ihrem Gesicht und verletzt sie schwer. Lily-Fay verliert auf einer Seite ihr Gehör und ein Viertel ihrer Lippe, muss mit mehr als 230 Stichen genäht werden. Um ihr den furchtbaren Anblick zu ersparen, hat ihre Mutter Kelly nun alle Spiegel im Haus abgehängt. Doch sie kann ihre Tochter nicht für immer davon abhalten, ihr eigenes Gesicht zu sehen.

Die Verletzungen werden ihr Leben verändern

Ein entspannter Spielenachmittag wurde zur Katastrophe: "Ich fühle mich wie betäubt. Ich denke ständig, ich wache auf und es war alles ein böser Alptraum, aber das wird natürlich nicht passieren. Es ist alles noch so frisch. Lily ist so tapfer", erklärt ihre 32-jährige Mutter Kelly Parfitt der britischen Daily Mail. Die Verletzungen, die ihre neunjährige Tochter durch den Hundebiss davontrug, sind gravierend: "Ihr Oberkiefer, ihre oberen Zähne, ihre Zunge und ihr Unterkiefer wurden entblößt. So etwas Schlimmes will ich niemals wieder sehen."

Lilys Familie brachte sie sofort ins Krankenhaus, wo die Ärzte ihre Verletzungen als eine 9,5 auf einer Skala bis 10 einschätzen. Ihr fehlen 25 Prozent ihrer Lippe, 192 Stiche an der Wange und 38 an der Lippe sind nötig, um die Wunde zu verschließen. "Der Chirurg brauchte sie nur kurz anzuschauen und sagte: 'Das wird ihr Leben verändern – wir wissen nicht, ob sie an dieser Stelle jemals wieder Gefühl haben wird," so Kelly. "Wir haben alle Spiegel abgenommen und den im Badezimmer abgehängt, damit sie sich selbst nicht sehen kann." Der Hund wurde nach dem schweren Angriff offenbar getötet.

Kelly Parfitt und ihre verletzte Tochter Lily-Fay Parfitt
Kelly steht ihrer Tochter Lily-Fay zur Seite und tut alles, damit sie ihr Trauma überwindet
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Alle Spiegel abhängen – ist das der richtige Weg?

Kelly will ihrer Tochter den schlimmen Anblick ersparen – und laut Kinderpsychologin Sabine Werner-Kopsch ist das genau so richtig: "Es ist sehr wichtig, dass das Kind behutsam in die neue Lebenssituation begleitet wird und eine Konfrontation im häuslichen Rahmen ausbleibt. Die Spiegel abzuhängen ist daher eine unterstützende Maßnahme." Doch früher oder später muss die kleine Lily sich damit anfreunden, dass ihr Gesicht für immer anders aussehen wird. Das weiß auch ihre Mama: "Es geht ihr okay, aber ich glaube, sie hat es noch nicht begriffen. Es ist alles verdeckt, so dass sie nichts sehen kann. Wenn der Verband abkommt, wird es für sie real werden."

Damit Lily den dramatischen Unfall und seine Folgen richtig verarbeiten kann, ist Werner-Kopsch zufolge eine Trauma-Therapie unbedingt notwendig: "Sie ist der nächste wichtige Schritt und sollte nicht im familiären Umfeld, sondern von Spezialisten durchgeführt werden. Das Gefühl zu sich selbst wird entscheidend für die Zukunft des Kindes sein. Mit der Therapie wird auch der Blick in den Spiegel wieder zur Normalität und sicher auch in der Wohnung der Mutter wieder mehr und mehr Einzug halten."

Lily wurde in ihrem Leben schon 103 Mal operiert

Wenn jemand seinen Weg zurück ins normale Leben finden kann, dann ist es Lily. Denn seit ihrer Geburt leidet sie an einer sogenannten Hufeisenniere, zudem fehlen ihr 60 Prozent ihres Darms. 103 Operationen musste sie deshalb bereits über sich ergehen lassen. Und sicher wird die Notfallbehandlung nach dem Biss - Nummer 104 - nicht die letzte gewesen sein. Doch ihre Mutter ist sich sicher, dass sie auch diese Lebensprüfung meistern wird: "Sie hat in ihrem jungen Leben schon so viel durchgestanden, sie macht das wirklich toll." Nur neun Tage nach dem schrecklichen Unfall feierte Lily ihren Geburtstag und konnte das erste Mal wieder lächeln.