Gestrichen, wartend, verletzt

Das bittere DFB-Leiden von ter Stegen

Pechvogel: Marc-André ter Stegen.
Pechvogel: Marc-André ter Stegen.
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18. Mai 2021 - 10:01 Uhr

Und schon wieder kein Einsatz bei einem großen Turnier

Er bleibt der große Pechvogel mit dem verhinderten Durchbruch in der Nationalmannschaft: Marc-Andre ter Stegen muss weiter auf seinen ersten großen Turnier-Einsatz warten. Der Torwart des FC Barcelona verpasst die Europameisterschaft wegen einer Knie-OP.

"Ich bin traurig"

ARCHIV - 30.08.2019, Bayern, München: Uli Hoeneß, Präsident FC Bayern München, nimmt an einer Pressekonferenz seines Vereins teil. (zu dpa «Hoeneß' Polterabend: Wütende Attacke gegen ter Stegen und den DFB» am 19.09.2019) Foto: Peter Kneffel/dpa +++
Uli Hoeneß reagierte damals äußert wütend auf ter Stegens DFB-Klage.
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Marc-André ter Stegen verkündete sein EM-Aus in fünf dürren Zeilen. "Ich bin traurig", schrieb der Torwart des FC Barcelona bei Instagram und ließ dann die Katze aus dem Sack: "Erstmals seit vielen Jahren werde ich mein Land als Fan von daheim unterstützen." Grund ist das leidige rechte Knie, schon am Donnerstag wird der 29-Jährige in Malmö erneut operiert.

Für ter Stegen setzt sich damit seine Misere bei großen Turnieren fort. Vor der EM 2012 war er aus dem vorläufigen Kader gestrichen worden, für die WM 2014 wurde er erst gar nicht nominiert, bei der EM 2016 und WM 2018 blieb er ohne Einsatz. Zwischendurch beklagte er, dass er keine faire Chance im DFB-Team erhalte. Es war eine Ansage, die heftige Reaktionen hervorrief. Vor allem vom FC Bayern, vor allem von Uli Hoeneß. Der polterte 2019: "Er hat überhaupt keinen Anspruch. Es gibt keine Diskussion, dass nur Neuer die eins ist. Wir lassen uns nicht gefallen, dass unsere Spieler geschädigt werden. Ter Stegen ist ein sehr guter Torwart. Aber Manuel ist viel besser, viel erfahrener. Der kann so lange spielen, wie er gesund ist. Er wird immer der Beste sein."

Ter Stegen gestand erst vor wenigen Tagen im Interview bei Sport1 ehrlich, damit sei damals "eine Grenze" erreicht worden, denn die "Wortwahl von Uli Hoeneß war aber nicht die Richtige" und: "Das kann ich ihm vorwerfen und das fand ich in diesem Moment nicht lustig." Auch in diesem Jahr war er nur als Nummer zwei hinter Manuel Neuer vorgesehen, doch nun fährt er erst gar nicht mit. "Ich hoffe, dass wir die EM gewinnen werden", so ter Stegen.

"Jeder rechnet sich Chancen aus ..."

Joachim Löw reagierte mit Verständnis, aber auch Enttäuschung. "Wir waren mit Marc im Austausch. Er weiß, dass wir ihn als Weltklasse-Torhüter unglaublich schätzen", sagte der Bundestrainer. Zwar sei Dauer-Konkurrent Neuer weiter die Nummer eins, "aber gerade die Spieler auf diesem höchsten Niveau müssen und wollen sich immer mit den Besten messen, im Spiel genauso wie im Training". Das Wichtigste sei nun, "dass Marc wieder beschwerdefrei wird".

Neben Neuer dürften somit Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt und Bernd Leno vom FC Arsenal mit zur EM fahren. Leno meldete am Montag Ansprüche auf ein EM-Ticket an. "Ich habe in der Premier League und in der Europa League eine gute Saison gespielt und mein Bauchgefühl sagt mir, dass es klappen kann. Und völlig klar: Ich brenne darauf, dabei zu sein", sagte er Sport1. Löw wird seinen Kader am Mittwoch bekannt geben.

Ter Stegen hatte sich schon am 18. August 2020, vier Tage nach dem 2:8-Debakel in der Champions League gegen Bayern München, einem Eingriff an der Patellasehne im rechten Knie unterzogen. Erst am 7. November bestritt er sein erstes Saisonspiel, nun muss er erneut unters Messer. "Ich habe gemeinsam mit der medizinischen Abteilung des Klubs entschieden, einen zusätzlichen Eingriff durchführen zu lassen", schrieb er. Barças letztes Saisonspiel wird er verpassen, die letzte Meister-Chance hatten die Katalanen am Sonntag verspielt.

Schon am Montag richtete der Ex-Gladbacher sein Augenmerk daher auf die Zeit nach der EM. Er freue sich darauf, "hoffentlich wieder vor Fans" auf den Platz zurückzukehren, so ter Stegen. Dann könnte auch die Zeit gekommen sein, um endlich den Stammplatz im Tor der DFB-Elf zu erobern. "Natürlich denke ich schon darüber nach, was nach der EM passiert. Jeder rechnet sich Chancen aus, dass die Karten neu gemischt werden", hatte ter Stegen unlängst im Sport1-Interview gesagt. Abgehakt hat Marc Andre ter Stegen das Thema Nationalelf schließlich noch lange nicht. (tno/sid)