Bye-bye Final-Fluch

Finale dahoam! England eskaliert

08. Juli 2021 - 1:36 Uhr

England beendet Dänemarks unglaubliche EM-Reise

Finale dahoam! Englands Traum vom Heim-Finale bei der Euro wird wahr! Die englische Fußball-Nationalmannschaft bezwang in einem emotional aufgeladenen und packenden Halbfinale tapfer kämpfende Dänen in der Verlängerung mit 2:1 (1:1, 1:1) und steht zum ersten Mal überhaupt in einem Finale der Europameisterschaft. Die Engländer profitierten dabei von einem umstrittenen Elfmeter. Die Highlights der Partie zeigen wir Ihnen oben im Video.

England – Dänemark 2:1 (1:1) n.V.

Tore: 0:1 Damsgaard (30.), 1:1 Kjaer (39./ET), Kane (104.)

Der Bann ist endlich gebrochen! England erreicht erstmals seit 1966 wieder das Finale eines großen Fußball-Turniers. Die knapp 60.000 überwiegend englischen Fans in der Londoner Arena feierten den historischen Finaleinzug der "Three Lions" euphorisch bis englisch-ekstatisch. Im Endspiel wartet nun am Sonntag (21 Uhr/RTL-Liveticker) die "Squadra Azzurra" aus Italien. Ein echtes Knaller-Finale!

Da war auch schnell vergessen, dass England sein erstes Gegentor in dieser EM kassierte. Die Zero, die Null – sie steht nicht mehr. "Who cares?!", denkt sich die englische Fan-Seele. Kapitän Harry Kane erzielte das goldene Tor für England in der Nachspielzeit. Er verwandelte den umstrittenen Elfmeter erst im Nachschuss, zuvor hatte der starke Dänen-Keeper Kasper Schmeichel den Ball nach vorne abgewehrt.

Zeichen für Christian Eriksen

LONDON, ENGLAND - JULY 07: Assistant Referee, Jan de Vries, Harry Kane of England, Match Referee, Danny Makkelie and Simon Kjaer of Denmark hold a signed England shirt of Christian Eriksen of Denmark prior to the UEFA Euro 2020 Championship Semi-fina
Die Spieler setzen erneut ein Zeichen für Christian Eriksen.
© Getty Images, Bongarts, DR / STOREY

Mit voller Inbrunst, geradezu Italien-esk, schmetterten die Spieler vor Anpfiff ihre Hymne, nachdem sich die Fans zuvor im Stadion mit "Sweet Caroline" und "Football's Coming Home" bierselig in Stimmung gesungen hatten. Rund 8.000 Dänemark-Fans waren im Stadion, angeblich alle mit Wohnsitz England. Es knisterte gewaltig in Wembley. Beim Wimpel-Tausch der beiden Kapitäne überreichte Simon Kjaer ein T-Shirt mit dem Namen von Christian Eriksen – ein tolles Zeichen. Der Däne erholt sich nach seinem Herzstillstand beim Auftaktspiel, der die Welt in Atem hielt, weiter in seiner Heimat. Der 29-Jährige wurde vom Fußballverband UEFA offiziell zum Finale eingeladen, ob er tatsächlich anreist, ist noch unklar.

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So lief das Spiel

 210707 Mikkel Damsgaard of Denmark scores the 0-1 goal during the UEFA EURO, EM, Europameisterschaft,Fussball 2020 Football Championship semi final between England and Denmark on July 7, 2021 in London. Photo: Paul Marriott / BILDBYRAN / Cop 243 bbe
Der Führungstreffer für die Dänen
© imago images/Bildbyran, PAUL MARRIOTT via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Bei all dem Feuer, das vor Anpfiff da war, es verpuffte allerdings zunächst. Beide Teams tasteten sich vor den Augen von Premierminister Boris Johnson, England-Ikone David Beckham und Prinz William noch etwas schüchtern ab.

Die erste Halb-Chance ergab sich aus einer Flanke von Harry Kane auf Deutschland-Schreck Raheem Sterling, der hauchdünn (6.) verpasste. Die Hausherren rissen das Spiel an sich, Dänemark lauerte zunächst auf Konter. Keeper Kasper Schmeichel entschärfte ein "Schüsschen" von Sterling (13.).

Dann meldete sich die Dänen mit einem Schussversuch von Martin Braithwaite aus gut 18 Metern ebenfalls bei der Partie an und näherten sich dem englischen Tor konsequent. Mikkel Damsgaards Schlenzer (25.) flog noch relativ deutlich am englischen Kasten vorbei, kurz darauf zielte er besser – und es schepperte gewaltig: Damsgaard nagelte einen Freistoß aus 23 Metern und halblinker Position unter die Latte (30.), Keeper Jordan Pickford segelte darunter vorbei. Traumtor!

England schnaufte einmal durch, verdaute den Schock aber schnell. Dänen-Keeper Schmeichel nun gefordert, rettete die Führung erneut gegen den starken Sterling, doch wenig später war der Schlussmann machtlos. Sancho-Ersatz Bukayo Saka spielte von der rechten Grundlinie einen scharfen Pass ins Zentrum, Abwehrmann Kjaer schlitterte unglücklich vor Sterling ins Leder. Eigentor! Damit geht die Eigentor-Flut bei dieser Euro unaufhaltsam weiter. Es war bereits das elfte in diesem Turnier, so viel wie bei allen Europameisterschaften bisher zusammen.

Schmeichel trumpft auf, Kane im Nachschuss

Party-Hotspot Wembley
Party-Hotspot Wembley!
© picture alliance, Paul Ellis

Nach dem Seitenwechsel schwappte das Spiel hin und her. Kasper Dolberg testete Pickford von der Strafraumgrenze. Dann war wieder der glänzend aufgelegte Schmeichel zur Stelle. Den platzierten Kopfball von Harry Maguire nach einer Ecke (55.) kratzte er mit einer Hechteinlage, die Torwart-Titan Oliver Kahn stolz machen würde, von der Linie.

Große Diskussionen dann in der 73. Minute. Im Zweikampf mit Christian Norgaard ging Kane im Sechzehner zu Boden? Der VAR checkte aus dem Home-Office. Elfer? No! Die Fans quittierten die Entscheidung mit Buhrufen. Die Three Lions nahmen nun die Wembley-Zügel in die Hand, für den finalen Stoß reichte es noch nicht. Die Teams hechelten in die Verlängerung.

Dort wankte Dänemark heftig, doch Schmeichel entwickelte sich mehr und mehr zur unüberwindbaren dänischen Mauer, wehrte erst Kanes Schuss ab, später rettete er gegen Jack Graelish.

Dann der Elfer-Schock für Dänemark: Jensen und Maehle nahmen Sterling in die Zange, der Angreifer fiel ohne großen Körperkontakt – eine harte Entscheidung vom niederländischen Referee Danny Makkelie. Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte im ZDF eine klare Meinung: "Das war für einen Elfmeter nicht ausreichend. Raheem Sterling wollte den ziehen, er wollte ihn cheaten."

Kapitän Kane schnappte sich die Kugel und hämmerte den Ball Richtung Tor, Schmeichel parierte den Ball nach vorne, im Nachschuss traf Kane in die dänischen Fan-Herzen. Wembley eskalierte, der Startschuss zur euphorischen EM-Party, diebis tief in die Nacht gehen dürfte.

Der EM-Pott in Griffweite

Am Vortag hatte Dänemarks Nationaltorwart Schmeichel noch einen wuchtigen Seitenhieb nach London geschickt. Ob der Football denn jemals zu Hause war, also ob England schon mal was gewonnen hätte?, konterte er leicht spöttisch auf die Frage eines englischen Reporters. Vielleicht sind die englischen Fans vor solchen Sticheleien ab Sonntag schon sicher. Dann soll der letzte Schritt zum so lange ersehnten Titel erfolgen. Der EM-Pokal – er ist jetzt so greifbar wie nie zuvor. (msc)