Die Eiswette am Osterdeich ist Tradition

Gaga-Wette bei 10 Grad Außentemperatur: Bremer wetten, ob Weser zugefroren ist

Die Bremer Eiswette geht zurück auf das Jahr 1828. Ihr Hauptakteur: Ein Schneider mit Bügeleisen.
Die Bremer Eiswette geht zurück auf das Jahr 1828. Ihr Hauptakteur: Ein Schneider, der in diesem Jahr sogar die Hüllen fallen ließ.
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Es ist die wohl absurdeste Wette in Norddeutschland: Bei 10 Grad wurde am Freitagmittag in Bremen getestet, ob die Weser „geht oder steht“. Man könnte meinen, dass die Antwort auf die Frage in jedem Jahr eindeutig ist und doch ist es immer wieder ein Spektakel.

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Ist die Weser bei 10 Grad noch gefroren?

Die sogenannte Eiswette in der Hansestadt hat eine uralte Tradition. Erstmals wetteten 18 Männer im November 1828, ob die Weser am 4. Januar 1829 zugefroren sein wird, oder nicht. Fast 200 Jahre später hat die Gaga-Wette deutlich mehr Menschen in seinen Bann gezogen, 1828 Bremer Bürger sollen demnach im vergangenen Jahr einen Tipp abgegeben haben. Heute, am 6. Januar, fiel die mit Spannung erwartete Entscheidung – bei 10 Grad und Sonnenschein hatte das Eis keine Chance gegen die Wassermassen.

Kann die Weser überhaupt noch zufrieren?

Wenn das Eis nicht hält, bringt ein Rettungsboot den Schneider an das andere Ufer.
Wenn das Eis nicht hält, bringt ein Rettungsboot den Schneider an das andere Ufer.
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Traditionell geht es bei der Wette um die Frage, ob ein als Schneider verkleideter Bürger mit einem heißen Bügeleisen in der Hand den vereisten Fluss zu Fuß überqueren kann. Schafft er die knapp 100 Meter, ohne in das Wasser einzubrechen, ist die Wette gewonnen. Falls das Eis bricht, kann der Schneider in ein Seenotrettungsboot umsteigen und an das andere Ufer fahren – die Wette ist verloren.

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Wer auf den Erfolg des Schneiders setzt, muss aber schon etwas naiv sein, denn zuletzt war die Weser im Jahr 1947 zugefroren. Heute musste das tapfere Schneiderlein erneut das Boot nehmen. Mit einer dicken Eisschicht ist auch in den kommenden Jahren nicht zu rechnen: „Ich habe mal gehört, dass es wohl so ist, dass durch die Begradigung des Flusses es rein physisch eigentlich gar nicht mehr möglich ist. Da müsste es schon wirklich extreme Minusgrade haben. Dass sie irgendwann noch einmal zufriert, das werden wir in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht mehr erleben“, erzählt Patrick Testa-Kreitz, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), im Gespräch mit RTL.

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Eiswette machte Corona-Pause

In den vergangenen beiden Jahren fiel die kuriose Wette wegen der Corona-Pandemie ins Weser-Wasser. Startschuss für die „Ieswett“, wie die Eiswette auf Plattdeutsch heißt, war um Punkt 12 Uhr. Die Gewinner dürfen sich über ein üppiges Kohlessen freuen, welches die Verlierer am dritten Samstag des Januars ausrichten müssten. Die gezahlten Wetteinsätze gehen als Spende an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. (dpa/hzi/cta)