Er überlebte als Einziger das Seilbahn-Unglück in Italien

Jetzt darf Eitan (5) nach Hause

Eitan (re) mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder (†2).
Eitan (re) mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder (†2).
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14. Juni 2021 - 12:53 Uhr

Der Fünfjährige durfte endlich das Krankenhaus verlassen

Gemeinsam mit Tante Aya und den Großeltern wurde Eitan Biran mit einem Krankenwagen in sein Zuhause nach Pavia, in der Nähe von Mailand, gefahren. Das berichtet die italienische Zeitung "La Stampa". Der kleine Junge ist der einzige Überlebende des schrecklichen Seilbahn-Unglücks in Italien am 23.Mai. 14 Menschen sind bei dem Absturz einer Gondel ums Leben gekommen. Jetzt ist der Fünfjährige wieder zu Hause, wo er gemeinsam mit seiner Mama, seinem Papa und seinem zweijährigen Bruder lebte – bis zum schrecklichen Unglück am Pfingstsonntag.

Das Seilbahn-Drama vom Lago Maggiore

Italien, Stresa: Rettungskräfte arbeiten am Wrack einer abgestürzten Gondel, die in einem Waldstück liegt. Beim Absturz der Gondel einer Seilbahn am norditalienischen Lago Maggiore haben mindestens 14 Menschen ihr Leben verloren
Bild der abgestürzten Gondel bei der Bergung
© dpa, Uncredited, frd

Es sollte ein wunderschöner Tag für Eitan und seine Familie werden. Die Ur-Großeltern aus Israel waren angereist und da wollte man etwas ganz besonderes unternehmen. Eine Fahrt mit der berühmten Seilbahn in der Nähe des Lago Maggiore. Die Sicht von ganz oben soll atemberaubend sein. Eine paradiesische Aussicht auf den höchsten Berg, der zwischen zwei Seen gelegen ist. Die Fahrt kostet 20 Euro pro Person. Am 23.Mai haben 14 Menschen für die Fahrt in den Tod bezahlt.

Die Gondel, in der Eitan gemeinsam mit seiner Familie war, stürzte nur 5 Meter vor der Ankunft ab. Das Seil riss, die Notbremse griff nicht ein. Die Gondel stürzte 20 Meter in die Tiefe und prallte mit 100 km/h auf dem Boden auf.

Heute ist klar, die Betreiber hatten die Bremse der Gondel manipuliert um die Seilbahn eröffnen zu können. Lange hatte sie durch den Lockdown stillgestanden. Die Betreiber hatten seit einigen Monaten keine Einnahmen mehr. Vor der Eröffnung am 26.April hatte es bei Testfahrten immer wieder Fehlermeldungen gegeben. Der Grund waren die Bremsen der Gondel Nummer drei. Der Techniker hätte, laut italienischen Medienberichten, auch zwei weitere Firmen um Rat gebeten, niemand konnte den Fehler angeblich beheben. Um die Seilbahn aber trotzdem wiederzueröffnen entschied sich der Techniker, wohl gemeinsam mit den Betreibern, die Bremse einfach mithilfe einer Metallgabel offen zu halten. So stoppte die Seilbahn nicht mehr und es trat auch keine Fehlermeldung auf. Eine Entscheidung, die nicht nur Eitans Familie das Leben kostete.

Eitan hat vermutlich nur die feste Umarmung seiner Eltern das Leben gerettet. Der Fünfjährige wurde schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert, dort fragte er trotz seiner schweren Verletzungen immer wieder nach seiner Mama und seinem Papa. Die Ärzte versetzten den kleinen Jungen ins Koma und operierten ihn. Jetzt nach 19 langen Tagen im Krankenhaus durfte er zurück nach Hause.

Eitan fuhr mit einem Krankenwagen zurück nach Hause

Erst vor wenigen Tagen erfuhr Eitan mit Hilfe einer Psychologin und seiner Tanta Aya Biran, die ihm immer zur Seite steht, dass seine Eltern, sein Bruder und seine Ur-Großeltern tot sind. Jetzt kehrt der Fünfjährige an den Ort zurück, wo er zuvor ein unbeschwertes, glückliches Leben mit seiner Familie führte.

Die Ärzte des Krankenhauses "Regina Margherita" in Turin erklärten laut "La Stampa": "Eitan wird weiterhin psychologisch betreut und auch seine körperlichen Verletzungen werden weiter beobachtet". Sein Herz und seine Lunge mussten nach dem Unfall stabilisiert werden und der Junge hatte mehrere Knochenbrüche erlitten.

Noch immer erinnere Eitan sich nicht an den Unfall. Die Ärzte erklären das mit einer Amnesie, also einem posttraumatischen Ausfall des Erinnerungsvermögens. "Eitan ist langsam beigebracht worden, was mit seinen Eltern passiert ist. Es wird ein langer Prozess werden, den Psychologen, Ärzte und die Familie eng und höchst sensibel begleiten werden", teilte die Anwältin von Eitans Familie, Cristina Pagni, dem Bericht zufolge mit.

Jetzt ist der kleine Junge erstmal wieder zuhause. Seine Tante Aya Biran ist weiterhin sein Anker. Aber auch seine Großeltern sind immer bei ihm. Sie alle geben sich gegenseitig Kraft. Denn jetzt müssen sie alle trotz der großen Trauer stark sein, damit Eitan in seinem Leben nach vorn blicken kann.

(mca)

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