"Mr. Irrelevant" ist unfassbar wichtig

Shootingstar Brock Purdy schreibt ein wahres NFL-Märchen

Beliebt bei Fans und Medien: NFL-Shootingstar Brock Purdy.
Beliebt bei Fans und Medien: NFL-Shootingstar Brock Purdy.
Imago Sportfotodienst

Für Sportler wie Brock Purdy gibt es Superlative. Die Quarterback-Überraschung führte seine San Francisco 49ers zum nächsten Sieg, die Mannschaft spielt nun um die Teilnahme am Super Bowl. Was vorher kein Experte auch nur ahnte: Der 23-Jährige spielt dabei die größte Rolle.

Der kometenhafte Aufstieg ist perfekt

Beim 19:12 gegen die Dallas Cowboys verlängerte Purdy seine beeindruckende Serie auf nun acht Siege in acht NFL-Spielen und blieb auch gegen die Cowboys nahezu fehlerfrei. Er blieb ohne Touchdown-Pass, leistete sich aber auch keinen Fehlwurf und traf nur in wenigen Situationen eine offensichtlich falsche Entscheidung. „Wir sind einfach froh, dass wir gewonnen haben. Es ist Playoff-Football, das ist nie einfach“, sagte Purdy dem TV-Sender „Fox“ ganz bescheiden. Doch klar ist: Sein kometenhafter Aufstieg ist spätestens jetzt perfekt.

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Denn: Purdy war im Draft vergangenes Frühjahr, der Talentschmiede der NFL, erst an letzter Stelle ausgewählt worden und bekam deswegen aus Tradition den Spitznamen „Mister Irrelevant“ verpasst. Weil sich bei den 49ers aber die Quarterbacks Trey Lance und Jimmy Garoppolo verletzten, kam Purdy überraschend zu seinem NFL-Debüt und ist seither Stammspieler der 49ers.

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Und er liefert Spiel für Spiel ab. 13 Touchdown-Pässe hat Purdy bislang gesammelt, seine Bewertung als Quarterback war nach den ersten fünf Spielen als Starter besser als die von Chiefs-Superstar Patrick Mahomes in dessen Anfangszeit. Und seine Gegner macht er auch mit seinen Fähigkeiten als Runningback und Receiver kirre. Beeindruckend!

Von einem unbekannten Niemand zum NFL-Star

Im Schnelldurchlauf wurde Purdy in den vergangenen Wochen von einem unbekannten Niemand im letzten Winkel des Kaders zur Hauptfigur in einem Aufsteiger-Märchen, wie es Amerikaner und die US-Medien lieben. Ohne Vorbereitung früh eingewechselt nach einer Verletzung von Jimmy Garoppolo führte er die 49ers Anfang Dezember zu einem 33:17 gegen die Miami Dolphins. Was für ein Debüt!

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In der Woche danach stand er erstmals in der Startaufstellung – gegen die Tampa Bay Buccaneers um die Quarterback-Legende schlechthin: Tom Brady. Wieder gab es einen Sieg, wie auch in den folgenden vier Partien bis zum Ende der NFL-Hauptrunde. Die 49ers sind mit Purdy längst ein ernster Kandidat für den Gewinn des Super Bowls.

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Alles klingt wie aus einem Drehbuch: Purdy war ursprünglich der Ersatz vom Ersatz und maximal für Testzwecke im Training eingeplant. Und nun? Schreiben die Experten und Kolumnisten in den US-Medien, dass die 49ers noch nie so sehr den idealen Football von Trainer Kyle Shanahan gespielt haben wie in diesen sechs Partien mit dem neuen Quarterback.

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Der neue Superstar gibt sich bescheiden. „Ich versuche nicht, es größer zu machen, als es ist“, sagte er. „Offensichtlich geht es um mehr“, schob er zwar nach, doch „all die Jungs in der Kabine halten mir den Rücken frei, und wir sind alle zusammen gewachsen und bereit für das, was vor uns liegt.“ An Selbstvertrauen mangelt es dem NFL-Talent aber nicht.

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Trotz seines Beginns als Nobody hat Purdy schon das Auftreten und Selbstverständnis eines erfahrenen Profis. „Sobald er ins Spiel kam, war er unser Mann“, erinnerte sich Mike McGlinchey, der vor Purdy spielt und ihm die Gegner vom Leib hält. „Egal ob du ein Neuling bist, ein Veteran mit fünf Jahren oder ein Veteran mit zehn Jahren, es macht keinen Unterschied, du bist der Stamm-Quarterback und musst den Job des Stamm-Quarterbacks erledigen. Und das hat er zu einem unglaublichen Grad getan.“

Aus dem „Mister Irrelevant“ ist also längst „Mister Relevant“ geworden – und das in beeindruckender Weise. Selbst Purdys Eltern können das manchmal kaum glauben: Sie schauen jedes Spiel ihres Sohnes im Stadion, der Papa verdrückt gerne mal ein paar Tränen – so stolz ist er auf seinen Sohn. Wer mag ihm das auch verdenken… (jlu/dpa)