Mastzellaktivierungssyndrom

Gegen ALLE Lebensmittel allergisch: Lauren (20) hat seit einem Jahr nichts mehr gegessen

Lauren Wittering ist gegen alle Lebensmittel allergisch
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01. Oktober 2020 - 15:51 Uhr

Schon beim Geruch von Lebensmitteln reagiert Lauren allergisch

Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten können den Alltag erheblich erschweren. Davon können alle ein Lied singen, die gegen besonders häufig in unserem Essen enthaltene Stoffe und Lebensmittel wie Fructose, Nüsse oder Fischeiweiß reagieren. Doch was die Britin Lauren Wittering aus Kettering täglich erlebt, sprengt fast den Rahmen des Vorstellbaren. Die 20-Jährige leidet an dem sogenannten Mastzellaktivierungssyndrom, das dafür sorgt, dass ausnahmslos alle Lebensmittel schwerste allergische Reaktionen bei ihr auslösen. Sogar wenn Lauren Essen nur riecht, kann das schon dazu führen, dass sie ohnmächtig wird. Umso beeindruckender ist es, wie die junge Frau mit ihrem Schicksal umgeht.

Laurens erste Symptome: Allergie gegen Soja- und Milchprodukte

Noch zu Schulzeiten hatten sich bei Lauren erste starke Allergien entwickelt. Zunächst reagierte sie auf alkoholhaltige Lösungen im Chemieunterricht, dann gegen Soja- und Milchprodukte. Die Symptome wurden so schlimm, dass die junge Frau ins Krankenhaus kam. "Etwa ein Jahr lang konnte ich nur fünf Lebensmittel essen: Hühnchen, Reis, Kartoffeln, Möhren und Brokkoli", erzählt sie dem britischen Magazin "Daily Star". "Aber dann, mehr oder minder über Nacht, wurde ich auch gegen all diese Lebensmittel allergisch, also konnte ich nichts mehr essen." Nach sechs Monaten im Krankenhaus erhielt sie die Diagnose Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS).

Dabei handelt sich um eine Erkrankung des Immunsystems, bei der die Mastzellen – das sind körpereigene Abwehrzellen – unangemessen reagieren. Die Mastzellen speichern neben anderen Botenstoffen auch Histamin. Dieser Stoff bewirkt bei einer allergischen Reaktionen unter anderem das Anschwellen von Schleimhäuten, Hautrötungen oder eine Erweiterung der Blutgefäße. Beim Mastzellenaktivierungssyndrom reagieren die Mastzellen jedoch übermäßig und so kommt es zu einer verstärkten Freisetzung von Histamin – und damit einer extremen allergischen Reaktion.

Seit über einem Jahr nichts mehr gegessen

Mittlerweile hat sich Laurens Zustand so sehr verschlechtert, dass sie seit über einem Jahr nichts mehr gegessen hat. Neben sämtlichen Lebensmitteln reagiert Laurens Körper auch hochallergisch gegen Alkohol, Zigarettenrauch und Parfum. Doch damit nicht genug! "Alleine der Geruch von Essen führt dazu, dass ich mit einer Anaphylaxie reagiere", erzählt die junge Frau dem "Daily Star". Eine Anaphylaxie ist eine heftige, potentiell lebensbedrohliche Reaktion des Immunsystems, bei der der Körper mit der Ausschüttung von großen Mengen an Histamin reagiert. Dies führt dazu, dass sich die Blutgefäße schlagartig erweitern und der Blutdruck sinkt. Im schlimmsten Fall werden die Organe nicht mehr ausreichend durchblutet – der Kreislauf und der gesamte Organismus können zusammenbrechen.

Lauren gibt die Hoffnung nicht auf

Nachdem Lauren eine Magensonde eingesetzt bekam, stellte sich heraus, dass sie sogar dagegen allergisch war. Daraufhin mussten die Ärzte einen Zugang direkt zu Laurens Herzen legen, über den sie nun die wichtigsten Nährstoffe erhält. Doch trotz alldem: Die junge Frau bleibt tapfer! Sie träumt davon, Ernährungsberaterin zu werden und setzt große Hoffnung in die Entwicklung hilfreicher Medikamente. "Ich warte darauf, dass bald ein neues Wundermittel aus den USA zu klinischen Studien zugelassen wird." Dann, so hofft sie, kann sie vielleicht eines Tages wieder einige der Lebensmittel vertragen, die sie früher so gerne gegessen hat.

Wie kommt es zum Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS)?

Bisher ist noch wenig darüber bekannt, was die Krankheit auslöst. Es wird jedoch vermutet, dass sie bei einigen Patienten erblich bedingt ist. Die Erkrankung kann zunächst mild verlaufen und sich erst mit der Zeit verschlimmern. Auch gravierende Lebensereignisse wie Unfälle, Operationen oder extreme psychische Belastungen können eine plötzliche starke Verschlechterung der Symptome bewirken.

Derzeit ist MCAS nicht heilbar, jedoch können die Symptome durch den Einsatz verschiedener Medikamente wie Mastzellstabilisatoren oder Antihistaminika gemildert werden. Bei Betroffenen mit mildem Verlauf kann eine histaminarme Diät und die Vermeidung von Triggern wie Rauch, Farbstoffen, Alkohol, bestimmten Nahrungsmitteln und Medikamenten helfen.

Video: Diese Lebensmittel sollten Sie bei Histaminintoleranz meiden