Ein Jahr Corona-Warn-App

Wie aus dem "zahnlosen Tiger" ein digitales Werkzeug im Kampf gegen Corona wurde

16. Juni 2021 - 13:50 Uhr

Vom Start weg immer wieder Kritik an Corona-Warn-App

Am 16. Juni 2020 wurde in den Stores von Apple und Google die Corona-Warn-App veröffentlicht. Im Kampf gegen das Coronavirus sollte die App ein wichtiges Hilfsmittel werden, doch es gab im Laufe der letzten 12 Monate viel Kritik. Durch zahlreiche Updates mausert sich die App allerdings nach einem Jahr zu einer zentralen Schnittstelle für den Nachweis von Corona-Tests und Impfungen.

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Über 28 Millionen Downloads der Corona-Warn-App

In den ersten Monaten entwickelte sich die Verbreitung der Corona-Warn-App sehr dynamisch. Im September 2020 hatte das Robert Koch-Institut (RKI) über 18 Millionen Downloads in den Stores von Google und Apple registriert. Danach flachte die Kurve allerdings deutlich ab. Zuletzt verzeichnete das RKI 28,3 Millionen Downloads.

Im internationalen Vergleich steht die App damit allerdings gut dar. Trotzdem wird ihre Wirksamkeit immer wieder in Frage gestellt. So stellte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Corona-Warn-App in einem Zeitungsinterview als Flop da. "Die App ist leider bisher ein zahnloser Tiger. Sie hat kaum eine warnende Wirkung", sagte der Politiker im vergangenen Oktober den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Konkrete Zahlen zur Wirksamkeit der App, die auch in der Anwendung selbst präsentiert werden, widersprechen der These vom "Totalausfall". Danach haben inzwischen knapp eine halbe Million Menschen über die App andere Personen vor einer gefährlichen Risiko-Begegnung gewarnt. Dadurch wurden unzählige Infektionsketten unterbrochen. Die Zahl der relevanten Warnungen könnte aber noch viel höher sein, wenn alle Anwenderinnen und Anwender der App, die positiv getestet wurden, diese schlechte Nachricht auch in die App eintragen würden. Anfangs trauten sich aber nicht einmal 40 Prozent der Betroffenen, diese Alarmkette auszulösen.

Und neue Funktionen machen die Corona-Warn-App noch effektiver: So kann man seit dem letzten Update sein digitales Impfzertifikat hochladen und bei bei Bedarf alle notwendigen Corona-Impfungen nachweisen. Die Corona-Warn-App wird damit zum digitalen Impfpass. Auch lassen sich schon länger Antigen- oder PCR-Tests in die App einbinden.

Neue Umfrage: Immer mehr Corona-Warn-App-Nutzer teilen positives Ergebnis

Ein Jahr nach der Vorstellung der offiziellen Corona-Warn-App können sich allerdings immer mehr Menschen in Deutschland vorstellen, der Anwendung auch ein positives Testergebnis anzuvertrauen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom.

72 Prozent derjenigen, die die App installiert haben oder dies planen, würden ein positives Ergebnis in der App teilen. Im Januar 2021 waren es nur 62 Prozent. 33 Prozent hatten zum Jahresbeginn eingeräumt, andere App-Anwender im Falle einer eigenen Infektion trotz der durch die App gesicherten Anonymität nicht warnen zu wollen. Dieser Anteil sank nun auf nur noch 22 Prozent.

Eine Mehrheit derjenigen, die ein positives Ergebnis nicht teilen würden, sorgt sich, dass die eigenen Daten nicht anonym sind (79 Prozent). 35 Prozent aus dieser Gruppe wollen grundsätzlich keine Gesundheitsdaten teilen. Fünf Prozent sehen sich technisch außerstande dazu.

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Experten: App wird immer noch zu wenig genutzt

Bitkom-Präsident Achim Berg sagte, die App habe sehr wertvolle Dienste geleistet: "Sie funktioniert, sie ist kostenlos und sie schützt die persönlichen Daten optimal." Die Anwendung habe Menschenleben gerettet. Berg betonte, entscheidend sei, dass wirklich alle Nutzerinnen und Nutzer ihre Testergebnisse über die App teilen. "Wir schlagen daher bei einem positiven Testergebnis eine automatische Warnmeldung mit Widerspruchsmöglichkeit vor. Das würde die Hürden für jeden Einzelnen senken und die Wirksamkeit der App weiter steigern."

Damit sich die Wirksamkeit der App erhöht, müsste sich aber nach Einschätzung von Experten auch noch eine zweite Kennzahl signifikant verbessern, nämlich die Nutzung der App selbst. Bei der Bitkom-Umfrage sagten 36 Prozent der Menschen, sie hätten die App installiert. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung wären das über 29 Millionen. Weitere sechs Prozent planen demnach, dies künftig zu tun. Insgesamt 55 Prozent der Befragten nutzen die Corona-Warn-App nicht, wovon 22 Prozent kein Smartphone besitzen. Acht Prozent haben die Corona-Warn-App bereits wieder deinstalliert, 25 Prozent haben generell kein Interesse.

Mediziner wie der Epidemiologe Prof. Ulrichs finden es schon länger sehr schade, dass die Möglichkeiten einer App oder überhaupt der Digitalisierung in der Virusbekämpfung so wenig genutzt werden. Vielleicht ändert sich das jetzt mit dem digitalen Impfpass.(dpa/aze)

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