Polizei: "Wir wurden eingekesselt"

Das Schreckens-Protokoll der Dresden-Krawalle

17. Mai 2021 - 14:01 Uhr

Diese Bilder hätten auch in eine Film-Apokalypse gepasst!

Elf verletzte Beamte, eine wildgewordene Menge und Bilder, die an eine Film-Schlacht erinnern: Der Aufstieg von Dynamo Dresden in die 2. Bundesliga wurde von heftigen Krawallen überschattet, bei denen Einsatzkräfte massiv bedroht wurden – bis sich die Polizei nur noch mit Wasserwerfern zu helfen wusste. Wie kam es zu dieser wilden Eskalation? Wann braute sich die Welle der Gewalt zusammen? Fragen, die die Dresdner Polizei im RTL-Interview beantwortet. Oben im Video gibt es das Schreckens-Protokoll der Dresdner Krawalle.

Polizei: Alle Deeskalation brachte einfach nichts mehr

Am Rande des 4:0-Siegs von Dynamo gegen Türkgücü München versammelten sich hunderte Fans ums Stadion. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz – doch die Situation blieb nur bis zur 70. Spielminute unter Kontrolle. Dann eskalierte über Stunden die Gewalt.

Zwischen der 70. und 75. Spielminute sei die Stimmung gekippt, erklärt der Polizeisprecher Thomas Geitner im Gespräch mit RTL. "Innerhalb des Großen Gartens (Park in Dresden, d. Red.) ist ein großer Fan-Aufzug Richtung Trainingsgelände losgezogen."

Als die Einsatzkräfte ebenfalls in den Park einrückten, wurden diese dort laut Polizeisprecher gezielt und "gefühlt auch koordiniert" mit Pyrotechnik beschossen. Daraufhin rückten die Beamten in den Park vor, teilweise seien diese dann von Dynamo-Fans "zeitweise eingekesselt" worden. "Das war der Punkt, an dem wir unsere Kommunikationsstrategie ad acta legen mussten, weil Deeskalation nur funktioniert, wenn das alle wollen."

Stattdessen habe man "schweres Geschütz aufgefahren", was in diesem Fall bedeutet: Die hinzugezogenen Wasserwerfer kamen auch zum Einsatz. Ein harter Kern von ungefähr 500 bis 1000 Personen sei den Einsatzkräften entgegengestanden, so der Sprecher weiter. "Es ist sehr viel geflogen, sehr viele Flaschen, Pyrotechnik, Geäst und anderes." Er habe auch viele Fans mit Platzwunden am Kopf gesehen. Genaue Zahlen zu verletzen Anhängern lägen noch nicht vor. Die Polizei teilte mit, elf Beamte seien verletzt worden.

Am Montag teilten örtliche Feuerwehr mit, dass insgesamt 44 Menschen medizinisch versorgt und den Großteil von ihnen in umliegende Krankenhäuser gebracht werden mussten. Neben zahlreichen Einsatzkräften mehrerer Feuer- und Rettungswachen der Berufsfeuerwehr seien unter anderem auch das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst und eine Leitende Notärztin im Einsatz gewesen.

Auch Journalisten waren während der Krawalle das Ziel von Attacken. Das Kamerateam unseres RTL-Reporters vor Ort wurde von gewalttätigen Dynamo-Anhängern gezielt angegriffen, die zuvor "Lügenpresse" skandiert hatten.

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RTL-Reporter berichtet aus Dresden

Dynamo Dresden bedauerte die Ausschreitungen rund ums Stadion. "Dieser Moment des Aufstiegs gehört so vielen Menschen, die heute nicht im Stadion dabei sein durften", twitterte der Drittligist. "Hier gibt es sehr viel aufzuarbeiten, wenn der Polizeieinsatz vor dem Stadion abgeschlossen sein wird. Es ist sehr schade, dass dieser Tag so schwer beschädigt wurde." (msc/dpa)

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