Junge Frauen mit verdächtigen Abzeichen

Steigt hier gerade ein Nazi-Sommercamp?

25. Juli 2020 - 8:13 Uhr

"Dresden Nazifrei" sieht Indiz für Sommercamp

Eine scheinbar harmlose Szenerie ist am Mittwochmittag in Dresden zu sehen. Dort, wo sich montags die Reste von Pegida versammeln, stehen etwa 15 sehr junge Frauen und singen – im blauen Rock, einer roten Bluse und mit dem Abzeichen des völkisch-nationalen "Freibundes", eines deutschen Jugendverbandes, der zur "Neuen Rechten" gehört. Annalena Schmidt, Sprecherin des Bündnisses "Dresden Nazifrei", sieht darin ein Indiz für ein Nazi-Sommercamp, das irgendwo im Umland der sächsischen Landeshauptstadt stattfinde.

Uniformierte Mädchen auch in Rathen

Schon am Tag zuvor waren im 30 Kilometer entfernten Rathen uniformierte Mädchen gesichtet worden –eine andere, ähnlich große Gruppe. Diese Mädchen trugen einen langen schwarzen Rock und beigefarbene Blusen. Hier allerdings mit dem Wotansknoten auf dem Arm – einem klar dem rechtsextremen Spektrum zugeordneten Zeichen, das bisher keiner konkreten Organisation zugeordnet werden konnte.

Weitere Sichtungen habe es bisher aber nicht gegeben, erklärt Annalena Schmidt. Das Auftreten insbesondere der Freibund-Gruppe hat für sie eine neue Dimension. "Es gab im vergangenen Jahr bereits ein Camp im Umland, bis nach Dresden hat sich damals aber niemand getraut." Hier würden Minderjährige für fragwürdige politische Zwecke missbraucht.

Rechtsanwalt hält Ermittlungen für sinnvoll

Auch der Dresdner Polizei sind die Gruppen nicht entgangen. "Wahrscheinlich eher nicht strafbar", hieß Donnerstagmittag aus der Behörde auf RTL-Anfrage. Am Nachmittag verkündete die Polizei Sachsen allerdings, dass sich das Dezernat Staatsschutz um den Fall kümmern werde – Ergebnis offen. Der Dresdner Rechtsanwalt Rolf Franek hält Ermittlungen für sinnvoll, denn das öffentliche Tragen von solchen Uniformen könne unter Umständen eine Straftat sein. Er sehe einen Anfangsverdacht, erklärte der Fachanwalt auf RTL-Anfrage.