Herzinfarkt während der Entbindung

Mutter (35) erblindet bei der Geburt ihres vierten Kindes

Cristina und Miguel sind Eltern von vier Kindern
Cristina und Miguel sind Eltern von vier Kindern
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19. Mai 2021 - 17:56 Uhr

Dreimal steht Cristinas Herz still

Im August letzten Jahres bringt Cristina ihr viertes Kind, ein kleines Mädchen, zur Welt. Nur durch Glück überlebt die 35-Jährige die Geburt. Ihr Baby kann sie jedoch nicht sehen. Während der Entbindung hört Cristinas Herz mehrfach auf zu schlagen. Die Sehnerven der Vierfach-Mama sterben ab. Im Interview mit "20min.ch" erzählen die Eltern Cristina und Miguel von den schweren Stunden der Geburt und der Zeit danach.

Ursache: Fruchtwasserembolie

Ursache für die mehrfachen Herzstillstände ist eine Fruchtwasserembolie - eine Sonderform der Embolie, bei der während der Entbindung Fruchtwasser über die Gebärmutter in den Kreislauf der Mutter eindringt. Sie ist eine seltene, aber gefährliche und von Geburtshelfern gefürchtete Notfallsituation, da sie meist dramatisch verläuft und oft tödlich endet. Mütter und Kinder, die eine solche Embolie überleben, erleiden häufig Hirnschäden.

Cristinas Herz setzt während der Geburt dreimal aus. Dreimal muss die junge Frau reanimiert werden. Sie bekommt drei Liter Bluttransfusionen. Ihr Mann Miguel befürchtet das Schlimmste, als die Ärzte nach vier Stunden aus dem OP kommen. Cristina lebt, aber sie ist durch die Herzstillstände blind.

Wie eine Blume ohne Wasser

Die Ärzte erklären es den Eltern so: Es sei wie bei einer Blume. Wenn ihr niemand Wasser gibt, vertrocknet sie und stirbt. Genauso sei es mit ihren Sehnerven. Sie konnten durch die Herzstillstände nicht ausreichend mit Blut versorgt werden und sind abgestorben. So kommt es, dass Cristina ihr Neugeborenes nach der Geburt zwar fühlen und anfassen, es aber niemals sehen kann. An Miguels Gefühlen für seine Frau hat sich dadurch nichts dadurch geändert. Er liebt sie wie am ersten Tag, sagt er. Nur die Augen sind eben anders.

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Schwieriger Alltag mit vier Kindern

Der Alltag flößt der jungen Mutter noch Angst ein. Die vier Kinder fordern Cristina. Wenn sie sie morgens für die Schule fertigmacht, muss sie nachfragen, wo sie sind, was sie machen, wo ihre Kleider sind. Dass ihre kleine Tochter wächst, kann sie nur erfühlen. Noch verlässt sie ihr Zuhause nur selten, sie fühlt sich noch zu unsicher, um sich außerhalb ihres Hauses zu bewegen.

Doch sie ist niemals allein – eine Gruppe von Freiwilligen unterstützt Cristina und Miguel dabei, ihren Alltag zu bewältigen. Obwohl die Vierfach-Mutter manchmal verzweifelt ist und unsicher, ob sie alles schaffen wird, ist sie dennoch entschlossen, für sich und ihre Familie stark zu bleiben und zu kämpfen. (psc)