Simulation aus dem Sauerland

Drei Monate nach der Flut: So wollen sich Orte künftig vor Starkregen schützen

Wenn Starkregen kommt, sind Straßen und Wohngebiete besonders betroffen.
Wenn Starkregen kommt, sind Straßen und Wohngebiete besonders betroffen.
© imago images/Sabine Gudath, Sabine Gudath via www.imago-images.de, www.imago-images.de

27. Oktober 2021 - 17:55 Uhr

Schon jetzt überprüfen, wo Fluten künftig zuschlagen

von Lauren Ramoser

Im Juli überraschten unerwartet hohe Fluten weite Teile Deutschlands. Viele Ortschaften wurden zerstört, Menschen konnten ihr Hab und Gut nicht rechtzeitig vor den Wassermassen retten. Als Konsequenz wurden vielerorts neue Systeme eingerichtet, so auch in Olpe im Sauerland. Hier soll eine neue Karte Abhilfe schaffen. Was die Karte zum genau Starkregen zeigt und ob das auch ein System für andere Regionen ist, erklären wir hier.

Neue Karte zeigt Auswirkungen von Starkregen an

Die Wassermassen im Sommer kamen überraschend, und vor allem sehr schnell. Danach wurde Kritik laut, dass es keine funktionierenden Frühwarnsysteme gegeben hätte. Einige Gemeinden rüsten jetzt nach. So auch die Kreisstadt Olpe im südlichen Sauerland, die im Vergleich zu anderen Regionen von der Flut in diesem Sommer nur leicht betroffen war. Auf kommende Wassermassen will man sich nun aber besser vorbereiten.

Ein Frühwarnsystem für Starkregen, das schon seit 2018 in der Mache ist, soll animiert zeigen, wo bei Starkregen Gefahr droht. Die Karte zeigt nicht nur die verschiedenen Pegelstände farblich an, sondern auch die Fließrichtung des Wassers.

Wo staut sich Wasser? Wo fließt es mit rasanter Geschwindigkeit? Wo drohen Keller vollzulaufen? Die Karte klärt all das auf einen Blick.

"Die plötzlich auftretenden erhöhten Niederschlagsmengen insbesondere bei enger Bebauung und stark versiegelten Flächen" können nicht vom Kanalsystem aufgenommen werden, heißt es von Seiten der Stadt. Das Ergebnis sind rasant ansteigende Wasserpegel, die Keller überfluten und – wie im Sommer geschehen – ganze Häuser mitreißen können.

Solche Starkregen-Karten gibt es auch für andere Städte wie Wuppertal oder Münster schon.

Tipps: So nutzt man eine Starkregen-Karte

"Derartige Berechnungen für Extremwetterereignisse sind aus meiner Sicht absolut sinnvoll", schätzt RTL-Wetterexperte Björn Alexander ein. "Sie münzen die Vorhersagen der Wettercomputer direkt in ein mögliches Schadens- und Hochwasserszenario um. Damit können Flächen und Grundstücke bereits im Vorfeld als gefährdet eingestuft werden." Wichtig sei dann, dass Eigentümer und auch Mieter die Erkenntnisse nutzen, um ihr Zuhause anzupassen.

Auch die Stadt Olpe sieht jetzt Eigentümer in der Verantwortung, die eigene Immobilie mithilfe der Karte auf Risikostellen zu überprüfen. "Dass man Lichtschächte entsprechend hoch betoniert, damit das Wasser nicht reinkommt. Und dass man auch im Haus mal schaut, wo man empfindliche Geräte wie Heizung oder Server hat. Da sollte man sich überlegen, dass man das nicht in den vermeintlich stark betroffenen Keller packt", erklärt Thomas Stupperich, Leiter des Tiefbauamts der Stadt Olpe auf Nachfrage von RTL.

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Behördliche Aufarbeitung der Jahrhundertflut

Kritik am Frühwarnsystem gab es schon kurz nach der Jahrhundertflut Mitte Juli. Anfang Oktober hat jetzt in Nordrhein-Westfalen ein Untersuchungsausschuss seine Arbeit aufgenommen. Ziel ist es, mögliche Versäumnisse, Unterlassungen oder Fehleinschätzungen der NRW-Landesregierung und nachgeordneter Behörden zu untersuchen, berichtete die Deutsche Presse-Agentur.

Auch die britische Hydrologie-Professorin Hannah Cloke, die am Aufbau des EU-Frühwarnsystems EFAS beteiligt war, soll auf Antrag der Opposition als Sachverständige geladen werden. Sie hatte den deutschen Behörden "monumentales" Systemversagen in der Flutkatastrophe vorgeworfen. Der Wetterexperte Jörg Kachelmann hatte am 13. Juli mittags in einem Tweet gewarnt, es werde "womöglich Zeit, Menschen allmählich behördlicherseits und medial auf ein Hochwasser-Szenario vorzubereiten". In der darauffolgenden Nacht kam es dann zu den Überschwemmungen.