Spinnen melken

Doktorandin aus Aachen forscht an Knochenersatz

29. Juli 2021 - 18:08 Uhr

Anna Bartz aus Aachen ist Doktorandin und forscht im Tierpark Bochum mit Spinnen.

Genauer: Mit der Spinnenseide, also dem Spinnenfaden. Damit will die Forscherin Knochenersatz herstellen. Für die Forschung legt sie die Spinnen auf den Rücken auf einen Schaumstoffwürfel. Die Spinnen fixiert sie mit einem Tuch. Die Tiere haben dabei keine Schmerzen. Eine selbstgebaute Maschine zieht der Spinne etwa zwei Stunden lang den Faden aus der Spinndrüse. Der Vorgang nennt sich "melken". Bis zu 500 Meter Faden kommen pro Spinne zusammen.

Für ihr Forschungsprojekt nutzt Anna Bartz tropische Seidenspinnen. Ihre Fäden sind besonders reißfest - sogar Vögel und Fledermäuse bleiben in ihnen hängen. Hier spinnen aber nur die Weibchen. Die kleineren Männchen sind für die Fortpflanzung zuständig. Während des Melkens beobachtet die Doktorandin den Vorgang. Damit stellt sie sicher, dass es der Spinne gut geht und sie nicht abhaut. Gleichzeitig schaut sie, dass sich der Faden gleichmäßig an einer Spule aufwickelt.

Die Spinnenseide wird in einem Labor der Uniklinik Aachen bearbeitet. Dort züchtet Anna Bartz aus menschlichen Stammzellen Knochenzellen, die dann in den menschlichen Körper eingesetzt werden sollen. Die Spinnenseide wird der Körper mit der Zeit abbauen und schrittweise durch körpereigenes Material ersetzen. Bis die Forscherin eine klinische Zulassung bekommt, kann es noch bis zu fünf Jahre dauern.

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