Allein in NRW: 150.000 Kinder können nicht Schwimmen

DLRG schlägt Alarm: Tausende Kinder lernen nicht Schwimmen!

Schwimmunterricht ist auch corona-bedingt häufig ausgefallen.
Schwimmunterricht ist auch corona-bedingt häufig ausgefallen.
© deutsche presse agentur

15. September 2021 - 21:03 Uhr

Wartelisten für Schwimmkurse sind lang

Nicht genug Kurse, zu wenig Schwimmbäder und kaum ehrenamtliche Ausbilder – auf den Wartelisten für Schwimmkurse für Kinder steht man mittlerweile mehrere Jahre! Auch in der Schule sieht es mit dem Schwimmunterricht nicht viel besser aus. Jetzt schlägt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. – kurz: DLRG – Alarm: Wenn es so weiter geht, lernen allein in NRW etwa 110.000 Kinder pro Jahr nicht Schwimmen. Und das kann fatale Folgen haben!

Wie viele Kinder lernen pro Jahr nicht Schwimmen?

"Wenn wir jetzt über Schwimmfähigkeit reden, dann ist es recht dramatisch. […] Wir haben circa 42.000 Kinder, die wegen Corona nicht schwimmen gelernt haben," erklärt Dirk Zamiara vom DLRG Nordrhein die Lage in Nordrhein-Westfalen. Sowieso seien es jedes Jahr schon ungefähr 110.000 Kinder, die nach der vierten Klasse nicht gut Schwimmen könnten. Durch Corona habe sich die Zahl nochmal deutlich erhöht: Rund 150.000 Kinder dürften nach Schätzungen in diesem Jahr allein in NRW nicht richtig Schwimmen lernen.

Um diese hohe Zahl an Nichtschwimmern in Zukunft auszugleichen, bräuchte es schon eine fast utopische Zahl an zusätzlichen Schwimmkursen: Circa 7.000 – wenn man den Kindern eine gute Schwimmausbildung bieten will, so die Schätzungen des DLRG.

Was sind die größten Probleme?

Laut Zamiara gebe es vor allem zwei Probleme: Es gibt deutlich weniger Schwimmbäder als noch vor 20 Jahren. Allein in NRW sind es fast 600 weniger.

Zum anderen fehlen ehrenamtliche Ausbilder: "Da muss man erstmal Leute finden, die sagen: Okay, ich engagiere mich ehrenamtlich, durchlaufe die Ausbildung und stelle mich dann an den Beckenrand einmal die Woche, um Schwimmen zu unterrichten."

All das führt dazu, dass man im Schnitt lange auf einen Schwimmkursplatz warten muss: Ein bis zwei Jahre im Durchschnitt, durch Corona sogar drei Jahre, schätzt Zamiara.

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Wegfall von Schwimmunterricht kann fatale Folgen haben

Schwimmen gehört immer noch zu den beliebtesten Sportarten und ist in vielen Situationen wichtig: "Der Urlaub am Meer, der Besuch am Badesee, Surfen, Segeln, Wasserski fahren. Also alle Freizeitaktivitäten, die irgendwie im und am Wasser stattfinden. Dafür sollte man Schwimmen können."

Im schlimmsten Fall kann die Tatsache, dass ein Großteil der Menschen nicht richtig Schwimmen kann fatale Folgen haben: "Das wird im Extremfall dazu führen, dass die Ertrinkungszahlen steigen könnten."

"Im Endeffekt muss die Politik eine Entscheidung treffen. Will ich dagegen etwas tun, dass Kinder nicht schwimmen können?" Der Bau neuer, die Sanierung alter Schwimmbäder oder die Priorisierung von Schwimmunterricht in Schulen: In jedem Fall sind große Anstrengungen von Verbänden, Schwimmbädern und der Politik nötig, um diesen Abwärtstrend noch umzukehren. (khe)