Aber Naschen ist nicht erlaubt!

Diese Hobbygärtner retten unser Gemüse

Im Vermehrungsgarten in Hannover kümmern sich die Ehrenamtlichen um Gemüse und Kräuter, um die alten Arten zu erhalten.
Im Vermehrungsgarten in Hannover kümmern sich die Ehrenamtlichen um Gemüse und Kräuter, um die alten Arten zu erhalten.
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20. Juli 2021 - 12:27 Uhr

Hier kommen Pflanzen auf die Welt

Wer im Sommer im Vermehrungsgarten in Hannover-Ricklingen steht, sieht es überall blühen und wuchern und hört das Summen der Bienen und Hummeln. Genau so muss es sein, wenn Pflanzen fleißig wachsen und neue Samen ausbilden sollen. Der Vermehrungsgarten ist nämlich wie eine Geburtsstation für Pflanzensamen, und zwar für ganz besondere.

Gegen den Verlust alter Sorten

In dem Garten sind Gemüsepflanzen zu entdecken, die ist schon lange nicht mehr im jedem Gemüsegarten gibt.
In dem Garten sind Gemüsepflanzen zu entdecken, die ist schon lange nicht mehr im jedem Gemüsegarten gibt.
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Kornelia Stock und die übrigen ehrenamtlichen Helfer im Vermehrungsgarten wollen möglichst viele samenfeste Obst- und Gemüsesorten erhalten. Samenfest bedeutet, dass die Nachkommen einer Pflanze die gleichen Eigenschaften haben, wie ihr Ursprung. Hybridsorten, die immer häufiger in den Pflanzenabteilungen von Gartencentern oder Baumärkten zu finden sind, sind mit einer anderen Sorte gekreuzt. Der Vorteil ist, dass sie dadurch oft ergiebiger und robuster sind. Dadurch verschwinden allerdings die samenfesten Sorten. "Und das ist ja eigentlich unser kulturelles Erbe, was ganz viele Generationen von Landwirt:innen, von Bäuer:innen, von Gärtner:innen über Jahre eben entwickelt haben", sagt Kornelia Stock und kümmert sich deshalb liebevoll um den Garten.

Samen zum selber ziehen

Der Verein behält seine Samen und Pflanzen aber nicht nur für sich. Hobbygärtner können auf Saatgut- oder Pflanzenbörsen Samen und kleine Pflanzen aus dem Vermehrungsgarten bekommen und sich selbst an den Sorten probieren. So helfen sie beim Erhalt, lernen etwas über alte Sorten und können im Gegenzug ihre Erfahrungen mit dem Verein teilen. Während die Hobbygärtner zuhause natürlich mit der Ernte machen können, was sie wollen - also auch was Leckeres daraus zaubern - geht es im Vermehrungsgarten weniger ums Essen, als ums Samen züchten. Naschkatzen müssen hier also einen Bogen drum machen.

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Ausgezeichnet von den Vereinten Nationen

Auch Bienen und Hummeln finden hier immer eine geeignete Blume, die sie ansteuern können.
Auch Bienen und Hummeln finden hier immer eine geeignete Blume, die sie ansteuern können.
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Eine ganz besondere Auszeichnung bekam der Verein im Jahr 2020. Der Vermehrungsgarten wurde nämlich von den Vereinten Nationen als Projekt zur UN-Dekade für die Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Entscheidend war dabei auch das Bekenntnis zum Artenschutz: "Wir würden nie alles auf einmal abmähen. Weil wir dann einfach bestimmte Tiere verlieren würden, die dann überhaupt keine Nahrung mehr hätten", erklärt Kornelia Stock. Um die Wild- und Honigbienen kümmern sich die Ehrenamtler dabei natürlich auch.

Freiwillige können einfach vorbeikommen

Fleißige Bienchen werden hier immer gesucht, ob menschlich oder tierisch. So ist auch Frank Heinrich in den Garten gekommen: "Ich bin im Ruhestand und habe eine sinnvolle Aufgabe gesucht". Und für sinnvoll hält der Ruheständler seine Arbeit mit den alten Gemüsesorten allemal, denn "wir erhalten die für die Nachwelt", so der Helfer.

Wer selbst im Garten der Vielfalt mithelfen möchte, kann das Team zweimal pro Woche vor Ort kennenlernen. Und keine Sorge: Ein grüner Daumen wird bei den Helfern nicht vorausgesetzt. (mba)