Die zwei Gesichter des Anthony Joshua: Zwischen Knast und Krone

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26. April 2017 - 9:56 Uhr

Schwergewichts-Weltmeister Anthony Joshua gilt wie sein Gegner Wladimir Klitschko als Saubermann. Doch in seiner Vergangenheit ging einiges schief.

Der Weltmeister, der noch im Hotel Mama wohnt

Er wohnt noch zu Hause bei Mama und lässt sich gerne mit seinen kleinen Nichten und Neffen fotografieren: Box-Champion Anthony Joshua pflegt in der Öffentlichkeit das Image des freundlichen Familienmenschen. Doch so ganz wird man aus dem Gegner von Wladimir Klitschko (Samstag/22.00 Uhr/RTL) nicht schlau. In der Vergangenheit geriet der 1,98 m große Koloss mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt.

Schon als Teenager wurde der Hip-Hop-Fan aus der englischen Kleinstadt Watford festgenommen - unter anderem wegen Körperverletzung. 2009 bekam er eine elektronische Fußfessel angelegt, durfte nachts das Haus nicht verlassen. Als die Polizei zwei Jahre später Cannabis bei ihm fand, stand die Karriere auf der Kippe. Joshua hatte Glück, entging nur knapp einer Gefängnisstrafe, musste stattdessen 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verrichten.

Boxen rettete Joshuas Leben

"Ohne Boxen würde ich wahrscheinlich im Knast sitzen. Der Sport hat mein Leben gerettet", sagte der Sohn nigerianischer Einwanderer der Zeitung 'The Sun'. 2008 entdeckte der Sportfan das Box-Gym und fand dort ein Ventil für seinen Frust und seine unbändige Kraft. Der Durchbruch gelang 'AJ' bei Olympia 2012 im eigenen Land, als er im Superschwergewicht (über 91 kg) die Goldmedaille gewann. 

Englands Top-Promoter Eddie Hearn erkannte sofort das große Talent und nahm den Ausnahmekönner 2013 unter Vertrag. Seitdem geht es mit Anthony Oluwafemi Olaseni Joshua steil nach oben. Am 9. April vergangenen Jahres sicherte sich der gelernte Maurer gegen Charles Martin die Box-Krone der IBF. In der 2. Runde schickte der Jung-Profi den Amerikaner auf die Bretter, bislang hat er alle 18 Kämpfe vorzeitig gewonnen.

"Muss ein höheres Level erreichen"

Die Stärke des britischen Senkrechtstarters ist, dass er keine Schwächen hat. Er schlägt hart und schnell, hat eine gute Beinarbeit und ein großes Kämpferherz. Schwierige Voraussetzungen für den 14 Jahre älteren Herausforderer Klitschko. Allerdings könnte dem Youngster die fehlende Erfahrung vor der außergewöhnlichen Kulisse zum Verhängnis werden. Noch nie kämpfte 'AJ' vor so einem riesigen Publikum. Klitschko indes hat mehrere Stadion-Kämpfe hinter sich, trat 2009 bei seinem Sieg durch Aufgabe über Ruslan Chagajew vor über 60.000 Fans auf Schalke auf. 

Die gesunde Selbsteinschätzung und eine gewisse Unerschrockenheit gehören zu den weiteren Stärken des Anthony Joshua, der den Boxboom auf der Insel weiter fördern soll. Nach seinem letzten Sieg gegen den den Amerikaner Eric Molina, den er im vergangenen Dezember in der dritten Runde durch TKO bezwang, meinte der Weltmeister: "Wenn ich Wladimir schlagen will, muss ich ein höheres Level erreichen." 

Wahrscheinlich hat Joshua Recht, und wahrscheinlich hat er schon ein höheres Level erreicht. Denn als trainingsfleißig gilt der einstige Problem-Teenager mittlerweile auch noch. Bis zu 13 Stunden soll der Vater des zweijährigen Joseph an bestimmten Tagen trainieren. Mehr dürfte selbst Super-Athlet Klitschko nicht schaffen.