Lehrerinnen und Erzieherinnen wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

"Die tun hier alle so, als hätten wir unseren Schuh verloren nicht unser Kind"

7-Jährige stirbt 2016 während einer Klassenfahrt
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05. Februar 2020 - 17:53 Uhr

Familie trauert um Tochter

Während sich die Angeklagten auf dem Flur des Gerichts ausgelassen unterhalten und lachen, steht die Familie von Elif-Fatma auf der anderen Seite des Ganges und weint. Sie weinen um ihre Tochter und Schwester, die 2016 auf der Klassenfahrt im Werbellinsee (Barnim) im Alter von nur sieben Jahren ertrunken ist.

Wer ist Schuld am Tod der 7-Jährigen?

Elif-Fatmas Halbschwester vor dem Amtsgericht
Elif-Fatmas Halbschwester Aylin ist enttäuscht von den Lehrerinnen und Erzieherinnen
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Am 6. Juni 2016 macht die 7-jährige Elif-Fatma aus Berlin-Neukölln gemeinsam mit ihren 70 Mitschülern und Mitschülerinnen während ihrer Klassenfahrt einen Ausflug zum Werbellinsee. Zwei Erzieherinnen und zwei Lehrerinnen der Peter Petersen Schule begleiten die Kinder. Trotzdem ertrinkt Elif-Fatma im See. Wie genau es zu dem tragischen Tod gekommen ist und wer die Verantwortung für die Kinder hatte, soll nun vor Gericht geklärt werden.

Ungewissheit zerfrisst Familie

Werbellinsee
Blick auf den Werbellinsee nahe Joachimsthal. Foto: Patrick Pleul/Archiv
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Elif-Fatmas Eltern und auch ihre Halbschwester Aylin sind am zweiten Prozesstag ebenfalls vor Ort – auch wenn ihnen der Gang zum Gericht sichtlich schwerfällt. Sie weinen sehr viel und sind enttäuscht. Enttäuscht von den Lehrerinnen und Erzieherinnen, die von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht haben und deshalb nicht über den Vorfall sprechen werden. "Nur sie wissen, was passiert ist. Wenn sie nicht aussagen, erfahren wir nie, was sich genau abgespielt hat", erzählt Halbschwester Aylin RTL-Reporterin Franca Pörsch im Gespräch. Anstelle der Angeklagten sagt am zweiten Prozesstag nur die Schulleiterin Hildgard G. als Zeugin aus. Ihre Aussage soll helfen, einen Verantworlichen zu finden. Doch die Schulleiterin weist darauf hin, dass alle vier Frauen aufsichtspflichtig waren.

"Der Prozess ist schwer für uns"

Genau wie viele andere Kinder hatte auch die 7-jährige Elif-Fatma eine Badeerlaubnis von ihren Eltern erhalten. Die Schulleiterin betont jedoch, dass Kinder mit Baderlaubnis trotzdem als Nichtschwimmer betrachtet werden. Was genau an jenem Junitag genau passiert ist, wurde vor Gericht am zweiten Prozesstag nicht besprochen. Elif-Fatmas Eltern bekommen weiterhin keine Antworten auf ihre Fragen. Sie wollen, dass jemand Verantwortung übernimmt. Elif-Fatmas Vater sagt bedrückt: "Der Prozess ist echt schwer für uns. Die tun hier alle so, als hätten wir unseren Schuh verloren und nicht unser Kind. Für meine Frau wäre eine Entschuldigung eine große Erleichterung gewesen."

Der Prozess wird am 19. Februar fortgesetzt. Auch die Familie der 7-jährigen Elif-Fatma ist wieder dabei und hofft, endlich zu erfahren, wie ihre Tochter sterben konnte.