2019 M03 15 - 20:32 Uhr

Polizei fand Notizbuch mit Opfernamen bei Bernhard Graumann

Er plante seine Taten wohl bis ins Detail: Der Landschaftsgärtner Bernhard Graumann aus Mehlingen in Rheinland-Pfalz platzierte Sprengfallen bei verhassten Bekannten. Ein Mensch ist tot, drei weitere wurden verletzt, darunter zwei Kinder. Die Polizei hat jetzt neue Erkenntnisse zum Fall verraten: Der Gärtner führte ein Notizbuch, in dem die Namen potentieller Opfer aufgeführt waren. Details zu seiner "Feindesliste" gibt's im Video.

Graumann beging Suizid, bevor seine Taten mit ihm in Verbindung gebracht wurden

15.03.2019, Rheinland-Pfalz, Kaiserslautern: Das Foto einer Sprengvorrichtung hängt an einer Wand bei einer Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums Westpfalz zu Sprengfallen, die ein Landschaftsgärtner gelegt haben soll.
Von Bernhard Graumann genutzte Sprengvorrichtungen.
© dpa, Uwe Anspach, ua nic

Die tödliche Rache von Bernhard Graumann ist eine späte - sie kommt gewissermaßen aus dem Jenseits. Denn der Landschaftsgärtner beging Suizid, wie die Polizei jetzt bekanntgab. Kurz bevor seine Taten mit ihm in Verbindung gebracht werden konnten, spritzte sich der diabeteskranke Mann eine Überdosis Insulin.

Bernhard Graumann plante seine Taten genau, ging skrupellos und hochprofessionell vor. Die Ermittler fanden im Wohnhaus des Gärtners in Mehlingen Waffenteile, Munition, Kupferhülsen, 60 Stahlkugeln und zwei Kilogramm Schwarzpulver. Sie sind sich sicher, mit Graumann den richtigen Mann gefunden zu haben: "Andere Personen kommen als Besitzer nicht in Betracht", so Christian Schröder, Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern.

Motiv für die Taten: Persönliche Streitigkeiten und unbezahlte Rechnungen

Der von Bernd Graumann getötete Arzt Dr. Jörn K.
Mit dem getöten Arzt Dr. Jörn K. (Foto) soll Graumann persönliche Streitigkeiten gehabt haben.
© privat

Graumann tötete den Arzt Dr. Jörn K. mit einer Sprengfalle. Er platzierte eine Handgranate in einem hölzernen Behältnis an einer Treppe auf dem Grundstück des Arztes in Enkenbach-Alsenborn. Vor seinem Suizid hatte Graumann Bekannten sogar angekündigt, den Arzt "plattzumachen" und "mitnehmen" zu wollen, wenn er selbst "fortgehen werde". Und das alles vermutlich wegen eines persönlichen Streits, der über zehn Jahre zurücklag. Zu den genaueren Gründen für diesen Streit wollte sich die Polizei nicht äußern.

Das zweite Opfer, eine Mutter mit drei Töchtern, lag wegen einer Rechnung für Gartenbauarbeiten im Streit mit Graumann. Hier präparierte er einen Holzscheit, der im Kamin des Opfers in Otterberg explodierte und die Frau und zwei ihrer Töchter verletzte. Dass nichts Schlimmeres passierte, ist wohl nur Glückssache. Höhe der strittigen Rechnung: 10.000 Euro.

Ein weiterer Sprengsatz wurde bei einer Frau gefunden, mit der es ebenfalls Streit um eine Rechnung (weniger als 3.000 Euro) gab. Die Polizei fand die Sprengvorrichtung in ihrem Carport in Fischbach und konnte diese kontrolliert sprengen, bevor Schlimmeres passierte. Beide Frauen standen in einem Notizbuch, das im Haus von Graumann gefunden wurde. Ihre Namen: rot markiert.

Polizei kann nicht ausschließen, dass es noch mehr Sprengfallen gibt

15.03.2019, Rheinland-Pfalz, Kaiserslautern: Udo Gehring, Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern, sitzt bei einer Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums Westpfalz zu Sprengfallen.
Udo Gehring, Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern: „Wir konnten und können nicht sicher sein, alle Taten entdeckt zu haben."
© dpa, Uwe Anspach, ua nic

Graumann fiel in der Vergangenheit bereits durch Gewaltbereitschaft und ein gefährliches Interesse für Sprengstoff auf. 2011 wurde er zu eine Geldstrafe verurteilt, weil er illegale Böllerschüsse abgegeben hatte. Außerdem war er bereits wegen schwerer Körperverletzung vorbestraft – er hatte dem neuen Freund seiner Ex-Freundin 1989 mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen.

Insgesamt konnte die Polizei über 100 Menschen ermitteln, die eine "konfliktträchtige Beziehung" mit Graumann hatten. Die Menschen sind über ganz Deutschland verteilt, wohnen teilweise in Hessen oder sogar Schleswig-Holstein. Die Polizei konnte alle persönlich aufsuchen und Grundstücke und Häuser der Betroffenen durchsuchen.

Trotz Suche mit Sprengstoffspürhunden und Röntgengerät wurde bislang nichts gefunden – allerdings sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Auch weiterhin warnt die Polizei alle Menschen, die mit Graumann in Kontakt standen. Der Leiter der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern, Dr. Udo Gehring, betonte: "Wir konnten und können nicht sicher sein, alle Taten entdeckt zu haben."