Berufsverbände schlagen Alarm

Deutschland sterben die Apotheken weg

In Deutschland schließen immer mehr Apotheken, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mitteilt.
© dpa, Martin Gerten, mge cul

18. November 2020 - 16:27 Uhr

Immer mehr Apotheken müssen schließen

Überraschend ist es nicht und doch ist diese Entwicklung bedenklich: Immer mehr Apotheken in Deutschland machen dicht. Vor allem die Konkurrenz von Online-Versandapotheken macht dem stationären Arzneimittelhandel schwer zu schaffen. Nun drängt ein ganz großer Player in den Apotheken-Markt, der das Filialsterben nochmal beschleunige könnte.

So wenig Apotheken wie seit 30 Jahren nicht mehr

Stand jetzt haben in Deutschland seit Jahresbeginn 200 Apotheken schließen müssen. Das teilte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) nun mit. Demnach gab es Ende des dritten Quartals nur noch 18.854 stationäre Apotheken in Deutschland. Zur selben Zeit des Vorjahres lag die Zahl noch bei 19.057. Innerhalb eines Jahres schlossen also 221 Apotheken. So wenige hat es in Deutschland seit dreißig Jahren nicht mehr gegeben, stellt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zu groß ist die Konkurrenz der großen Versandapotheken.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Innenstädte seit der Corona-Pandemie leerer sind und Menschen nicht mehr so häufig den stationären Handel aufsuchen. Für viele Apotheker scheint das aber erst wohl der Anfang zu sein: Einer Umfrage der Bundesvereinigung zufolge, erwarten drei Viertel der befragten Apotheker eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den nächsten zwei bis drei Jahren.

Politik will Apotheker-Branche helfen

Die Stimmung in den Apotheken bleibt in diesen wechselvollen Corona-Zeiten von großer Skepsis geprägt", erklärte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Die Bundesregierung hat schon vor einiger Zeit erkannt, wie sehr die Apotheken leiden und beschloss erst im Oktober das "Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetzes". Das Gesetz mit sperrigem Namen sollte stationäre Apotheken vor allem vor den großen Versandapotheken schützen. Außerdem sieht es unter anderem vor, dass Versandapotheken gesetzlich Versicherten in Zukunft keine Rabatte mehr auf rezeptpflichtige Arzneimittel einräumen dürfen. "Wenn das Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetz seine positive Wirkung entfaltet, pharmazeutische Dienstleistungen etabliert sind und das E-Rezept in geordneten Bahnen eingeführt ist" werde man sehen, ob das verabschiedete Gesetz die Vor-Ort-Apotheken wirklich stütze, heißt es vom ABDA.

Erdrückende Konkurrenz von Amazon?

Doch als ob die ohnehin schon schlechte Lage der deutschen Apotheken der Branche nicht schon genug zusetze, wurde Mitte November bekannt: Auch Amazon will nun in den Verkauf von Arzneimitteln einsteigen und Medikamente über das Internet anbieten. "Amazon Pharmacy" wird derzeit in den USA getestet. Ob die Versandapotheke des Online-Giganten auch in Deutschland kommt, ist derzeit noch nicht bekannt. Aber "Amazon Pharmacy" würde sicher auch im deutschen Medikamentenhandel einen Preiskampf entfachen, den die Vor-Ort-Apotheken wohl verlieren würden.