Der nächste Deutsche im All

Countdown für Raumfahrtmission „Cosmic Kiss“ läuft

Außenbordeinsätze an der Raumstation (hier eines russischen Kosmonauten während der „Horizons-Mission) gehören zu den riskantesten Operationen im All.
Außenbordeinsätze an der Raumstation (hier eines russischen Kosmonauten während der „Horizons-Mission) gehören zu den riskantesten Operationen im All.
© © ESA/NASA (Alexander Gerst und ISS-Crew)

29. Oktober 2021 - 18:07 Uhr

Maurer nach Gerst im All

Am 31.Oktober startet der deutsche Astronaut Matthias Maurer als vierter Deutscher zur Weltraumstation ISS – drei Jahre nach Ende der Mission Horizons. Im Gepäck: Über 100 Experimente und die Erfahrungen seines Vorgängers Alexander Gerst.

Nach jahrelangem Training und Sprachkurs ist Matthias Maurer auf der Zielgeraden ins All. Am Sonntag startet der deutsche Astronaut zusammen mit seinen Nasa-Kollegen Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron in einer "Crew Dragon"-Kapsel der Firma SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk.

Mehr als 100 Experimente geplant

Doppelte Premiere für Maurer: Es ist sein erster ISS-Einsatz und als erster Deutscher fliegt er mit dem Raumschiff einer Privatfirma dort hin. Sechs Monate lang wird er über 100 Experimente durchführen, von Werkstoffwissenschaften, also Materialtests, über Medizin- und Biologietest bis zu Verbrennungstests von Treibstoff für Satelliten. Sie sollen nicht nur die Raumfahrt in die Zukunft führen, sondern auch das Leben auf der Erde verbessern:

"Im Weltall müssen wir unsere Ressourcen ganz aktiv nutzen, das heißt das Wasser, das ich trinke und dann wieder als Urin abgebe, wird wieder recycelt", sagt Maurer. "Diese Technologien setzten wir auch aktiv auf dem Boden ein, um in Entwicklungsländern aus dem Schmutzwasser, was dort vorhanden ist, wirklich sauberes Trinkwasser zu machen, sodass alle Menschen auf dieser Erde Zugang zu Trinkwasser haben."

Auch an Trainingsanzügen, die Patienten mit Muskelschwund helfen könnten, oder an bakterienresistenten Oberflächen wird auf der Cosmic Kiss-Mission geforscht.

All-Blick für Alle

ARCHIV - 06.06.2018, Kasachstan, Baikonur: Der deutsche Astronaut Alexander Gerst winkt vor dem Abflug zur Raumstation ISS. (Zu dpa "Deutscher Astronaut Gerst fliegt zurück zur Erde") Foto: Dmitri Lovetsky/AP POOL/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Alexander Gerst nach seinem Einsatz im All.
© dpa, Dmitri Lovetsky, DL fdo js wst

So fern und doch so nah an irdischen Fragen kann es also auf der ISS zugehen. Erlebnisse, die auch Astronaut Alexander Gerst für mehr als ein Jahr auf seiner Horizons-Mission gesammelt hat und jetzt mit der Erde teilt.

Im Buch "Horizonte" eröffnet er und Co-Autor Lars Abromeit, GEO-Expeditionsreporter, dem Rest der Welt Einblicke in Forschungsreisen im Weltall und auf der Erde. In Gesprächen finden sie Parallelen ihrer eigenen Erlebnisse und auch Ähnlichkeiten zu anderen großen Expeditionen in der Menschheitsgeschichte, wie die von Alexander von Humboldt. Ein großer Unterschied zu historischen Forschungsreisen lässt sich aber sofort finden: Hochaufgelöste Bilder vom Weltall und entlegenen Winkeln der Erde konnte Humboldt noch nicht liefern.

Matthias Maurer hat für seine Weltraum-Mission sicherlich schon die Kamera eingepackt, damit auch er sein Kapitel vom Leben im All für die Zeit danach festhalten kann. (tstr)