Das Corona-Warn-App-Desaster

Nur jede zehnte Infektion wird an die App gemeldet

Das neue Update der Corona-Warn-App zeigt jetzt das ganze Elend.
Das neue Update der Corona-Warn-App zeigt jetzt das ganze Elend.
© picture alliance, Fleig

03. Februar 2021 - 10:39 Uhr

Neues Update für Corona-App zeigt, warum diese App nicht funktionieren kann

Das neue Update für die Corona-Warn-App zeigt jedem Nutzer die ungeschminkte Wahrheit: Warum die App nicht wirklich funktioniert. Denn nur jede zehnte Infektion wird tatsächlich der App gemeldet. Knapp über 230.000 "Warnende Personen" zeigt die App an – von fast 2,3 Millionen Corona-Infizierten, die bislang den Gesundheitsämtern gemeldet wurden. Eigentlich unfassbar: 90 Prozent der Corona-Infizierten sind gar nicht in der App registriert. 23 Millionen Menschen nutzen eine Warn-App, die vor Corona nicht warnen kann.

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230.000 Corona-Infizierte in App registriert

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes steht in einer neuen Version zum Herunterladen bereit. Die Anwendung enthält nun einen Info-Bereich mit den wichtigsten Kennzahlen zum aktuellen Infektionsgeschehen in Deutschland. Die Nutzerinnen und Nutzer könnten in der App jetzt auch auf die aktuellen Zahlen zu den Neuinfektionen, der Sieben-Tage-Inzidenz und den Sieben-Tage-R-Wert zugreifen. Außerdem haben die Entwickler die Nutzerfreundlichkeit verbessert und auch einige kleinere Fehler beseitigt. Soweit klingt alles gut.

Doch die Zahlen belegen auch, warum die Corona-Warn-App nicht funktioniert: Nach den in der App veröffentlichten Zahlen haben bislang knapp über 230.000 Personen, die selbst positiv auf das Coronavirus getestet wurden, ihre Mitmenschen mithilfe der App vor möglichen gefährlichen Begegnungen gewarnt. Das Problem: Gleichzeitig zeigt die App an, dass bislang fast 2,3 Millionen Menschen mit Corona infiziert wurden. 90 Prozent der Infizierten wurden von der App also gar nicht erfasst.

"Das ist viel zu umständlich und könnte einfacher gehen"

Experten schätzen, dass die App von rund 23 Millionen Menschen aktiv genutzt wird. Fragt sich nur, warum dann nur 10 Prozent der an Corona Infizierten von der App erfasst werden. RTL-Digitalexpertin Frauke Holzmeier wundert das nicht: "Die Corona-Warn-App hat einfach ein riesiges Image-Problem. Wenn nur so wenige Menschen ihre Erkrankung in der App melden, läuft etwas gewaltig schief."

Dabei ist nicht einmal die Corona-Warn-App selber das größte Problem, sondern "die digitale Infrastruktur rund um die App. Gesundheitsämter, die noch mit Fax und Bleistift arbeiten und keine einheitliche Software nutzen. Und dazu Warteschleifen in Hotlines, damit man sein Ergebnis auch in der App eingeben kann. Das ist viel zu umständlich und könnte einfacher gehen", so Frauke Holzmeier.

Trotz neuer Funktionen funktioniert die Corona-App noch sehr unbefriedigend. Es wird Zeit, dass das "Warn" in dem offiziellen Namen an Bedeutung gewinnt,