Der Dackelblick zieht doch immer

Haben Hunde ein schlechtes Gewissen?

Ein Hund der Rasse Cavalier King Charles Spaniel, schaut interessiert in die Kamera. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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18. Juni 2020 - 13:05 Uhr

Hundehalter meinen, Wauzi weiß, was er angestellt hat

Die kaputte Vase, das zerpflückte Sofa-Kissen oder die angeknabberten Turnschuhe. Wer Hunde hat weiß, dass es im Haus auch mal turbulent zugehen kann. Nicht immer bleiben dabei alle Gegenstände und Sachen des Besitzers verschont. Und auch Bello weiß, dass er da manchmal vielleicht ein bisschen übertrieben hat – so die Meinung vieler Hundebesitzer. Denn mal ehrlich: Ist es wirklich Zufall, dass Fiffi den berühmt berüchtigten "Ich war`s nicht-Dackelblick" aufsetzt, nachdem er das halbe Wohnzimmer in einen Saustall verwandelt hat? 

Hunde können sich nur drei Sekunden etwas merken

Vorab müssen wir leider sagen: Die Illusion, dass Wauzi tatsächlich ein schlechtes Gewissen haben könnte und deswegen den Dackelblick aufsetzt, lässt sich so leider nicht halten. Denn Hunde können sich, im Gegensatz zu uns Menschen, nur drei Sekunden etwas merken. Hat er also was ausgefressen und wird deswegen ausgeschimpft, dann weiß der Hund leider nicht mehr, was die Ursache ist. Wenn Fiffi also mal wieder ihr Sofakissen wie ein Huhn zerrupft hat und sie merken es erst einige Zeit später, nützt Schimpfen gar nichts. Fiffi hat keine Ahnung, warum Sie sauer auf ihn sind. Aber warum dann trotzdem dieser herzzerreißende Hundeblick?

Hunde können schlechte Stimmung spüren

Fiffi kennt also keine Moral, erkennt aber sehr wohl, wenn Herrchen oder Frauchen nicht gerade gut gelaunt sind. Und um diese Stimmung zu besänftigen, setzen Hunde typische Verhaltensweisen ein. In erster Linie geht es ihnen also beim Dackelblick darum, den Ärger von sich abwenden zu wollen. Ziel ist es, Herrchen und Frauchen zu beruhigen und die Wogen zu glätten.

Typische Verhaltensweisen des Hundes können sein:

  • vermehrt über die Nase lecken
  • sich klein machen oder auf dem Boden kriechen
  • auf den Rücken drehen und den Bauch entgegenstrecken
  • Hand des Besitzers ablecken
  • Kopf abwenden oder blinzeln

Der Dackelblick wird also nur eingesetzt, wenn Ihr Hund Ärger aus dem Weg gehen möchte und die angespannte Situation wieder entschärfen will. Fälschlicherweise wird dieses Verhalten mit der Annahme, der Hund habe ein schlechtes Gewissen, gleichgesetzt.

Hunde sind Meister der Verknüpfung

Doch obwohl Hunde nur ein sehr kurzes Gedächtnis haben, sind sie sehr gut darin, Verknüpfungen zwischen bestimmten Situationen herzustellen. Haben sie also einmal die Erfahrung gemacht, dass der umgekippte Mülleimer in der Küche mit Ärger verbunden ist, dann wissen sie, dass es bei einem erneuten Vorfall wieder zu Ärger kommt. Aus diesem Wissen heraus, setzt Fiffi also schon mal präventiv seinen Hundeblick in Szene um die wütende Stimmung im Haus abzufedern. Und dabei spielt es wahrscheinlich keine Rolle, ob er oder Herrchen oder Frauchen das Chaos verursacht hat.

Wenn Ihr Hund also das nächste Mal einen Blick zum Dahinschmelzen aufsetzt, dann liegt das wohl eher daran, dass die Stimmung im Haus gerade zum Davonlaufen ist. Ob es daran liegt, dass Ihnen gerade die volle Milchpackung aus den Händen gerutscht ist oder Wauzi die teuren Sneaker angefressen hat, weiß Ihr Hund wegen seines Kurzzeitgedächtnis vermutlich aber nicht.