Paartherapeutin klärt auf

Das verflixte 7. Ehejahr: Mythos oder Fakt?

Laut Statistischem Bundesamt wurden 2020 143.800 Ehen in Deutschland geschieden.
Laut Statistischem Bundesamt wurden 2020 143.800 Ehen in Deutschland geschieden.
© francescoridolfi.com

19. Januar 2022 - 15:38 Uhr

von Petra Schaffarzik

Was ist dran am "verflixten 7. Jahr"? Stimmt es, dass sich Ehepaare – wie aktuell Michelle Hunziker und (Noch)-Ehemann Tomaso Trussardi - am häufigsten nach sieben Jahre Ehe trennen? Die Statistik widerlegt diese Zahl, dennoch hält sie sich hartnäckig. Woran liegt das?

Panik vorm 7. Jahr?

Viele Paare denken sicherlich im Laufe der Jahre ihrer Partnerschaft über das berüchtigte siebte Jahr in der Beziehung nach und fragen sich, ob und wie sie es überstehen werden. Dabei ist die Furcht davor eigentlich unbegründet. Denn: Laut Statistischem Bundesamt waren Scheidungspaare beispielsweise im Jahr 2020 143.800 Ehen in Deutschland geschieden, im Durchschnitt waren diese 14 Jahre und acht Monate verheiratet. Ähnlich verhält es sich auch in den Jahren davor.

Woher kommt der Mythos vom "verflixten 7. Jahr"?

Seltener gemeinsamer Auftritt von Kim Kardashian und Kanye West
Kim Kardashian und Kanye West leben derzeit in Scheidung.
© Press Line Photos/Shutterstock.com, SpotOn

Michelle Hunziker und Tomaso Trussardi sind dennoch nicht die einzigen, die sich nach dem "verflixten" 7. Ehejahr trennen. Auch Promis wie Kim Kardashian und Kanye West oder Boris und Barbara Becker reichten nach sieben Jahren Ehe die Scheidung ein.

Die Zahl Sieben taucht in unserer Sprache an unzähligen Stellen auf und hat große Bedeutung: Unsere sieben Sachen, die sieben Weltwunder, die sieben Zwerge. Die Woche hat sieben Tage und wenn ein Spiegel zerbricht, bedeutet das angeblich sieben Jahre Pech. Die Entstehung des Mythos der sieben Jahre geht wahrscheinlich zurück bis in die Antike. Der Philosoph Philo von Alexandrien (* um 15/10 v. Chr.; † nach 40 n. Chr.). ging damals von einer Lebensaltereinteilung aus, die sich – teilweise noch heute – nachvollziehen lässt: Mit sieben Jahren fallen Kindern die Milchzähne aus, mit 14 beginnt die Pubertät und mit 21 ist der Mensch endgültig erwachsen. Nach dem 7. Lebensabschnitt folgt der Tod – eine Zahl, die sich, wie so vieles andere, heute glücklicherweise nicht mehr halten lässt. Denn unsere Lebenserwartung heute liegt deutlich über 49 Jahren.

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Jede Beziehung hat Höhen und Tiefen - das rät die Expertin

Trotzdem hat die Einteilung in Lebensphase ihre Berechtigung. Denn Leben bedeutet auch Veränderung – bei sich selbst und auch beim Partner. Diese Veränderungen sind oftmals schwer zu akzeptieren – es kommt zu Spannungen in der Beziehung – vielleicht sogar zur Trennung.

Das bestätigt auch die Münchner Paartherapeutin Susanne Veit, die es im Gespräch mit RTL so formuliert: "Zwei Menschen begegnen sich, entscheiden sich, ihr Leben gemeinsam zu bestreiten. Man lebt einige Zeit als Paar zusammen, dann kommt ein Kind, ein dritter Faktor, in die Paarbeziehung. Was dann passiert: die frisch gebackenen Eltern vernachlässigen sich selbst als Paar, die Paar-Beziehung wird nicht mehr priorisiert."

Damit es in diesen Phasen der Veränderung erst gar nicht zur Trennung kommt, rät die Expertin: "Wichtig ist, sich als Paar in die Mitte zu stellen, sich wieder als Paar wahrzunehmen und sich stärker auf sich selbst beziehen als "nur" auf die Kinder." Außerdem helfe es, sich immer wieder bewusst zu machen, warum man sich damals in den Partner verliebt hat, was man an ihm geschätzt hat.

„Behandle deinen Partner wie Deine beste Freundin"

Dem Partner Freiraum zu geben ist ebenso wichtig. Ihren Klienten und Klientinnen rät sie: "Behandle deinen Partner wie Deine beste Freundin – begegne ihm mit einer gewissen Grundtoleranz und lass ihm seine Freiheiten." Häufig erwarten Paare, dass der Partner für alles stehen muss. Doch man dürfe nicht zu viel erwarten. Das setze den Partner und damit die Beziehung unnötig unter Druck. Es gäbe da draußen noch viele Menschen, die die unterschiedlichen Bedürfnisse eines Menschen erfüllen können. Es müsse nicht alles auf dem Partner abgeladen werden.

Wissenschaftler der Uni Bern haben in einer Studie herausgefunden, dass Paare zu Beginn einer Beziehung besonders glücklich sind. Ebbt die Verliebtheitsphase langsam ab und der Alltag schleicht sich ein, nimmt die Beziehungszufriedenheit langsam ab und erreicht erst nach zehn Jahren ihren Tiefpunkt. Doch hält man diesen temporären Tiefpunkt in der Beziehung aus, dann steigt das Wohlgefühl der Paare mit ihrer Beziehung wieder.

Letztendlich ist die verflixte Sieben auch nur eine Zahl. Wenn es um Beziehungen geht, sollte man doch besser nicht auf Zahlen und Statistiken schauen, sondern eher auf sein Herz hören.