8. Mai 2019 - 13:37 Uhr

Neben körperlicher Nachsorge ist seelische Unterstützung besonders wichtig

Ein Schlaganfall verändert oft das ganze Leben – und zwar nicht nur das der Betroffenen, sondern auch das der Angehörigen. Viele der typischen Folgen verschwinden nicht vom einen auf den anderen Tag, sie werden zum täglichen Begleiter. Dinge, die immer selbstverständlich waren, wie zu sprechen, zu essen oder zu schreiben, werden plötzlich zur Herausforderung. So auch für Julia: Die 30-jährige Mutter hatte einen Schlaganfall. Wie sie ihren Alltag meistert und mit welchen Folgen sie immer noch zu kämpfen hat, sehen Sie im Video.

Um die Probleme nach einem Schlaganfall so gut es geht einzudämmen und zu beseitigen, ist die Nachsorge von großer Bedeutung. Wichtig ist dabei jedoch nicht nur körperliche Versorgung, sondern auch seelische Unterstützung. Wir zeigen, an wen sich Betroffene und Angehörige wenden können und wie eine Rehabilitation aussieht.

Welche Ärzte sind nach der Entlassung aus dem Krankenhaus verantwortlich?

Nach dem Verlassen des Akutkrankenhauses liegt die ärztliche Versorgung in den Händen des Hausarztes. Nachdem er von der Klinik über die Diagnose, die Behandlung und den Krankheits- und Genesungsverlauf informiert wurde, wird die weitere Behandlung besprochen. Dazu gehören unter anderem Medikamente, Therapien und Hilfsmittel zur Bewältigung des Alltags.

Eine lückenlose Fortsetzung der Therapien ist für die Regeneration sehr wichtig. Abgesehen davon ist auch der Besuch bei einem Facharzt ratsam, da neben der Rehabilitation auch die Vermeidung eines zweiten Schlaganfalls von großer Bedeutung ist. Kann die Ursache für den Schlaganfall nicht eindeutig bestimmt werden, empfiehlt es sich, sich vom Hausarzt zu einem Kardiologen überweisen zu lassen, da dieser auch schwer zu diagnostizierende Ursachen wie Vorhofflimmern erkennt. So kann je nach Diagnose das Risiko eines weiteren Schlaganfalls beispielsweise durch Medikamente reduziert werden.

Rehabilitation ist wichtig, um wieder in den Alltag finden zu können

Ein großer Teil der Schlaganfall-Patienten absolviert nach dem Aufenthalt in der Klinik eine Rehabilitation. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Ambulant oder stationär?

Nach der Entlassung aus dem Akutkrankenhaus sollte es nicht länger als zwei Wochen dauern, bis die Behandlung in der Reha beginnt, wie die Deutsche Schlaganfall-Hilfe auf ihrer Homepage erklärt. Die meisten Rehabilitationen erfolgen stationär und dauern drei Wochen, bei Bedarf kann der behandelnde Arzt den Antrag jedoch auch verlängern. Für ältere Schlaganfallpatienten bietet sich die neurologische und die geriatrische Rehabilitation an. In einer neurologischen Fachklinik erhalten Patienten deutlich mehr Therapie-Einheiten als in einer geriatrischen, diese werden jedoch empfohlen, wenn Patienten bestimmte Vorerkrankungen oder einen allgemein schlechten Gesundheitsstatus haben.

Seltener als stationäre gibt es ambulante Rehabilitationszentren. Die Patienten können abends und am Wochenende nach Hause und können dort testen, ob das Reha-Training in den Alltag integrierbar ist. Die ambulante Reha kommt nur für Menschen in Frage, die sich entweder selbst zu Hause versorgen können oder Unterstützung durch einen heimischen Pflegedienst oder Angehörige bekommen.

Wie erfolgt die Therapie in der Reha?

Nach einem Eingangsgespräch und einer ausführlichen Untersuchung wird ein Therapieplan erstellt und Ziele werden festgelegt. Je nach Krankheitsbild sind Art und Umfang der Behandlung sehr unterschiedlich. Klassische Therapieformen in einer neurologischen Rehabilitationsklinik sind Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Diätberatung und Neuropsychologie. Ziel der Reha ist es zum einen, verlorengegangene Fähigkeiten wiederherzustellen und zum anderen Alternativen für Einschränkungen zu finden, wie beispielsweise die schwache Hand zur starken Hand zu trainieren.

Die Ziele sollen so gut es geht in den Alltag integrierbar sein, um dem Patienten ein weitestgehend selbstständiges Leben zu ermöglichen. Außerdem werden Betroffene bei einer notwendigen Umstellung ihres Lebensstils unterstützt, um weitere Schlaganfälle vorzubeugen.

Reichen die Therapien in der Reha aus?

Die Regeneration ist harte Arbeit für die Patienten – sie erfordert viel Fleiß, Willen und Wiederholung, um das Gehirn zu trainieren. Da das Training in der Rehabilitationsklinik nicht ausreichend ist, fördern viele Kliniken bereits während des Aufenthaltes das Training zu Hause und geben ihren Patienten nach der Entlassung Übungen für den Alltag mit. Nach der Reha ist man also nicht austherapiert, im Gegenteil: Kontinuierliches Wiederholen von Übungseinheiten ist notwendig, um Ziele zu erreichen.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Kostenübernahme ist nicht immer von Anfang an klar geregelt. Für den Patienten gilt: Keine Sorge, wenn der Kostenträger nicht sofort feststeht, sind normalerweise die Krankenkassen vorleistungspflichtig. Im weiteren Verlauf der Behandlung regelt sich dann, wer wann für welche Therapie aufkommen muss. Mögliche Kostenträger bei der Rehabilitation nach einem Schlaganfall sind die gesetzlichen und privaten Krankenkassen und die Deutsche Rentenversicherung. In der Regel beginnt ein Patient mit einer Therapie von drei Wochen. Besteht Bedarf auf Verlängerung, so kann diese vom behandelnden Arzt ausgestellt werden und wird vom Kostenträger übernommen.

Seelische Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Selbsthilfegruppen können eine große Unterstützung nach einem Schlaganfall sein. Der Austausch mit anderen Betroffenen oder Angehörigen kann helfen, mit dem Schicksalsschlag umzugehen, neue Kraft zu schöpfen und von neuen Therapien zu erfahren. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe bietet deutschlandweite Kontakte zu Selbsthilfegruppen. Auch online gibt es vor allem für jüngere Patienten seelische Unterstützung, wie Sandra Rösemeier von der Deutschen Schlaganfall-Hilfe im Video erzählt: "Es passiert ganz viel auf Twitter, Instagram und Facebook, wo man sich untereinander helfen kann in eingeschlossenen Gruppen und dann bleibt die Information auch in der Gruppe und kann nicht nach außen getragen werden."

Bei Fragen und zur Unterstützung steht das Service- und Beratungszentrum der Deutschen Schlaganfall-Hilfe unter 05241-97700 zur Verfügung.

Je nach Beschwerden werden Spezialisten benötigt

Ein Schlaganfall kann vielfältige Folgen haben. Je nachdem ist ein bestimmtes Training oder die Behandlung bei bestimmten Spezialisten notwendig. Ein paar der typischen Folgen sind:

  • Schluckstörungen: Wichtig ist hierbei die kontrollierte Zufuhr von Flüssigeit und Nahrung, zunächst sollten körnige und harte Speisen vermieden werden. Mit einem Orthopäden kann ein Schlucktraining durchgeführt werden, um die Beschwerden zu lindern.
  • Harninkontinenz: Blasenschwäche kann sich kurz- oder langfristig zurückbilden, dafür ist meist ein spezielles Blasentraining erforderlich.
  • Halbseitenlähmung: Das Zusammenspiel der gesunden und betroffenen Körperhälfte muss neu trainiert werden. Wichtig ist dabei tägliches Bewegungstraining, die betroffene Seite in Bewegungsabläufe miteinzubeziehen und Physiotherapie und Krankengymnastik zu absolvieren.
  • Sprachstörungen: Trägt die linke Gehirnhälfte einen Schaden von dem Schlaganfall, so ist dies häufig mit einer Sprachstörung verbunden. Hierbei ist es wichtig, dass Betroffene vom Gesprächspartner nicht immer verbessert und auf Fehler hingewiesen, sondern von ihm unterstützt werden. Um das Sprechen neu zu erlernen, wird beim Logopäden ein Sprachtraining durchgeführt.