Pflege, Heilung und Vorbeugung

Dammriss: Wichtiges über die häufige Geburtsverletzung der Mutter

Eine der häufigsten Verletzungen bei schweren Geburten ist der Dammriss. Je nach Schweregrad kann dieser mit unterschiedlichen Methoden behandelt werden.
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28. Juli 2020 - 15:27 Uhr

Dammriss: Unschöne Geburtsverletzung

Eine der häufigsten Verletzungen bei der Geburt ist der Dammriss. Dabei handelt es sich um eine Verletzung des Bereichs zwischen der Vagina und dem Darmausgang. Normalerweise ist dieser Bereich sehr dehnbar, doch gelegentlich stößt das Gewebe an seine Belastungsgrenze. Ob dies während der Geburt geschieht, lässt sich jedoch schwer vorhersagen. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, wenn das Ungeborene sehr groß ist und unglücklich liegt. Auch ein unzureichender Dammschutz und eine rasche Geburt mit kurzer Eröffnungsperiode vergrößern das Risiko eines Dammrisses bei der Mutter. Häufig kann ein solcher zudem dann auftreten, wenn der Arzt mechanische Hilfsmittel einsetzen muss.

Wie schwerwiegend ist ein Dammriss und wie lange dauert die Heilung?

In der Medizin wird ein Dammriss bei der Geburt in vier Schweregrade unterteilt:

  • 1. Grad: oberflächlicher Riss, Muskulatur ist nicht betroffen
  • 2. Grad: Verletzung an Haut und Muskulatur, Schließmuskel intakt
  • 3. Grad: Schließmuskel teilweise oder komplett gerissen
  • 4. Grad: Schließmuskel und Darmschleimhaut verletzt

Wie lange die Heilung dauert, hängt entscheidend von dem Schweregrad des Dammrisses ab. Verletzungen des ersten und zweiten Grades heilen zumeist innerhalb von wenigen Wochen ab. Bei Dammrissen des dritten und vierten Grades kann es passieren, dass eine OP erforderlich wird. Die Heilung kann sich dann mehrere Monate dauern – dies jedoch geschieht eher selten.

Wie kann die Mutter dem Dammriss vorbeugen?

Um das Risiko eines Dammrisses bei der Geburt zu minieren, empfehlen Experten eine mehrminütige Dammmassage zweimal pro Woche, die ab der 34. Schwangerschaftswoche erfolgen sollte. Dafür können Öle wie Weizenkeimöle oder Vitamin-E-haltige Öle zum Einsatz kommen, die den Bereich geschmeidig machen.

Das Öl kommt auf die äußeren Schamlippen sowie den Bereich des Damms, woraufhin die Frau den Daumen tampontief in die Scheide einführt und mit einem anderen Finger den Damm massiert. Dies erzeugt einen leichten aber nicht schmerzhaften Gegendruck. In der Apotheke ist zudem ein Geburtsvorbereitungsballon erhältlich. Dieser kann in den Wochen vor der Geburt in die Scheide eingeführt und bedächtig aufgepumpt werden, um so das Gewebe schrittweise zu dehnen.

Wie kann man eine Dammrisswunde pflegen und den Heilungsprozess beschleunigen?

Mithilfe von ein paar Maßnahmen lässt sich der Dammriss pflegen und der Heilungsprozess beschleunigen:

  • Kühlung des Dammbereichs und viel Wasser trinken
  • in den ersten Tagen viel liegen
  • Dammbereich trocken halten
  • nach dem Toilettengang Dammbereich mit klarem Wasser abspülen und anschließend trocken tupfen
  • lauwarme Sitzbäder am Ende der ersten Woche mit Badezusätzen wie Eichenrinde, Meersalz oder Calendula-Essenz
  • etwa ab dem dritten Tag nach der Geburt Beckenbodenübungen
  • ab dem fünften Tag nach der Geburt schmerzlinderndes sowie heilungsförderndes Johanniskrautöl auf die Dammnaht tupfen

Weitere Hinweise zum Thema Dammriss

Viele Frauen fürchten sich vor einem Dammriss, doch nur bei bis zu 30 Prozent der regulären Geburten tritt er wirklich ein. Häufig wird das Reißen des Damms an sich gar nicht gespürt, da die Frau so mit der Geburt beschäftigt ist oder bereits im Vorhinein Schmerzmittel erhalten hat. Trotz des Risikos eines Dammrisses raten Experten von einem bewusst durchgeführten Dammschnitt in den meisten Fällen ab, da dieser ähnliche gesundheitliche Folgen mit sich bringt wie ein Dammriss. Nur bei schwierigen Geburten ist ein solcher empfehlenswert.