„Von der Schnauze bis zum Schwanz“

Crowdbutchering: Wenn die Kuh KOMPLETT verwertet wird

Beim Crowdbutchering wird das Tier erst geschlachtet, wenn sich mehrere Käufer für das Fleisch gefunden haben.
© RTL

21. September 2019 - 12:49 Uhr

von Jolanda Ost

Gehacktes, Verwurstetes, Geschnetzeltes - die Auslage in der Metzgerei ist meistens riesig, die Informationslage minimal. Als Kunde weiß man oft weder, wo das Fleisch herkommt noch wie viel vom geschlachteten Tier überhaupt verwertet wurde oder was genau am Ende in dem Produkt steckt. Es fühlt sich an, als würden Kuh & Co. wahllos geschlachtet – die Hauptsache ist, dass es zu jedem Zeitpunkt genügend Ware gibt. Das geht gar nicht, findet das Unternehmen "Crowdbutching". Dessen Online-Shops "Kaufnekuh.de", "Kaufeinschwein.de" und "Kaufeinhuhn.de" sind für transparentes Einkaufen ausgelegt. Wir erklären, was hinter dem Trend steckt und wie das Crowdbutchering-System funktioniert.

„Es wird ALLES verwertet"

Worauf Sie achten sollten, wenn Sie Ihr Fleisch im "klassischen" Supermarkt kaufen, zeigen wir Ihnen im Video.

Wer sich an einer Crowdbutchering-Aktion beteiligt, hat die Möglichkeit, Schwein, Kuh und Huhn mit bekannter Herkunft direkt bei kleinen Bauern zu bestellen - und das Fleisch mit anderen zu teilen. Denn geschlachtet wird ein Tier erst, wenn sich genügend Käufer gefunden haben. Es handelt sich also quasi um ein Crowdfunding der tierischen Art.

Ist ein Schwein, eine Kuh, Hühner oder saisonal auch Gänse auf ein bestimmtes Gewicht herangewachsen, wird das Tier auf der jeweiligen Website zum Kauf angeboten. Auf "Kaufnekuh.de", "Kaufeinschwein.de" und "Kaufeinhuhn.de" kann der Kunde ein Fleisch-Paket auswählen und so zum Mitkäufer des Tieres werden. Anders als in herkömmlichen Metzgereien wird das Tier jedoch erst nach dem Kauf geschlachtet – und zwar dann, wenn es KOMPLETT verkauft wurde. "Es wird alles verwertet, was auch heißt, dass alles, was nicht in die Pakete kommt, trotzdem genutzt wird. Die Häute gehen an Gerber, die restlichen Knochen werden zu Leim verarbeitet und die Innereien gehen an einen Hundefutterhersteller. Die Pakete sind zudem so portioniert, dass auf dem Teller kein Überschuss entsteht", sagt Laura Bartels von "Kaufnekuh.de".

Und das System funktioniert. Meist findet sich innerhalb von ein bis zwei Tagen die benötigte Anzahl an "Crowdbutchern". Je nach Tier dauert es dann bis zu vier Wochen, bis das Paket beim Käufer ankommt. Während Hühner und Schweine nach dem Verkauf direkt geschlachtet und weiterverarbeitet werden, muss das Rindfleisch dagegen bis zu 21 Tage lang reifen, um zarter und geschmacksintensiver zu werden.

Preislich liegt Bio-Schwein bei knapp 17 Euro pro Kilogramm und Rind bei 15 Euro, ein Paket mit vier zerkleinerten Bio-Hühnern kostet 84,95 Euro.

„Von der Schnauze bis zum Schwanz“-Prinzip

Die Idee zum gemeinsamen Schlachten und Nutzen eines Tieres hatte Berend Willem te Voortwis, der Gründer und Geschäftsführer von "Crowdbutching". Er kommt aus einer Bauernfamilie, in der jährlich eine Kuh geschlachtet und deren Fleisch über das Jahr hinweg verwendet wurde. Nachdem sich dieses Konzept auf Freunde und Nachbarn ausweitete, beschloss Voortwis, die Internetplattform mit dem "Von der Schnauze bis zum Schwanz"-Prinzip zu gründen.

Inzwischen arbeiten zwei Schlachthöfe mit dem nachhaltigen Fleisch-Shop zusammen: "Wir hatten das Glück, wirklich tolle Partner gefunden zu haben. Erst in Überlingen mit Fairfleisch und Anfang des letzten Jahres auch in Aub. Es handelt sich dabei um kleine Betriebe, die ihre Abläufe bei der Verarbeitung und Produktion auf uns ausgerichtet haben. Crowdbutching macht bereits einen Großteil der jeweiligen Verarbeitung aus und wir stehen in engem und regem Austausch mit unseren Teams vor Ort", so Bartels.

"Crowdbutching"-Gründer Berend te Voortwis.
"Crowdbutching"-Gründer Berend te Voortwis.
© Crowdbutching

„Crowdbutching ist die Zukunft, denn das Konzept verpflichtet zu nachhaltigem Handeln“

"Crowdbutching" bietet Fleischkonsumenten die Möglichkeit, eigenverantwortlich und transparent einzukaufen: "Man wählt nicht aus einem anonymen, großen Fass, wo man manchmal nicht weiß, woher die Kuh überhaupt kam. Wo man gar nicht mehr weiß, was für ein Leben das Tier hatte, was für ein Futter es bekommen hat, bei welchem Landwirt es aufgewachsen ist."

Und da immer mehr potenzielle Käufer die Herkunft des Fleisches in Frage stellen und sich mit irreführenden Bildchen von Kühen auf grasgrünen Weiden nicht mehr zufrieden geben, ist sich Laura Bartels sicher: "Crowdbutching ist die Zukunft, denn das Konzept verpflichtet zu nachhaltigem Handeln!"