KfZ-Gewerbeverband: "Zulassungsstellen müssen geöffnet bleiben."

Corona-Krise: Zulassungstellen schließen, Autohäuser bleiben auf ihren Autos sitzen

Ein Schild mit der Aufschrift "KFZ-Zulassungen". Foto: Marc Müller/dpa
Ein Schild mit der Aufschrift "KFZ-Zulassungen". Foto: Marc Müller/dpa
© deutsche presse agentur

26. März 2020 - 15:43 Uhr

Werden dadurch Autos jetzt billliger?

Wegen der Corona-Krise stehen in vielen Autohäusern in Schleswig-Holstein Existenzen auf dem Spiel. Die Zulassungsstellen müssen zwangsläufig wegen Personalmangels aufgrund von Krankheit und Kinderbetreuung schließen. Für die Autohäuser heißt das: Ohne Zulassung, kein Autoverkauf.

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Jan-Nikolas Sontag ist Geschäftsführer des Kfz-Gewerbeverbands Schleswig-Holstein und verrät uns im RTL-Interview: "Bei normalen Produkten ist es völlig egal. Sie kaufen einen Fernseher, ein Computer, ein Telefon und können das sofort benutzen. Stecken Sie in die Steckdose und los geht's. Beim Auto ist das anders. Sie dürfen es nur in der Öffentlichkeit nutzen, wenn es die entsprechende Straßenverkehrliche Zulassung hat." Das beinhaltet das Anbringen der Nummernschilder, sowie die Anmeldung des Fahrzeugs. Ist das nicht gegeben, ist der Kauf des Autos nichts wert, so Jan-Nikolas Sontag.

Autohäuser platzen aus allen Nähten

Fahrzeuge sind in aller Regel vorfinanziert. Das bedeutet, dass die Händler die Autos über Kreditinstitute kaufen und dann nach einem bestimmten Zeitraum abzahlen müssen. Egal, ob sie die Fahrzeuge weiterverkauft haben oder nicht. Die Autoverkäufer bekommen erst dann das Geld, wenn das Auto an den Käufer übergeben wurde. Da 80 Prozent  bis 90 Prozent der Fahrzeuge zugelassen gekauft werden, heißt das: Wenn die Zulassung nicht erfolgt ist, kann auch der Verkauf nicht stattfinden.

Sontag: "Dann bleiben die Höfe voll, dann kommt das Geld nicht rein und dann ist ganz schnell ein ganz erheblicher Liquiditätsengpass, bei dem es innerhalb von wenigen Tagen zu einer wirtschaftlichen Bedrohung des betroffenen Unternehmens kommen kann, deshalb ist die Zulassung so wichtig."

Werden Autos durch die Corona-Pandemie günstiger?

Wir fragen Jan-Nikolas Sontag im RTL-Interview nach der Konsequenz von geschlossenen Zulassungsstellen. Wenn die Autohäuser jetzt voll mit Autos sind, werden sie dann nicht automatisch auch günstiger? "Wenn wir jetzt in die ganz lange Zukunft gucken, ja", so Sontag. Es ist durchaus üblich, dass ein Fahrzzeug im Autohaus eine sogenannte Standzeit hat, das sind bei Gebrauchtwagen im Schnitt 80 Tage bis der passende Käufer gefunden wurde.

"Jede dazukommende Verlängerung bringt das System, das wirtschaftliche System aber auch das verwaltungstechnische System ins Wanken", so Sontag weiter. Diese Verlängerung kostet zusätzlich Geld. Durchschnittlich kostet ein Fahrzeug, das beim Autohändler steht 25-40 Euro pro Tag. In diesem Wert enthalten sind der Wertverlust des Autos, Standgebühr und administrative Tätigkeiten. Für Jan-Nikolas Sontag ist das aber nicht der Löwenanteil: "Das entscheidene momentan ist aber dieser Finanzierungsberg, der sich aufbaut und gegen den wir anarbeiten müssen."

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Bereits seit 2011 wird in Deutschland schon über das sogenannte iKfz - das Internetbasierte Kfz-Zulassungssystem - diskutiert. Laut Sontag sei dies aber noch nicht so weit ausgearbeitet, um es jetzt in der Krise anzuwenden. Ansonsten könnte man, wie es auch in einigen Ämtern möglich ist den Personalausweis digital zu beantragen, das Auto elektronisch zulassen. Sontag appelliert deswegen: "Die Zulassungsstellen dürfen bitte nicht komplett schließen, sondern sie müssen weiterarbeiten, wie es eben die Corona-Situation zulässt und man muss ja nicht persönlich in Kontakt treten, man braucht dem Sachbearbeiter hinterm Schreibtisch auch nicht die Hand zu geben, sondern kann sich weit entfernt im Raum befinden oder auch draußen Unterlagen übergeben und am nächsten Tag hole ich dann die zugelassenen Dokumente wieder ab und kann mein Auto dann in Verkehr bringen."

Die Corona-Pandemie macht aktuell auch den Autokonzernen zu schaffen: Volkswagen kündigte Kurzarbeit für 80.000 Beschäftigte in Deutschland an. Und auch Daimler will Mitarbeiter ab April in Kurzarbeit schicken.