Rechtsanwältin beantwortet die häufigsten Job-Fragen

Urlaub in Corona-Zeiten: Was darf mein Chef und was nicht?

Welche Regelungen gibt es für Arbeitnehmer, die sich im Urlaub mit dem Coronavirus anstecken?
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23. Juni 2020 - 9:39 Uhr

Ich stecke mich im Urlaub mit Corona an oder muss in Quarantäne: Was nun?

Die Sommerferien stehen vor der Türe und der ein oder andere hat vielleicht schon eine Urlaubsreise gebucht. Nach Italien, Österreich oder Urlaub im eigenen Land. Doch was passiert, wenn ich mich im Urlaub mit dem Coronavirus infiziere oder vorsorglich in Quarantäne muss? Muss ich mich dann krankmelden oder muss ich Urlaub nehmen? RTL.de hat bei der Münchener Rechtsanwältin Sherly Huth nachgefragt.

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Was passiert arbeitsrechtlich, wenn ich mich im Urlaub mit Corona infiziere und nicht wieder pünktlich zur Arbeit erscheinen kann? Muss ich dann Urlaub einreichen?

"Nein auf keinen Fall. Denn generell gilt: Wenn man krank ist, dann ist man krank. Und da ist egal, ob man sich im Urlaub mit dem Coronavirus infiziert oder mit einem anderen Virus. Wenn man im Urlaub krank wird, dann muss man eine Krankmeldung machen und kann dann auch seinen Urlaub rückwirkend wieder gutgeschrieben bekommen."

Macht es einen Unterschied, ob das in Deutschland passiert, in einem Land ohne Reisewarnung oder in einem Land mit Reisewarnung?

"Arbeitsrechtlich macht das keinen Unterschied. Denn nochmal: wenn man krank ist, dann ist man krank. Und solange nur eine Reisewarnung besteht und kein Reiseverbot, handelt man auch nicht gegen die Allgemeinverfügung. Sind Urlaubstage vom Arbeitgeber erst einmal genehmigt, ist ihre Gestaltung an sich private Angelegenheit des Arbeitnehmers – das gilt auch für die Wahl des Urlaubsziels. Reist der Arbeitnehmer nun sehenden Auges in ein besonders betroffenes Risikogebiet, könnte das dazu führen, dass er, wenn er krank aus dem Urlaub zurückkehrt, seinen Anspruch auf Fortzahlung seines Gehalts während dieser Krankheit verliert. Praktisch eher selten, aber auch nicht völlig undenkbar, sind Fälle, in denen der Arbeitgeber ein solch grob leichtsinniges Verhalten zum Anlass für eine Abmahnung, Kündigung oder für Schadensersatzansprüche wegen der Verletzung der während des Urlaubs fortbestehenden Pflichten nimmt."

Was ist, wenn man mit einem Corona-Positiven im Urlaub Kontakt hatte und deshalb vorsorglich in Quarantäne muss?

"Auch dann muss man keinen Urlaub nehmen. Denn laut Paragraf 56 des Infektionsschutzgesetzes wird man vom Gesundheitsamt unter Quarantäne gestellt und bekommt ein sogenanntes 'Ausgehverbot'. Also selbst, wenn man arbeiten möchte, dann dürfte man das nicht. Der Arbeitgeber muss den Lohn weiterzahlen. Und ob man dabei Kontakt in Bayern, Deutschland oder im Ausland hatte ist egal. "

Also können Quarantäne-Tage nicht mit dem Jahresurlaub verrechnet werden?

"Quarantäne-Zeiten, die wegen Erkrankung eines Arbeitnehmers angeordnet werden, sind wie alle Tage der Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit nicht mit dem Jahresurlaub zu verrechnen. Ist der Arbeitnehmer nicht akut erkrankt, sondern wegen des Verdachts auf eine mögliche Infektion unter Quarantäne gestellt worden, ist er nicht arbeitsunfähig und weiterhin zur Arbeit verpflichtet. Erbringt er seine Arbeit von zu Hause bzw. von dem Ort der Quarantäne aus, erhält er unverändert sein Entgelt vom Arbeitgeber. Ist ihm das nicht möglich, erhält er eine Entschädigung in Höhe seines bisherigen Nettogehalts. Eine Verrechnung mit seinem Jahresurlaub findet nicht statt."

Muss ich in der Quarantäne arbeiten?

"Wenn der Arbeitnehmer nicht krank ist, sondern sich vorsorglich in der Quarantäne befindet, diese beim Arbeitnehmer zu Hause stattfindet und dort die Arbeit im Homeoffice möglich ist, dann ist er verpflichtet, diese Möglichkeit zu nutzen. Gleiches gilt, wenn ihm die mobile Arbeit an einem anderen Ort der Quarantäne möglich ist. Seine Pflicht zur Arbeit entfällt erst, wenn er durch Erkrankung arbeitsunfähig wird. Etwas anderes gilt natürlich da, wo der Mitarbeiter zur Erledigung der Arbeit zwingend in den Betrieb kommen muss, z. B. weil er an Maschinen arbeitet."

Mein Chef will wissen, wo ich meinen Urlaub verbringe. Muss ich ihm das sagen?

Klare Antwort: Nein. Urlaub ist und bleibt Privatsache. Das Urlaubsziel geht den Arbeitgeber nichts an.

Mein Arbeitgeber setzt mich unter Druck, dass ich im Fall einer Quarantäne nach der Rückkehr aus dem Ausland kein Geld bekommen werde. Darf er das?

Nein. Im Falle einer behördlich angeordneten Quarantäne muss der Arbeitgeber Lohn oder Gehalt weiterbezahlen.

Kann ein Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall verweigern, wenn ich mich im Ausland mit Corona angesteckt habe?

Nein, die Entgeltfortzahlung entfällt nur bei grober Fahrlässigkeit. Die ist aber alleine durch den Auslandsaufenthalt nicht begründet. Es müsste schon ein auffallend sorgloses Verhalten am Urlaubsort durch den Arbeitgeber nachgewiesen werden.

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