Was steckt dahinter?

Clusterfeeding: Wenn das Baby stundenlang immer wieder Hunger hat

© iStockphoto, tatyana_tomsickova

2. September 2019 - 17:11 Uhr

Der Hunger scheint endlos...

"Wie kannst du denn bitteschön immer noch hungrig sein?" Das werden sich viele frischgebackene Mamas fragen, deren Baby über mehrere Stunden lang immer wieder nach der Brust verlangt. Dabei steckt ein Phänomen dahinter, das der Mami zwar vielleicht manchmal den letzten Nerv raubt, für den Säugling aber völlig normal ist: Clusterfeeding.

Isabell Horn klagt über Clusterfeeding

Neu-Mama Isabell Horn spricht in einem YouTube-Video sehr offen über die Stillmarathon-Abende mit ihrem Söhnchen Fritz. "Es tut so weh. [...] Ich hab das Gefühl, irgendwann fallen mir die Nippel ab." Der Nachwuchs des Ex-GZSZ-Stars "clustert". Das heißt, er trinkt phasenweise stundenlang Muttermilch, hat nach dem Stillen direkt wieder Hunger. Das Wort "Clusterfeeding" setzt sich aus den englischen Worten für "Anhäufung" und "füttern" zusammen. Es bedeutet also, dass die Stillmahlzeiten des Babys sich nicht gleichmäßig über den Tag verteilen, sondern es gehäuft Hunger hat und daher bei der Mama einfordert, mehrere Stunden Zugang zur Brust zu haben.

Wodurch entsteht Clusterfeeding?

Clusterfeeding tritt meist abends und meist bei noch sehr jungen Babys auf. Auch wenn die Gründe dafür noch nicht vollkommen erforscht sind, sind Stillexperten sicher, dass es völlig normales Verhalten ist. Bei neugeborenen Babys ist der Magen noch sehr klein und Muttermilch ist relativ schnell verdaut. Daher kann es dazu kommen, dass die Kleinen sich abends besonders viel Mühe geben, ein kleines Futterpölsterchen für die Nacht anzulegen – und deshalb mehrmals hintereinander kleinere Mengen Milch trinken.

Ein anderer Grund für das Clusterfeeding ist das Hormon Cholecystikinin (CCK). Es reguliert den Hunger der Kleinen. Fängt ein Baby an zu saugen, steigt der CCK-Spiegel an. Das signalisiert ihm: Du bist jetzt satt. Doch wenn der Hormonspiegel zehn Minuten später langsam wieder sinkt, meldet der Hunger sich schon wieder.

Wann sollte man einen Experten um Rat fragen?

Viele Mütter machen sich sorgen, wenn ihr Baby plötzlich clustert. Sie fragen sich, ob sie vielleicht nicht genug oder zu nährstoffarme Milch produzieren. Oft wird ihnen von Ärzten oder anderen Experten gesagt, dass Babys in einigermaßen regelmäßigen Abständen alle zwei bis sogar vier Stunden nach der Brust verlangen. Dabei sind davon abweichende Zeiträume kein Grund zur Sorge.

Erst wenn die Kleinen scheinbar nur noch dauergestillt werden wollen, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit, und dabei nicht zunehmen oder sogar an Gewicht verlieren, sollte man den Arzt, die Hebamme oder eine Stillberatung konsultieren. Natürlich kann sich jede Mama auch aber sonst bei ihren Vertrauenspersonen vergewissern, ob das Clusterfeeding sich noch im normalen Rahmen befindet oder nicht – die Experten helfen schließlich gerne!

Im Video: Das ist der beste Zeitpunkt zum Abstillen

So wird Clusterfeeding für Mamas angenehmer

Die stundenlangen Stillsessions gehen an Mamis nicht spurlos vorbei. So schön die Bonding-Zeit mit dem Baby auch ist, Stillen kann ebenso anstrengend und schmerzhaft sein – ganz zu schweigen davon, dass eine Clusterfeeding-Nacht den Schlaf raubt. Deshalb ist es wichtig, dass die Mutter es sich so bequem wie möglich macht, wenn der oder die Kleine am liebsten stundenlang an der Brust hängt.

Diese Tipps helfen dabei, das Clusterfeeding auch für die Mama erträglich zu machen:

  • Wasser oder eine Tasse Tee bereitstellen
  • Snacks parat haben, wenn es mal wieder etwas länger dauert
  • ein gutes Buch oder Hörbuch in der Nähe haben
  • die Lieblingsserie anmachen und zurücklehnen

Generell sollten Mamis sich nicht stressen lassen und nicht versuchen, dem Baby einen Rhythmus aufzuzwängen. Meist wissen die Kleinen selbst am besten, wann, wie oft und wie lange sie Milch brauchen. Hören Sie auf ihr Bauchgefühl und vertrauen Sie in das Ihres Kindes – auch die Clusterfeeding-Phase geht irgendwann vorbei!