Tödliches Corona-Virus: Gefahr für Menschen in Deutschland extrem gering

24 Menschen starben bisher am Corona-Virus. Laut dem Viren-Experte Christian Drosten ist die Gefahr für Menschen in Deutschland trotzdem extrem gering.
© Institut fuer Virologie Bonn

14. April 2020 - 11:11 Uhr

Update: Einordnung des folgenden Artikels

Der folgende Artikel mit Zitaten von Virologe Christian Drosten ist ursprünglich am 30. Mai 2013 veröffentlicht worden. Seine Aussagen und die Einordnung beziehen sich auf das damals hauptsächlich auf der arabischen Halbinsel grassierende Virus MERS-CoV, das sich von dem uns aktuell bekannten Coronavirus SARS-CoV-2 unterscheidet. Abgesehen von diesem Update ist der Artikel unverändert.

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"Für Menschen in Deutschland ist Corona eigentlich nicht von Bedeutung"

Veröffentlicht am 30. Mai 2013

Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm: "Das neue Corona-Virus ist eine Gefahr für die ganze Welt." Viren-Experte Christian Drosten hält dieses Statement für zugespitzt. Er hat RTLaktuell.de erklärt, warum die Gefahr hierzulande extrem gering ist und sich Menschen in Deutschland trotz weltweiter Todesfälle keine Sorgen machen müssen.

Angesicht von mehr als 20 Todesopfern hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eindringlich vor dem neuen Corona-Virus gewarnt. Auch in Deutschland starb ein Mann an dem Erreger, der vor allem im Nahen Osten auftritt. Die Bundesrepublik betrifft die Epidemie laut dem Leiter des Instituts für Virologie Bonn, Christian Drosten, dennoch nur indirekt.

"Für Menschen in Deutschland ist Corona eigentlich nicht von Bedeutung, es besteht kein erhöhtes Risiko", sagt Drosten. So wurden zwar bisher weltweit über 40 Infektionen und 24 Todesfälle registriert. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) waren aber alle bisherigen Fälle "direkt oder über einen anderen Patienten mit der arabischen Halbinsel assoziiert".

So wurden auch zwei Erkrankte aus Katar und aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zur Behandlung bewusst in die Bundesrepublik verlegt. Laut dem RKI konnte einer wieder entlassen werden, der andere aber verstarb. Was aber ist mit infizierten Menschen, die aus betroffenen Ländern einreisen, ohne von der Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen zu wissen? Müssen sich die Menschen hierzulande deswegen Sorgen machen? "Ein Einschleppen nach Deutschland ist möglich. Das Risiko halte ich jedoch für sehr gering", schätzt Drosten die Lage ein.

"Corona könnte so harmlos wie verwandte Erkältungsviren sein"

Zudem müsse man beachten, dass die Todesfälle im Gesamtkontext zu sehen sind. "Die Sterblichkeitsrate von ca. 50 Prozent muss auch dahingehend betrachtet werden, dass die Fälle, die mild verlaufen, gar nicht auffallen", so Drosten. Der Virologe kommt daher zu einem beruhigenden Fazit: "Corona könnte so harmlos wie verwandte Erkältungsviren sein."

Heißt dies, dass die Aussage der WHO nicht stimmt? Oder gibt es doch eine weltweite Gefahr? "Eine theoretische", sagt Drosten. Deswegen würde der Virus-Experte den Bürgern auch kein bestimmtes Verhalten empfehlen: "Ich halte es für gefährlich, konkrete Ratschläge zu geben, denn dies impliziert eine Gefahr, die gar nicht da ist."

Viele aber haben dennoch Angst, weil das Virus dem SARS-Erreger ähnelt, an dem vor zehn Jahren etwa 800 Menschen starben. Selbst das sollte die Menschen aber nicht beunruhigen. "Zu SARS gibt es grundlegende Unterschiede. Damals war die Unsicherheit das größte Problem", erklärt Drosten. "Heute ist die Forschung sehr, sehr weit." Die Warnung der WHO muss daher relativiert werden.

Bei Lungenentzündung oder Atemnotsyndrom sollten Patienten zur Sicherheit dennoch immer auf das Virus getestet werden, insbesondere wenn sie sich kurz zuvor auf der arabischen Halbinsel aufgehalten oder Kontakt zu einer infizierten Person gehabt haben. Bei indirektem Kontakt mit einem bestätigten oder wahrscheinlichen Fall, muss laut dem RKI auch eine leichte Atemwegserkrankung abgeklärt werden. Dennoch gibt Drosten Entwarnung: "Ich würde niemandem davon abraten, entsprechende Länder zu besuchen."

Linda Klein