V erhandlung vor dem Amtsgericht Chemnitz

Frau stirbt während künstlicher Befruchtung

Künstliche Befruchtung (Symbolbild)
© dpa, Waltraud Grubitzsch, wg lre axs htf jhe lof rho

30. September 2020 - 20:38 Uhr

Tödliches Ende einer Kinderwunschbehandlung

Tödliches Ende einer Kinderwunschbehandlung. Eine Frau bekam bei der Entnahme einer Eizelle in einer Praxis in Chemnitz Atemprobleme. Wenige Tage später war sie tot. Gutachter beschrieben vor Gericht Fehler der Anästhesistin – das Verfahren wurde trotzdem eingestellt.

Wie konnte es dazu kommen?

Es sei einer von acht Eingriffen gewesen, den die Ärztin im Februar 2018 hätte durchführen sollen, berichtet die "Freie Presse". Die Entnahme einer Eizelle erfolgt unter Kurzzeitnarkose, bei der die Frau schwere Atemprobleme bekommen haben soll. Wenige Tage später sei sie an einem Hirnschaden gestorben – ausgelöst durch den Sauerstoffmangel.

Wie konnte es dazu kommen? Die Staatsanwaltschaft warf der verantwortlichen Anästhesistin fahrlässige Tötung vor – sie hätte erkennen müssen, dass bei der Beatmung Fehler gemacht wurden. Die Medizinerin sagte aus, die Patientin habe keine Vorerkrankungen oder Allergien gehabt, sei aber stark übergewichtig und Raucherin gewesen. Die Betäubung sei normal abgelaufen. Als der Eingriff beginnen sollte, sei die Atmung flacher geworden, die Sauerstoffsättigung im Blut und die Herzfrequenz seien gesunken. Die Angeklagte habe mit einer Kollegin mehrere Maßnahmen, darunter eine Herz-Druck-Massage, angewendet, doch der Zustand der Patientin habe sich nicht gebessert. Ein Notarzt habe die Frau ins Krankenhaus gebracht.

Gutachter stellen "chaotische" Behandlung fest

Zwei Gutachter kritisierten dem Bericht zufolge, die Anästhesistin sei von einer Beatmungsmethode auf eine andere umgestiegen, obwohl die erste zu wirken begonnen habe. Die Behandlung sei "ziemlich chaotisch gewesen". Zudem habe in der Praxis ein sogenannter Kapnograph gefehlt, mit dem hätte festgestellt werden können, ob der Tubus zur Beatmung richtig sitzt.

Dennoch konnte vor Gericht trotz Ungereimtheiten nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass die Patientin überlebt hätte, wenn anders gehandelt worden wäre – oder dass der Tod der Patientin auf die Behandlung zurückzuführen sei. Schließlich sollen sich Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 5.000 Euro geeinigt haben.