14. Januar 2014 - 13:08 Uhr

AWZ und "Unter uns" behandeln das Thema Homosexualität

Sowohl "Alles was zählt" als auch "Unter uns" erzählen derzeit eine spannende Geschichte zum Thema Homosexualität. Bei AWZ spielt Carlo Degen den schwulen Fußballer Joscha Degen, der seine Homosexualität aus Angst vor Anfeindungen geheim hält. Eric Stehfest spielt bei "Unter uns" den Schüler Yannick Benhöfer, der in seinen Mitschüler Ringo Beckmann verliebt ist, der seine homosexuelle Neigung jedoch nicht wahr haben will und sich massiv dagegen wehrt. Sowohl Joscha als auch Ringo legen sich Alibi-Freundinnen zu, um ihre Homosexualität zu vertuschen.

Eric Stehfest von "Unter uns" (links) und Carlo Degen von AWZ (rechts)
Eric Stehfest von "Unter uns" (links) und Carlo Degen von AWZ (rechts)

In einem großen Interview äußern sich die heterosexuellen Schauspieler Carlo Degen und Eric Stehfest über ihre Rollen als Homosexuelle, über Schwule beim Fußball – und wollen ein Zeichen für mehr Akzeptanz und Toleranz setzen. (Interview in zwei Teilen, dies ist der erste Teil)

Interview mit Carlo Degen (AWZ) und Eric Stehfest ("Unter uns")

Carlo Degen von AWZ und Eric Stehfest von "Unter uns"
Carlo und Eric haben eins gemeinsam: Sie spielen die Rolle eines Homosexuellen in einer Soap.

Wie geht Joscha bei AWZ mit dem Thema Homosexualität um?

Carlo: Auf Joscha lastet ein großer Druck, da er seine Homosexualität unterdrückt. Er hatte früher eine verdeckte Beziehung mit einem Mann, hat diese jedoch zugunsten seiner Fußballkarriere beendet. Jetzt versucht er, seine Gefühle zu verdrängen und vollkommen heterosexuell zu sein. Er hat eine Freundin nach der anderen und gerät von einem Fettnäpfchen ins nächste bei dem Versuch, aus der Nummer irgendwie herauszukommen. Sobald es mit einer Frau ernster wird, schießt er sie ab und geht zur nächsten über. Das Ganze geht irgendwann sogar so weit, dass er eine Scheinehe eingeht. Er tut alles Mögliche, damit es nicht ans Licht kommt.

Und wie ist es für Yannick bei "Unter uns"?

Eric: Yannick ist eigentlich ein Lichtpunkt in der Schillerallee. Er versteht sich mit allen super gut, fällt nicht groß auf und macht seine Schule ordentlich. Man merkt, dass er ein junger Mann ist, der zu dem steht, was er ist und macht. Er hat nur ein Problem und zwar, dass er sich in den falschen Typen verliebt.

Wie ist es für dich als Hetero-Mann, in der Serie die Rolle eines Homosexuellen zu spielen?

Carlo: Es ist eine ganz spezielle Herausforderung. Durch die besondere Thematik meiner Rolle, die mit Fußball und Homosexualität gleichermaßen zu tun hat, habe ich sehr viel zu spielen und das ist super!

Eric: Seit meiner Kindheit habe ich immer sehr gerne verschiedene Rollen gespielt. Ich habe irgendwelche Charaktere angenommen, die mein privates Leben gar nicht beeinflussen und ganz weit weg von meinem eigentlichen "Ich" sind. Darum wollte ich Schauspieler werden. So spiele ich jetzt die Rolle des Yannick und kann mich da eigentlich ganz gut einfühlen. Ich würde auch gar nicht in den Vordergrund stellen, dass Yannick schwul ist, sondern er ist jemand, der liebt und Gefühle vermittelt.

Wie hast du dich auf diese Rolle bzw. auf die Szenen vorbereitet?

Carlo: Ich habe im Vorfeld viel über die Thematik gelesen und mich mit meinen homosexuellen Bekannten ausgetauscht. Und wir haben einen Coach, der mit uns die Szenen durchgeht und bespricht, wie man da am besten herangeht. Für mich war es zunächst eine große Umstellung. Ein Mann riecht ganz anders als eine Frau und fühlt sich anders an. Da muss man schon über einen bestimmten Punkt gehen und es zulassen, sich fallen lassen.

Eric: Da kann ich gut anknüpfen. Der Unterschied zwischen meiner und Carlos Rolle Joscha ist, dass Joscha im Konflikt zur Homosexualität steht und meine Rolle Yannick sein Coming-Out schon mit 13 Jahren hatte. Deshalb war bei der Vorbereitung die Fallhöhe für mich nicht so hoch wie für ihn. Für mich war klar, dass ich mich einfach nur einen Verliebten spielen muss. Schwer wurde es erst, als ich mich dem Spielpartner hingegeben und losgelassen habe. Da hat mich dann das Umfeld am meisten gestört: das Team, die vielen Kameras und der Zeitdruck. Beim Theater wird einem da mehr Zeit gelassen, um sich einzufühlen. Am Set einer täglichen Serie ist das natürlich schwierig, da du innerhalb weniger Minuten sofort funktionieren musst. Das war für mich der größte Konflikt.

Wie war das, als du zum ersten Mal einen Mann geküsst hast?

Carlo: Ich war es bisher nur gewohnt, eine Frau zu küssen. Einen Mann zu küssen, war da etwas ganz Neues und Ungewohntes. Ich hatte jetzt aber schon recht viele solcher Szenen und mit der Zeit bin ich sicherer und routinierter geworden.

Eric: Bei einem Männerkuss geht es sehr viel um Vertrauen. Es ist wie eine Arbeitsvereinbarung zwischen mir und meinem Spielpartner. Wir wissen beide, dass es nur eine Rolle ist und das macht es einfacher. Wenn ich eine Frau küsse, ist das etwas Gewohntes und man braucht dieses gegenseitige Vertrauen nicht so sehr, als wenn man einen Mann küsst.

Wie waren die Reaktionen von deiner Freundin, von Freunden und der Familie auf deine Rolle?

Carlo: Klar kamen da ein paar blöde Kommentare, aber die waren alle nur als Gag gemeint. Im Endeffekt schätzen meine Freunde, was ich mache und haben sehr großen Respekt davor. Meine Freundin freut sich natürlich, dass ich vor der Kamera öfter einen Mann küssen muss als eine Frau.

Eric: Für meine Freundin ist einfach wichtig, dass ich gut schauspielere und es realistisch rüber kommt. Ich habe sie mal ans Set mitgenommen, damit sie sehen konnte, was wir da machen. Meine Familie ist in erster Linie stolz, aber dadurch, dass sie noch nicht viel gesehen haben, weiß ich nicht, wie sie reagieren werden, wenn sie mich dann tatsächlich mit einem Mann im Fernsehen sehen.

Teil zwei des Interviews folgt