NFL-Riese fühlt sich "endlich wohl damit, es loszuwerden"

Erster aktiver Football-Profi outet sich als schwul

22. Juni 2021 - 19:58 Uhr

NFL-Profi Carl Nassib macht Homosexualität öffentlich

Sich als schwul outen – in der Fußball-Bundesliga oder den europäischen Topligen hat das noch keiner getan. Dafür jetzt aber ein Spieler der American-Football-Liga NFL. Als erster Profi machte Carl Nassib von den Las Vegas Raiders öffentlich, homosexuell zu sein. Von der Football-Familie gibt es Zuspruch.

Nassib nimmt sich einen "kurzen Moment"

"Ich wollte mir nur einen kurzen Moment nehmen, um zu sagen, dass ich schwul bin", sagte der 28-jährige Defensivhüne bei Instagram: "Ich wollte das schon eine ganze Weile tun, aber jetzt fühle ich mich endlich wohl damit, es loszuwerden. Ich habe wirklich das beste Leben, die beste Familie, Freunde und Beruf, den ein Mann sich wünschen kann."

Nassib spielt seit 2016 in der NFL, seit 2020 ist er bei den Las Vegas Raiders unter Vertrag.

"Hoffe, dass solche Videos irgendwann nicht mehr nötig sind"

"Ich bin ein ziemlicher Privatmensch, ich hoffe also ihr da draußen wisst, dass ich das nicht tue, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich glaube einfach, dass Repräsentation und Sichtbarkeit so wichtig sind. Ich hoffe, dass Videos wie dieses, der ganze Outing-Prozess, eines Tages nicht mehr nötig sind, aber bis dahin werde ich mein bestes tun, meinen Teil tun, um eine Kultur zu pflegen, die akzeptiert und mitfühlt", sagte Nassib.

Nassib berichtete, von der NFL, seinen Trainern und Mitspielern habe er Unterstützung bekommen. Man habe ihn sofort mit "dem größten Respekt und mit Akzeptanz" begrüßt.

Der 2,01 Meter große, 120 Kilo schwere Defensivbrocken kündigte zudem an, 100.000 Dollar für das "Trevor Project" zu spenden, "den Nummer-1-Service für Selbstmordprävention für junge LGBTQ in Amerika", wie Nassib sagte.

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"Wir sind stolz auf dich, Carl"

Raiders-Besitzer Mark Davis lobte seinen Defensivmann für dessen Mut. "Es ist 2021. Umso mehr Kraft für Carl. Es ändert meine Meinung über ihn als Mensch oder als Raider nicht", sagte Davis dem US-Sender ESPN. Auf Twitter postete der Club: "Wir sind stolz auf dich, Carl."

Zuspruch kam auch von NFL-Boss Roger Goodell. "Die NFL-Familie ist stolz, dass Carl mutig seine Wahrheit teilt. Repräsentation ist wichtig. Wir teilen seine Hoffnung, dass solche Statements irgendwann nicht mehr berichtenswert sind. Währenddessen marschieren wir für die volle Gleichberechtigung der LGBTQ+-Gemeinde. Wir wünschen Carl alles Gute für die kommende Saison."

In der im September beginnenden Speilzeit dürfte Nassib dann als erster schwuler NFL-Spieler auf dem Platz stehen. Der früherere Abwehrspieler Michael Sam hatte sich 2014 ebenfalls geoutet, bevor er von den St. Louis Rams gedraftet wurde. Danach schaffte er es aber nicht in den Kader. In der Vergangenheit machten mehrere ehemalige NFL-Profis ihre Homosexualität öffentlich – nach dem Karriereende.

In Deutschland hat den Schritt noch kein aktiver Fußball-Profi gewagt. Der einstige deutsche Meister und Nationalspieler Thomas Hitzlsperger outete sich erst nach dem Ende seiner Laufbahn.

Car Nassib hat im Pride Month ein Zeichen für Normalität im harten Geschäft Profisport gesetzt – ob andere (auch hierzulande) folgen? (mar)