Wehrle: "Unser Hygienekonzept greift"

Geister-Alarm in der Bundesliga - NRW wehrt sich

Wird das Gigantentreffen zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München zum Geisterspiel?
Wird das Gigantentreffen zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München zum Geisterspiel?
© dpa, Federico Gambarini, fg nic

30. November 2021 - 21:57 Uhr

NRW will keine Geisterspiele in der Bundesliga - Köln erst recht nicht

Geister-Alarm in der Bundesliga. Der höchsten deutschen Spielklasse drohen erneut Spiele vor leeren Rängen. Das fordern immer mehr Ministerpräsidenten offen. In der nordrhein-westfälischen CDU aber gibt es offenbar Stimmen, die sich gegen Geisterspiele wehren. Auch der Geschäftsführer des 1. FC Köln, Alexander Wehrle, kann mit einem solchen Szenario nichts anfangen.

Politik pocht auf Geisterspiele - Bayern legt vor

In den Bundesligastadien wird es ab dem Wochenende wohl wieder gespenstisch still. Die Rückkehr der Geisterspiele im Profifußball war schon vor den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie am Dienstag ganz offensichtlich beschlossene Sache. Rekordmeister Bayern München erfuhr als Erster, dass zukünftig wieder Partien vor leeren Rängen angesagt sind.

"Es macht auf absehbare Zeit keinen Sinn, wieder Zuschauer zuzulassen", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im BR: "Es ist eine wichtige Forderung, dass wir heute bundeseinheitlich beschließen, dass wir künftig keine Zuschauer mehr machen. Wenn das auf Bundesebene nicht funktioniert, würden wir das für Bayern allein machen."

Derby löste Kopfschütteln aus

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr designierter Nachfolger Olaf Scholz (SPD) berieten ab Dienstagmittag mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder über die Corona-Lage. Die Rufe nach einer Verschärfung der Schutzmaßnahmen und Beschränkungen waren in den vergangenen Tagen nochmals lauter geworden. Grund sind die hohen Infektionszahlen und die Verbreitung der neuen Omikron-Variante.

"Wir müssen Freizeitveranstaltungen deutlich zurückfahren", sagte der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) im ZDF-Morgenmagazin: "Dass es am letzten Wochenende noch große Bundesligaspiele mit Zigtausenden von Besuchern gab, ist angesichts der dramatischen Lage im Land nicht mehr zu verantworten."

Vor allem das Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach (4:1) am Samstag vor 50.000 Zuschauern hatte die Debatte um die Geisterspiele entscheidend befeuert. Zahlreiche Spitzenpolitiker und Experten äußerten ihr Unverständnis. "Entscheidend ist: So Bilder wie vom Wochenende in Köln darf es und wird es nicht wieder geben", sagte etwa NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.

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Wehrle: "Spiele mit Zuschauern sollten in NRW kein Problem sein"

Die flächendeckende Rückkehr der Begegnungen vor leeren Rängen, deren Ende vor einem halben Jahr von der Politik ausgerufen worden war, schien deshalb nur eine Frage der Zeit zu sein. Schon am Sonntag musste RB Leipzig im Spiel gegen Bayer Leverkusen (1:3) ohne Fans auskommen; in Sachsen waren die Inzidenzzahlen bereits in unglaubliche Höhen geschnellt.

Widerstand gegen Geisterspiele gibt es aber im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen – in dem auch viele Bundesliga-Clubs beheimatet sind. Die CDU hat sich nach Informationen aus nordrhein-westfälischen Koalitionskreisen zwar dafür ausgesprochen, Diskotheken und Clubs angesichts der Corona-Lage zu schließen. Die Zuschauerzahl in Fußballstadien sollen aber nur auf ein Drittel der Kapazität begrenzt werden.

Demnach handelt es sich dabei zunächst um eine nicht formell abgestimmte "Ideensammlung" aus dem Koalitionsausschuss von CDU und FDP, die CDU-Fraktionschef Bodo Löttgen am Dienstag in seiner Fraktion vorgetragen hat. Einige der Punkte seien auf derzeitiger Rechtsgrundlage gar nicht allein von der Landesregierung umsetzbar, hieß es.

Auch vonseiten der Bundesliga-Clubs in NRW stoßen Geisterspielen-Überlegungen auf Gegenwehr. "Spiele mit Zuschauern sollten in NRW kein Problem sein. Die Politik sagt seit Wochen, sie orientiere sich an der Hospitalisierungsquote. Diese liegt in NRW unter vier und in Köln sogar nur bei knapp über zwei. Auf dieser Grundlage sollten Großveranstaltungen weiter möglich sein. Wir haben ein Hygienekonzept, das greift. Nur 2G mit Maske und Abstand sollten das Konzept für Bundesligaspiele in NRW sein", sagte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle gegenüber RTL/ntv.

Die NRW-Landesregierung will an diesem Mittwoch schärfere Corona-Maßnahmen für NRW beschließen. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat bereits Kontaktreduzierungen angekündigt.

Von möglichen Zuschauereinschränkungen ist am Wochenende auch das Topspiel der Liga – Dortmund gegen Bayern - betroffen. (msc/sid/dpa)