Insider-Tipps vom Experten

Buch-Blogger Florian Valerius: Diese 5 Romane MÜSSEN Sie diesen Sommer lesen!

© Florian Valerius

27. August 2019 - 10:31 Uhr

Beine hochlegen, Buch schnappen und relaxen

Der Urlaub ist längst gebucht, der Flieger wartet quasi schon auf Sie, aber es fehlt noch das passende Buch fürs Handgepäck? Keine Panik, wir hätten da ein paar Tipps für Sie - beziehungsweise unser Experte Florian Valerius (alias "literarischernerd" bei Instagram). Er ist Buchhändler, Blogger und bald selbst Autor. Er kennt sich also extrem gut mit Büchern aus und hat fünf Romane für uns und für Sie herausgesucht, die diesen Sommer noch schöner und spannender machen.

Ein bisschen Giulia-Art, ein bisschen Böhmermann

"Das Leben ist eins der Härtesten" von Giulia Becker*
​Eines der besten Bücher, die ich 2019 bisher lesen durfte! Es hat mich zum Lachen gebracht (lauthals), berührte mich bis ins Mark und rührte mich am Ende sogar zu Tränen. Becker erzählt von Menschen, mit denen es das Leben nicht allzu gut gemeint hat - und wie sie tagtäglich versuchen, ihre Existenz zu überleben. Dies tut sie bitterböse, aber eben auch mit viel Liebe, Charme und Witz, so dass man sich dem Ganzen in keiner Sekunde entziehen kann und das Buch am Stück auffrisst, inhaliert und genießt.
Es ist die "Giulia-Art", die das Buch so besonders macht, eine Art, die den Leser unglaublich berührt und mitnimmt. Sie kann Situationen so dicht erzählen, dass man als Leser alles miterlebt und spürt (Stichwort: Notbremse), auch erzählt sie von Situationen, die wir alle schon einmal erlebt und durchlitten haben (Stichwort: Saftpäckchen) – und uns deswegen so extrem nahe gehen. Dass ein witziges Buch auch herzergreifend kann, beweist Becker auf jeder zweiten Seite (Stichwort: Bofrost).
Lest es, verschenkt es, lacht mit euren Freunden zusammen darüber und habt einfach eine großartige Zeit mit einem tollen Buch. Giulia Becker hat übrigens ihr Handwerk als Autorin für Jan Böhmermann gelernt.

Wie Netflix zum Lesen

Buch "So schöne Lügen"
Der Plot von "So schöne Lügen" entwickelt sich zu einem atemberaubenden, perfiden Thriller, inklusive Mord, Todschlag, Gier, Manipulation und Wahnsinn.
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"So schöne Lügen" von Tara Isabelle Burton*
Lange ist es mir nicht mehr passiert, dass ich ein Buch an einem Nachmittag komplett verschlungen habe und es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Geschichte um die vergiftete Freundschaft zwischen Landei Louise und It-Girl Lavinia hat mich einfach nicht losgelassen – passend zum Rausch, den die beiden auf teuren New Yorker Schickeria- und Literaturpartys erleben, war ich berauscht vom Sog, den dieses geniale Meisterwerk entfaltet. Anfangs noch eine ausgefeilte Milieustudie um Schein und Sein, Oberflächlichkeit und Glamour, Lügen und Sex, entwickelt sich der Plot zu einem atemberaubenden, perfiden Thriller. Inklusive Mord, Todschlag, Neid, Gier, Manipulation, Eifersucht und Wahnsinn.
​Das Buch ist äußerst rasant geschrieben, beim Lesen hatte ich schon die Netflix-Verfilmung vor Augen: Gossip Girl meets Gone Girl. Burton legt die Abgründe ihrer Figuren nach und nach frei, entblößt ihre kaputten Seelen, zeigt, wie menschliche Manipulation funktioniert und wie einfach Menschen zu blenden sind – Lügen kann so einfach sein. Sie lässt ihre Leser ein Wechselbad der Gefühle erleben, lässt sie mitfiebern, mitzittern, bis sie selber nicht mehr wissen, was oder wer Gut oder Böse ist. Ein krass gutes Buch, unbedingt Lesen!

Gänsehaut pur

Roman "Liebes Kind"
Nervenkitzel auf Hausmann-Art gibt es in "Liebes Kind".
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"Liebes Kind" von Romy Hausmann*
Ein Thriller, der da endet, wo die gewöhnlichen aufhören. Eine junge Frau entflieht aus ihrem Kerker – ein Mann hielt sie gefangen und missbrauchte sie. Viel mehr möchte ich auch gar nicht verraten, außer: Seid gefasst, die Geschichte bietet einige Volten und Überraschungen, die man so nicht kommen sieht.
​Was diesen Roman so besonders macht, sind zwei Details, die ineinandergreifen. Erstens: die Erzählweise. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von drei Personen erzählt: dem Opfer, dem Vater des Opfers – und der kleinen Tochter des Opfers, die in Gefangenschaft auf die Welt kam. Damit komme ich direkt zum zweiten Punkt: Unglaublich wie intensiv Hausmann, vor allem dem Kind, ihren Figuren eine Stimme verleiht. Gänsehaut pur, dieser kindlichen Stimme zu lauschen, zu folgen, wie sie naiv und abgeklärt vom (Über-)Leben im Kerker erzählt. Es ist phänomenal, wie die Autorin sich psychologisch in ihre Figuren denkt und dem Leser so pure Gänsehaut bereitet und ihn das Martyrium hautnah miterleben lässt.
​Die wendungsreiche, abgründige Story, kurzweilige, spannende Kapitel machen das Buch zu einem echten Highlight! Absolute Leseempfehlung!

Der Niedergang einer Getriebenen

"All das zu verlieren" Roman
Slimani taucht tief ein in die Psyche ihrer Hauptfigur. So tief, so intim, dass es nahezu unangenehm ist.
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"All das zu verlieren" von Leïla Slimani*
Adèle besitzt alles, was eine Frau sich wünschen kann. Einen Ehemann, der Chirurg ist, einen kleinen Sohn, einen Job bei einer Pariser Zeitung. Jedoch erfüllt sie das nicht. Sie führt ein Doppelleben. Sie ist eine Getriebene: Wann immer es ihr möglich ist, betrügt sie ihren Mann. Sie lässt sich ficken. Bekannte, Kollegen, willkürliche Fremde.
​Slimani taucht tief ein in die Psyche ihrer Hauptfigur, gibt dem Leser das Gefühl, hautnah mitzuerleben, zu spüren, mit zu erleiden. So tief, so intim, dass es nahezu unangenehm ist. Weh tut. In dieser Geschichte ist nichts subtil, die Autorin schont ihre Leser nicht, explizit schildert sie Adèles Niedergang – fassungslos, oft angewidert folgt man ihr atemlos Richtung Abgrund – oder in die Erlösung?
​Nach und nach legt Slïmani die Schichten dieser Frau frei – dringt in ihre Kindheit, erzählt von ihren Eltern – und liefert Ansätze, warum sie solch eine versehrte Seele ist. Warum sie so abstoßend auf ihre Mitmenschen wirkt. Gänzlich lösen kann sie dieses Mysterium nicht. Und lässt den Leser verstört zurück. Eine Lektüre, die niemanden kalt lassen wird. Lesen! Ein Meisterwerk.

Ein romantisches Wechselbad der Gefühle

"Bleib doch, wo ich bin" als Roman
"Schon lange habe ich nicht mehr so herrlich mit zwei Menschen mitgefiebert, ob und wann sie endlich zusammenkommen", sagt Florian Valerius über diesen Roman.
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"Bleib doch, wo ich bin" von Lisa Keil*
Kaya hat eine kleine Buchhandlung in ihrem Heimatort Neuberg – und ein Shetlandpony. Freundschaften (vor allem die mit Tierarzt Rob) pflegt sie, Männer bleiben jedoch meist nur für eine Nacht. Lasse ist Lehrer und musste - aus Gründen - sein geliebtes Köln verlassen und landet an der Schule in Kayas Städtchen. Als die beiden sich kennenlernen… Ach was, lest einfach selber, es wäre viel zu schade, hier schon zu viel über all die amourösen und amüsanten Verwicklungen, die durch das Aufeinandertreffen der beiden entstehen, zu berichten.
Der Roman ist warmherzig, sprüht vor Charme, Witz und Liebe. Lisa Keil schafft es, dass die Funken nur so auf die Leser überspringen. Und das nicht zuletzt wegen all der wunderbaren Charaktere, die die Geschichte bevölkern. Schon lange habe ich nicht mehr so herrlich mit zwei Menschen mitgefiebert, ob und wann sie endlich zusammenkommen. Man wird durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt, Keil baut geschickt ein wenig Drama in die Geschichte ein und lässt die Leser ordentlich mitzittern.
​Kurzum, wer diesen Sommer einen Unterhaltungsroman lesen will, der liest "Bleib doch, wo ich bin"! Stimmig, bis ins kleinste Detail, unglaublich witzig, sehr sexy und einfach Urlaub für die Seele!

Bonus-Tipp

Am 23. August erscheint das erste eigene Buch von Florian Valerius im Verlag ArsEdition, das er zusammen mit Mareike Fallwickl geschrieben hat.

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