Weil ihr Glaube keine Scheidung erlaubt

Brasilianische Politikerin lässt Ehemann ermorden - Anklage!

Flordelis
Flordelis

28. August 2020 - 14:07 Uhr

Flordelis dos Santos soll ihre Kinder zum Mord angestiftet haben

Flordelis dos Santos ist in Brasilien eine Berühmtheit. Sie ist Abgeordnete im brasilianischen Parlament, Sängerin und evangelikale Pastorin. Doch nun hat die Staatsanwaltschaft in Rio de Janeiro Anklage gegen die Frau erhoben. Der Vorwurf: dos Santos soll ihren Kinder befohlen haben, ihren Ehemann zu ermorden, weil eine Scheidung gegen ihren Glauben verstoßen hätte. Einer ihrer Söhne soll den Vater daraufhin erschossen haben. 

Anderson do Carmo mit 30 Kugeln ermordet

Es hätte so aussehen sollen, als sei dos Santos Ehemann Anderson do Carmo brutalen Einbrechern zum Opfer gefallen, erklärten die Ermittler. Der 42-Jährige wurde am 16. Juni 2019 mit rund 30 Kugeln in der Garage des Paares in einem Vorort von Rio de Janeiro erschossen. Doch die Sache flog schnell auf. Wenig später nahm die Polizei den leiblichen Sohn des Paares, Flávio dos Santos, fest. Er gestand vier Tage später, sechs Mal auf seinen Vater geschossen zu haben.

Insgesamt sieben Kinder, eine Enkelin und zwei weitere Personen haben laut den Ermittlern die Finger im Spiel. Die Stippenzieherin: Ehefrau Flordelis dos Santos. Sie soll den Mord befohlen haben. Laut Staatsanwaltschaft soll sie mit der Art und Weise unzufrieden gewesen sein, wie ihr Ehemann – ebenfalls ein evangelikaler Pastor – das Geld der Familie verwaltete. Demnach hätte do Carmo sie daran gehindert, ihren Lieblingskindern eine "bevorzugte Behandlung" zukommen zu lassen. Das Paar hat insgesamt 54 Kinder. Neben vier leiblichen, adoptierten sie 50 Straßenkinder aus den Favelas - den Armenvierteln von Rio.

Ermittler: Dos Santos steckt hinter dem Mord an ihrem Ehemann

Weil eine Scheidung für die Pastorin aus religiösen Gründen nicht in Frage kam, habe sie beschlossen, ihren Ehemann zu töten. "Sie hat nicht nur diesen ganzen kriminellen Plan entworfen, sondern auch den Kauf der Waffe finanziert, die Leute davon überzeugt, dieses Verbrechen zu begehen und hat Beweise zurückgehalten", sagt Allan Duarte, Leiter der Mordkommission, dem Nachrichtenportal "A Gazeta". Zudem habe sie bereits in den Jahren zuvor versucht, ihren Ehemann mindestens sechs Mal zu vergiften. Unter anderem sei ihm mit Arsen versetztes Essen und Trinken serviert worden. 

Duarte wirft der Pastorin und Politikerin vor, "dass ihr ganzes Bild von Altruismus und Moral nur ein Mittel war, um eine finanzielle und politische Position zu erreichen." Die Ansicht teilt auch Staatsanwalt Sergio Lopes Pereira: "In dieser krummen Logik war der Mord für sie weniger skandalös als eine Scheidung."

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Anwalt: Dos Santos ist unschuldig

Hinter Gitter muss dos Santos aber vorerst nicht, denn als Abgeordnete des brasilianischen Parlaments ist sie vor einer Verhaftung geschützt. Zunächst müsse ihre Immunität aufgehoben werden, heißt es. Die Pastorin "ist sehr verärgert über alles, was geschieht, denn sie ist unschuldig", sagte ihr Anwalt laut brasilianischen Medienberichten. "Sie hat dieses grausame Verbrechen nie angeordnet."