Motivationstrainer und Autor im Interview

Biyon Kattilathu verrät, warum Selbstliebe so wichtig ist

Wer mit positiven Gedanken in den Tag startet, ist im Vorteil.
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26. Dezember 2020 - 12:17 Uhr

"Weil ich es wert bin"

Motivationstrainer Byion Kattilathu ist vielen Menschen vor allem durch seine zahlreichen Videos in den sozialen Medien (Instagram, YouTube, Facebook und TikTok) bekannt. Er ist aber auch ein erfolgreicher Autor. Sein neues Buch "Weil ich es wert bin"* 🛒 soll das kleine Mädchen, das in jeder Frau steckt, mit 101 kleinen Gedichten und Herzensgedanken wieder daran erinnern, wie liebenswert und wichtig es ist. Im Interview mit RTL.de erklärt Biyon, warum Selbstliebe so wichtig ist und wie wir mit Minderwertigkeitsgefühlen, Versagensängsten und Selbstzweifeln umgehen können.

von Isabel Michael

"Das Leben ist ein Spiel. Wir können es nicht gewinnen, aber bestmöglich spielen"

RTL.de: Warum haben Sie das Buch geschrieben?
Biyon Kattilathu: "Das Buch ist im Lockdown entstanden. Meine Tour ist ausgefallen und meine ganze Jahresplanung war hinüber. Dann habe ich mich gefragt, was ich tun kann und was den Menschen im Moment gut tun könnte. Irgendwie fühlt es sich aktuell so an, als ob wir alle so ein gemeinsames Gefühl haben. Wir fühlen uns unsicher und zweifeln. Viele Menschen sind auch bezüglich ihres eigenen Weges am Nachdenken. Die kalte Jahreszeit ist für viele Frauen und Männer so eine Zeit, in der man einen Platz für die Seele oder für das Herz bräuchte. Ich habe noch nie Gedichte geschrieben und das war mein erstes Buch in den Kontext. Es hat sich richtig angefühlt und ich wollte viele Menschen damit ein Stück glücklicher machen."

Warum fehlt es so vielen Menschen an Selbstliebe?
"Ich denke, wir sind eigentlich glücklich, aber haben es irgendwie vergessen. Bei dem Buch geht es ja ganz speziell um das innere Kind, weil wir alle ja wissen wie es ist, wenn man sich komplett frei und leicht fühlt. Früher gingen wir noch sorgenfrei durch das Leben. Aber was ist passiert in der Zwischenzeit? Da haben sich Schleier gebildet. Das kann verschiedene Gründe haben: Die Erziehung, schlechte Erfahrungen und andere Dinge spielen da eine Rolle. Beispielsweise haben wir als Kinder die Erfahrung gemacht, dass wir gut und wertvoll sind, wenn wir eine gute Note schreiben. Dabei darf mein Verhalten niemals meinen Wert definieren. Die schlechten Erfahrungen wie Liebeskummer oder ausgelacht worden zu sein, können dazu führen, dass wir so eine Art Selbstschutz aufbauen. Wir wurden zum Beispiel schüchtern oder vertrauen der Liebe nicht mehr. Wir wollen diesen Schmerz nicht mehr spüren. Im Endeffekt geht es aber darum das Leben nicht so ernst zu nehmen, weil es ein Spiel ist. Wir können es nicht gewinnen, aber bestmöglich spielen."

Welche Auswirkungen hat ein negatives Selbstbild auf das eigene Leben?
"Fehlende Selbstliebe spüren wir an allen Ecken und Enden. Das kann zum Beispiel sein, dass wir anfangen, nur noch für andere Menschen zu funktionieren. Wir vergessen die wichtigste Beziehung, die Beziehung zu uns selbst, weil wir denken, dass wir erst einmal für andere da sein müssen."

Was ist der Unterschied zwischen Selbstliebe und Selbstbewusstsein?
"Selbstbewusstsein bedeutet, sich seiner selbst bewusst zu sein. Das heißt zu wissen, was man gut kann und was nicht. Dann sollte man auch zu seinen Stärken und Schwächen 'Ja' sagen. Das gibt einem so ein schönes Gefühl, wenn man sagt 'Ich bin okay so wie ich bin'."

Wieso binden so viele Frauen ihren Selbstwert an ihr Äußeres und Männer ihren an Status und Geld? Wie kommt man darüber hinweg?
"Wenn man mal mit Männern spricht, die viel Geld verdienen oder mit Frauen, die optisch die Schönheitsideale erfüllen, fehlt denen oft etwas. Ganz viele Menschen, die mir folgen, sind Menschen, wo wir sagen würden: "Wow, er oder sie hat doch alles. Warum braucht der das?" Diese Menschen haben das Glück immer im Außen gesucht. Wenn der Selbstwert aber nur von der Bestätigung anderer Menschen abhängt, bin ich immer abhängig von denen. Wenn ich zum Beispiel das Auto oder das Geld brauche, um Anerkennung zu bekommen, brauche ich immer wieder Anerkennung. Wenn ich als Frau die Blicke und Komplimente benötige, dann versuche ich daraus meinen Selbstwert zu definieren. Aber das ist dann kein Selbstwert, sondern ein Fremdwert. Wenn wir morgens aufstehen und in den Spiegel schauen, erkennen wir, wer wir wirklich sind. Es spielt keine Rolle, wie wir aussehen oder was wir haben. Es ist ein Geburtswert von uns Menschen unendlich wertvoll zu sein."

Sollte man nun aufhören, sich zu schminken, Sport zu machen oder nach viel Geld zu streben?
"Nein, das sage ich nicht, aber die Grundlage liegt immer ganz tief im Inneren. Wenn wir uns wertvoll fühlen, dann machen wir den Sport auch für uns. Dann machen wir uns hübsch für uns. Wir machen einen Beruf, weil es unsere Berufung ist und nicht um die Komplimente anderer Menschen zu kriegen."

"Die kleinen Gute-Laune-Muskeln kann man jeden Tag trainieren"

Wie kann man seine Selbstzweifel überwinden und sich mehr lieben lernen?
"Da gibt es verschiedene Wege. Die Frage ist natürlich auch, warum man sich gerade nicht so gut fühlt. Wir können jeden Tag einen Weg einschlagen und an uns und der Beziehung zu uns selbst arbeiten. Wenn ich morgens beim Zähneputzen an drei Dinge denke, für die ich dankbar bin, gehe ich mit einem anderen Gefühl aus dem Haus, als wenn ich daran denke, was alles für Termine anstehen. Wenn ich abends überlege, was gut lief am Tag, schlafe ich anders ein, als wenn ich überlege, was nicht so gut gelaufen ist oder was ich hätte besser machen können. Das sind so Kleinigkeiten, die man in seinen Alltag einbauen kann. Diesen kleinen Gute-Laune-Muskel kann man jeden Tag trainieren - egal wo man ist."

Wie ist das denn jetzt, wenn ich bestimmte Dinge an mir nicht mag, beispielsweise eine zu große Nase. Soll ich mir dann vor dem Spiegel einreden, dass ich schön bin?
"Nein. Das würde ja bedeuten, dass ich mich anlügen müsste. Im Endeffekt hat jeder drei Chancen in seinem Leben: Er kann entweder akzeptieren was ist, die Situation verlassen, also sich nicht mehr damit beschäftigen oder etwas verändern. Ich sage nicht, dass man nichts verändern sollte, wenn man total unzufrieden ist. Wenn ein Mensch übergewichtig ist und sich nicht gut fühlt, kann er gerne etwas dagegen tun. Das ist ja auch aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll. Jeder Mensch ist dazu fähig, sich zu entscheiden, was ihm gut tut oder nicht gut tut. Ich denke aber, dass wir immer wieder an den Punkt kommen werden, an dem wir unzufrieden sind, wenn wir nicht unsere innere Einstellung ändern. Ein Mensch der sagt, ich mag meine Nase nicht, kann sich operieren lassen. Aber dann wird er vielleicht seine Augen nicht mehr mögen oder andere Dinge an sich verändern wollen. Dieses innere Gefühl wird immer wieder kommen. Es zeigt sich nur in anderen Facetten und kann sich erst grundlegend verändern, wenn wir unsere Einstellung dazu verändert haben – also anders mit uns selbst umgehen. Deswegen klappen auch viele Neujahrsvorsätze nicht, weil man nur versucht, mit Willensstärke sein Verhalten zu verändern. Wir müssen erst verstehen, warum wir etwas machen oder nicht mehr machen wollen. Die Frage nach dem Warum ist viel entscheidender, als die nach dem Wie."

Wie wichtig ist das Thema Selbstliebe in Beziehungen?
"Absolut wichtig. Viele Menschen suchen die Liebe, die sie sich selbst nicht geben, in ihren Partnern. Man sollte sich fragen, ob man den Menschen bedingungslos liebt oder nur das Gefühl, das der andere einem gibt. Viele Paare sind abhängig voneinander. In einer gesunden Beziehung ist aber jeder für sich selbst verantwortlich. Außerdem investieren beide gleich viel Energie in die Beziehung. Immer gilt aber: Ich muss mich selbst lieben, bevor mich andere Menschen lieben können."

Was kann ich tun, wenn ich merke, dass mir mein aktueller Partner nicht gut tut oder ich emotional abhängig von ihm bin?
"Erstmal muss man erkennen, dass etwas nicht stimmt. Das ist schon der erste Schritt. Wenn ich abhängig von meinem Partner bin, bin ich wieder von einem Fremdwert bestimmt. Dann brauche ich das Gefühl, das der Mensch mir gibt. Dann sollte ich mich wieder mehr um mich selbst kümmern. Das muss nicht zu einer Trennung führen, aber zu einer Veränderung. Beispielsweise nehme ich mir mehr Zeit für mich. Es gibt viele Wege, um die Beziehung zu sich selbst wieder aufleben zu lassen."

Viele Menschen belastet die Coronakrise sehr. Sie haben Angst vor dem Virus, fühlen sich durch die Maßnahmen belastet oder plagen sich mit Zukunftsängsten herum. Haben Sie Tipps, wie man besser mit dieser Unsicherheit umgehen kann?
"Je mehr wir uns negative Gedanken machen, desto schlechter fühlen wir uns. Ich zum Beispiel bin kein Freund davon, mich in die Nachrichten zu vertiefen. Ich informiere mich auch, aber schaue nicht jede freie Minute nach, was es Neues gibt. Die meisten Menschen fühlen sich ohnmächtig, weil sie merken, dass sie so wenig verändern können. Sie können die Politik nicht verändern, die Regeln nicht ändern oder den Lockdown nicht aufheben. Wenn ich aber im Außen schon nichts verändern kann, dann im Kleinen. Ich kann zum Beispiel neue Gewohnheiten in mein Leben integrieren. Vielleicht kann ich auch optisch etwas an mir oder an meinem Geist verändern. Ich kann auch mein Umfeld verändern. Das heißt: Wenn wir uns im Kleinen verändern, dann verändern wir die ganze Welt. Ich finde Glück ist, auch oftmals akzeptieren zu können, was ist. Ich kann mich zwar dagegen auflehnen, aber wenn ich akzeptiere gerade ist - wie den Lockdown - dann habe ich den inneren Frieden damit gefunden."

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