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Bistum Limburg: Wegen sexuellen Missbrauchs muss Ex-Priester zehn Prozent seiner Nettoeinkünfte zahlen

7 lange Jahre musste ein Junge leiden

Milde Strafe für sexuellen Missbrauch: Ex-Priester muss 10 Prozent seines Einkommens als Strafe zahlen

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Priester hält einen Rosenkranz und eine bischöfliche Erklärung zu den Missbrauchsfällen durch Jesuiten-Pater in der Hand (Foto vom 07.02.2010). Für viele Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche reicht der Hi
Weil er einen Jungen über Jahre hinweg sexuell missbrauchte, wurde ein ehemaliger Priester nun zu einer Geldstrafe verurteilt.
dpa, Jochen Lübke

von Konstantin Müller

Das Limburger Kirchengericht hat einen ehemaligen Priester verurteilt, weil dieser von 1986 bis 1993 mehrfach einen minderjährigen Jungen sexuell missbraucht hat. Mittlerweile ist der Mann 76 Jahre alt und in Rente. Das Urteil sieht wie folgt aus: Er muss sechs Jahre lang zehn Prozent seiner Nettoeinkünfte an eine nichtkirchliche, gemeinnützige Organisation spenden. Das teilt Stephan Schnelle vom Limburger Bistum auf RTL-Nachfrage mit. Aber ist diese Strafe wirklich angemessen? Es gibt Kritik.

Bistum Limburg. Foto: Thomas Frey/Archiv
Das Bistum Limburg hat in einer Pressemitteilung über die Verurteilung eines ehemaligen Priesters informiert.
DPA

Priester verurteilen Priester

Matthias Katsch engagiert sich bei dem sogenannten „Eckiger Tisch e.V.“. Er wurde als Kind selbst Opfer sexuellen Missbrauchs und von Anhängern einer religiösen Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche mehrfach misshandelt. Heute kümmert er sich darum, sexuellen Kindesmissbrauch aufzuklären.

Das nun gefallene Urteil gegen den ehemaligen Priester sieht er kritisch. RTL sagt er: „Diese sogenannten ‘Kirchengerichte’ arbeiten im Verborgenen, ohne Öffentlichkeit, ohne unabhängige Anwälte und Juristen. Die ’Richter’ sind selbst Priester, die über ihren Standesgenossen urteilen. Die Verfahren sind und bleiben geheim. Die Opfer haben kein Recht auf Nebenklage, usw.“

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Da bis auf Mord alle Straftaten verjähren, konnte der mittlerweile 76 Jahre alte Ex-Priester strafrechtlich für den Kindesmissbrauch nicht mehr belangt werden. Das Urteil des Kirchengerichts hat nun dazu geführt, dass er doch noch zur Rechenschaft gezogen wird. Da er aber bereits aufgrund seines Alters aus dem Klerikerdienst ausgeschieden ist, konnte er aus diesem eben nicht mehr ausgeschlossen werden. Das teilt das Limburger Bistum mit.

Matthias Katsch
Der Geschäftsführer des "Eckigen Tischs", Matthias Katsch, kritisiert das Urteil des Bistums Limburg. Foto: Gregor Fischer/dpa
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Verurteilung dennoch wichtig für die Opfer?

Die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs sieht in dem Urteil dennoch einen positiven Aspekt. Dr. Heiner Keupp erklärt das RTL gegenüber wie folgt: „Viele Betroffene berichten uns: Es ist für sie auch nach vielen Jahren wichtig, dass offiziell festgestellt wird, sie sind nicht (mit)schuld an dem Missbrauch, sondern der Täter, auch wenn ihnen das versucht wurde einzureden.“

Darüber hinaus ginge es Betroffenen häufig nicht allein um ihren individuellen Fall, sondern auch darum, mit ihrer Geschichte zur Aufklärung beizutragen und auch andere Betroffene zu stärken.

Der Sozialpsychologe Heiner Keupp bei einer Pressekonferenz
Der Psychologe Heiner Keupp sieht in dem Urteil des Kirchengerichts dennoch einen Nutzen. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild
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Straftat bis zur Verjährung geheim gehalten?

Matthias Katsch hingegen zweifelt daran, ob diese Aufarbeitung aus Opfersicht positiv bewertet werden kann. Immerhin liegt die Tat über 30 Jahre in der Vergangenheit. „Die kirchliche Geheimhaltung hat auch in diesem Fall solange gedauert, bis die Verbrechen strafrechtlich verjährt waren“, sagt er. Der sexuelle Missbrauch von Kindern verjährt nach 20 Jahren.

Todesfall im Bistum Limburg

Aktuell steht das Bistum Limburg aufgrund eines Todesfalls im Fokus der medialen Berichterstattung . Christof May, der Leiter des Priesterseminars, ist vergangenen Donnerstag tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Nach Angaben des Bistums solle er einen Tag zuvor ein Gespräch mit Bischof Georg Bätzing geführt haben. Bätzing hatte ihn von allen Ämtern freigestellt, weil gegen May Vorwürfe aufgrund „übergriffigen Verhaltens“ laut geworden waren. Erst Anfang Juni war ein Bezirksdekan nach Bekanntwerden von Belästigungsvorwürfen zurückgetreten.